Dino City

Dinos verlassen in einer Woche die Bochumer Innenstadt

Michaela Borzymski arbeitet in der Mayerschen Buchhandlung. Dort steht ein  Protoceratoos, zu dem sie kurzerhand eine Playmobil-Figur stellte. Gefahr drohe nicht, schreibt die Leserin: „Der will doch nur spielen.“

Michaela Borzymski arbeitet in der Mayerschen Buchhandlung. Dort steht ein Protoceratoos, zu dem sie kurzerhand eine Playmobil-Figur stellte. Gefahr drohe nicht, schreibt die Leserin: „Der will doch nur spielen.“

Foto: Michaela Borzymski

Bochum.  Noch eine Woche, dann verlassen die Dinosaurier die Bochumer Innenstadt. Die Stadtwerber ziehen schon jetzt eine Erfolgsbilanz der Urzeit-Schau.

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Die Dinos verlassen Bochum. Noch eine Woche, dann treten die Urzeit-Echsen den Ausmarsch gen Niedersachsen an. Zurück zu dem Skulpturenbauer, der sie (wie zuvor schon die XXL-Weihnachtsmänner) für ihr Gastspiel in der Innenstadt erschaffen hat.

Bei der Bochum Marketing GmbH blicken sie noch immer einigermaßen ungläubig auf die vergangenen fünf Wochen zurück. „Der Erfolg hat uns selbst überrascht“, gesteht Sprecher Christian Gerlig. Dass die 33 Kunstharz-Nachbildungen (acht davon bei Blumen Schley in Wattenscheid) ein Blickfang in der Ferienzeit sein würden: Damit durften die Stadtwerber rechnen. Dass die Dinos einen regelrechten Siegeszug antreten, der Jung und Alt in seinen Bann zieht, war so aber nicht zu erwarten.

Schau knüpft an Urzeit-Fährte an

Vom „Stadtmarketing bester Sorte“ schwärmt Christian Gerlig. Denn die Dinosaurier seien ja nicht zufällig nach Bochum gekommen. Vielmehr – und das ist bei aller Euphorie vielleicht in Vergessenheit geraten – knüpfte die Bochum Marketing GmbH mit der „Dino-City“-Idee an einen spektakulären Fund im Süden Bochums an. 2012 war im Ruhrtal in Stiepel die älteste je in Deutschland gesicherte Spur eines Land-Reptils (Ichniotherium Praesidentis) entdeckt worden. Das Alter der Versteinerung in einer Felswand wird auf 316 Millionen Jahre geschätzt. Die Steinplatte mit der Spur („Fährtinand“ genannt) wurde aufwendig geborgen und ist im Bergbaumuseum eingelagert.

Seit dem Ausstellungsstart Mitte Juli haben sich Tausende Dino-Fans, mitunter aus ganz Nordrhein-Westfalen angereist, an die Spuren der Echsen geheftet. Eltern und Großeltern mit Kind und Kegel, Freunde und Nachbarn, Tagesmütter und komplette Kindergartengruppen: Die Dinos waren und sind der Hingucker, zuvorderst der 20 Meter lange Gigant im Bermuda-Dreieck, aber auch seine Artgenossen quer verteilt in der Einkaufszone bis hin zum Planetarium an der Castroper Straße.

Dinos sind begehrte Foto-Motive

Ungezählt sind die Handy-Fotos, die von den Riesen geknipst wurden. Etwa von Kathrin Freitag mit ihrem Sohn Clemens auf dem Boulevard vor Baltz. Große Augen machte der Fünfjährige. Daheim hat der Dino-Fan zwar etliche Spielfiguren. Doch diese Dino-Dimensionen kannte der Knirps bisher nicht. „Angst“, flüsterte Clemens, „hab’ ich aber nicht.“

Zahlreiche WAZ-Leser folgten unserem Aufruf und schickten uns ihre schönsten Dino-Aufnahmen. Eine Auswahl veröffentlichen wir hier.

Keine Grafitti und Schmierereien

Derweil zieht BO-Marketing eine erste Bilanz. Und die fällt durchweg erfreulich aus. „Entgegen unserer Befürchtungen gab es keinerlei Graffiti oder Schmierereien auf den Figuren“, sagt Christian Gerlig. Bis auf einige Reparaturen – abgebrochene Krallen oder zersplitterter Lack, instandgesetzt vom Dino-Doc Benjamin Zdeb – sind keine Schäden zu beklagen. Und: Der Einzelhandel und die Gastronomie profitieren vom Dino-Boom. City-Managerin spricht von einem Umsatzplus bis zu 30 Prozent.

Der Abschied rückt näher. Am Montag (26.) werden die Dinos letztmals zu sehen sein. Tags drauf werden die Figuren auf Lastwagen geladen und zurück nach Niedersachsen gebracht. Kahlschlag im Jurassic Park. Ob’s eine ähnliche Aktion im nächsten Sommer gibt? „Mal schauen“, sagt Christian Gerlig. „Ideen haben wir viele.“ Fest stehe nur: Eine Rückkehr der Dinos nach Bochum wird es zumindest in den nächsten Jahren nicht geben.

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