Dampf-Festival

Dampf-Festival bei Zeche Hannover zieht die Massen an

Dampfwalzen ließen vor dem mächtigen Malakowturm der Zeche Hannover das Dampfzeitalter lebendig werden.

Dampfwalzen ließen vor dem mächtigen Malakowturm der Zeche Hannover das Dampfzeitalter lebendig werden.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Bei der Zeche Hannover dampfte es am Wochenende gewaltig: Mehr als 40 originale und nachgebaute Dampfwalzen, Traktoren und Lokomotive waren da

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Heißer Dampf liegt über der Zeche Hannover. Aus Schloten steigt Rauch empor, im Hintergrund schnaufen Dampfmaschinen. In einem schwarzen viktorianischen Kleid wandelt Silke Schubert über das Museumsgelände.

Treffpunkt der Steampunkszene

„Ich komme aus der Steampunk-Szene. Wir stellen uns vor, wie die Welt wäre, wenn alles noch mit Dampf betrieben wäre“, sagt die Besucherin des größten Dampf-Festivals in Deutschland. Ein paar Meter entfernt präsentiert Hans-Werner Dörich eine Bajonett-Dampfmaschine, die eine Drechselbank antreibt. „Ich sammele seit 40 Jahren Dampfmaschinen und nenne über 100 Stück mein Eigen“, so der 61-Jährige.

Er habe früher gewerblich auf Schiffen mit Dampfmaschinen gearbeitet, ihn begeistere, dass hinter jeder Maschine eine Geschichte stecke. Im Hintergrund ertönt ein lautes Pfeifen: Chris Bimmel fährt auf Dampf-Traktor „Keck“, einer Maschine des amerikanischen Herstellers Keck-Gonnermann aus dem Jahr 1930, an den Besuchern vorbei. „Der Traktor ist zum ersten Mal in Deutschland zu sehen“, erzählt Bimmel mit kohleverschmiertem Gesicht. Gleich neben ihm steht Prachtstück Hendrina. „Das ist eine Kirmes-Zugmaschine, die 1913 hergestellt wurde“, so Aussteller Jan Linders. „Sie verfügt über einen eigenen Dynamo, der aus Dampfkraft elektrische Energie für die Beleuchtung erzeugt“, erklärt er. Das sei im frühen 20.Jahrhundert eine Sensation gewesen.

Selbstgebautes Dampffahrrad ist Sensation

Eine Sensation ist auch John van de Riets selbstgebautes Dampffahrrad. „Er fährt damit sogar“, sagt Ehefrau Elly van de Riet. Ihr tüftelnder Mann habe auch zwei Winter lang eine finnische Maschine im Maßstab 1:3 nachgebaut. Familie Werny, die für das Spektakel aus dem Sauerland angereist ist, ist begeistert. „Die Atmosphäre ist toll, alle Details sind so liebevoll“, sagt Mutter Anja Werny.

Während die Familie das älteste Exemplar des Festivals, eine Feuerspritze aus dem Jahr 1884, bestaunt, schlendert eine Dame im auffälligen Kostüm vorbei. Auf dem Kopf trägt sie einen Zylinder und eine Schweißerbrille, sogenannte „goggles“. „Mein Künstlername ist Aouda Lysithea von Steamburgh“ sagt sie. Sie verstehe sich als Zeitreisende, die die Utopien des Jule-Verne-Zeitalters weiterlebe.

Museumsleiter ist zufrieden

LWL-Museumsleiter und Gastgeber des Festivals Dietmar Osses ist zufrieden: „Die Technik ist faszinierend. Es handelt sich um ein einmaliges Erlebnis für die Sinne“, sagt er und atmet den Dampf mit geschlossenen Augen tief ein.

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