Der Plan: Energie von der Deponie

Stadt will Fäulnisbakterien künstlich "beatmen" und den Methanbildungs-Prozess beschleunigen und kanalisieren. Für das neue Verfahren gibt es aber (noch) kein Fördergeld - der Topf ist leer

Wo sich Fäulnisbakterien austoben können, entsteht Methan: im Sumpf, im Rindermagen - und auch dort, wo früher Hausmüll abgekippt wurde. Um das unkontrollierte Austreten des explosiven Biogases zu verhindern, muss auch die Stadt Bochum etliche Installationen vorhalten, die Methan im Boden kontrolliert sammeln und ableiten. Warum nicht sammeln und daraus Energie gewinnen, fragte man sich im Umweltamt und stielte ein Pilotprojekt für zwei Alt-Deponien ein. Dessen Realisierung muss allerdings verschoben werden, weil die Fördertöpfe des Landes leer sind.

Hausmüll-Deponien enthalten traditionell große Mengen an biogen abbaubarer Masse. Eine Auswertung der Altdeponie "An der Holtbrügge", sagt Umweltamts-Leiter Gerhard Zielinsky, habe die konstante Absaugung von 37 Kubikmetern Methan pro Stunde ergeben, "daraus lassen sich jährlich 530 000 Kilowattstunden Energie gewinnen." Und das sei erst der Anfang.

In den tiefen Deponieschichten seien die produzierenden Bakterien eher lahm und behäbig, was den Zeitraum des Gasausstoßes ziemlich in die Länge ziehe. Mit einem neuen Verfahren, so Zielinsky, könne man sie aber quasi künstlich "beatmen" und aktivieren. Auf diese Weise erhalte man eine größere Methan-Menge in verkürztem Zeitraum. Zielinsky: "Man könnte die Ausbeute verdoppeln oder gar verdreifachen." Und die Gasgefahr, die Brunnen und Drainagen nötig mache, sei früher beseitigt.

Eine Nutzung von Deponiegas existiert seit Jahren auf der ZDK in Kornharpen. Für das neue Modell-Verfahren hatte sich die Stadt die Deponie Holtbrügge ausgesucht, als zweiten Standort die Alt-Deponie Baroper Straße im Süden von Langendreer. Auch hier wurden Siedlungsabfälle untergebracht, sie gilt aber als etwas ertragsärmer.

Damit der Plan klappt, hat das heimische Ingenieurbüro CDM eine Bedarfsliste aufgestellt: Es müssten etwa 20 spezielle Tiefenbrunnen angelegt oder umgerüstet werden. Am anderen Ende stünde eine Verstromungsanlage mit Mikro-Gasturbinen. Die erzeugte Energie würde ins öffentliche Stromnetz eingespeist, ob eine Nutzung der Abwärme möglich ist, werde ebenfalls geprüft. "Die Kosten würden sich auf etwa zwei Mio Euro belaufen", haben Umweltamt und CDM hochgerechnet.

Viele eigene Gedanken, aber wenig eigenes Geld: Man entschloss sich also, 80 Prozent Förderung aus dem Programm "Regie-Cluster NRW" bzw. der EU-Ziel-2-Mittel zu beantragen. Die Stadt würde die betreffenden Grundstücke als "Eigenleistung" in die Kooperation einbringen.

Beim Land, bedauert der Umweltamts-Leiter, ist aktuell der Topf leergelöffelt. Aus dieser Quelle könne man in 2008 nichts mehr erwarten. Stadtverwaltung und Ingenieurbüro sind aber dem Vernehmen nach wild entschlossen, für das kommende Jahr einen neuen Anlauf zu unternehmen.

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