Coronavirus

Coronavirus: So laufen die Notgruppen in den Bochumer Kitas

Die Kinder, die aktuell in Notgruppen unterkommen, haben die Kitas fast für sich allein. Der Andrang in den Bochumer Kindertagesstätten ist aktuell jedenfalls überschaubar.

Die Kinder, die aktuell in Notgruppen unterkommen, haben die Kitas fast für sich allein. Der Andrang in den Bochumer Kindertagesstätten ist aktuell jedenfalls überschaubar.

Foto: Caroline Seidel / picture alliance/dpa

Bochum.  Seit Montag bieten Bochumer Kitas Notgruppen für Kinder von Eltern an, die im Job unabkömmlich sind. Die Erzieherinnen sind auf alles vorbereitet.

Seit Januar erst ist Rebecca Zipp Leiterin der evangelischen Kita „Die Schatzinsel“ in Grumme. „Wenn das hier vorüber ist, kann mich dann nichts mehr schocken“, sagt sie lachend angesichts der aktuellen Situation. Das Coronavirus und seine Folgen. Alle Kitas im Land sind geschlossen. Und doch sind die Erzieherinnen vor Ort, weil sie für Kinder von Eltern, die im Job unabkömmlich sind, Notgruppen anbieten müssen. Ein Lage-Bericht.

Coronavirus: Andrang auf Notgruppen in Bochumer Kitas hält sich in Grenzen

Die Betreuung rückt an diesem Montag eher noch in den Hintergrund. „Wir hängen vor allem viel am Telefon, um Fragen von Eltern zu beantworten, und überarbeiten unsere Internetseite, um sie zu aktualisieren“, beschreibt Rebecca Zipp die ersten Stunden. Noch ist kein Kind in der Notgruppe. „Morgen aber werden zwei gebracht“, sagt Zipp.

In „ihrer“ Kita gibt es einige Kinder mit Eltern, die einen Sonderstatus haben. „Von einem Kind, das ab Dienstag in die Notgruppe kommt, sind beide Eltern bei der Polizei, die Mama sogar im Corona-Krisenstab“, sagt Rebecca Zipp. „Die Eltern von dem anderen Kind sind beide in der Pflege tätig und auf unsere Unterstützung ebenfalls angewiesen.“ Andere Familien, die auch die Notgruppe in Anspruch nehmen dürften, hätten wohl andere Betreuungslösungen gefunden, mutmaßt Zipp. Von denen haben sie zumindest noch nichts gehört.

Eltern brauchen vom Arbeitgeber Bescheinigungen

Viele Eltern müssten sich ohnehin erst von ihren Arbeitgebern entsprechende Bescheinigungen einholen, die ihr „Systemrelevanz“ dokumentieren. „Seinen Dienstausweis muss also niemand zeigen, wenn er sein Kind hier abgibt“, kündigt Rebecca Zipp auch für diese Notsituation lockere Umgangsformen an.

Auch viele Erzieherinnen haben nun ein Betreuungsproblem, weil sie selbst Mütter sind. „Bei uns sind es gleich drei, die nun dafür Sorge tragen müssen, dass ihre Kinder versorgt sind“, beschreibt Rebecca Zipp die Situation. Auch die Köchin habe sie nach Hause schicken müssen, weil es ja nichts zu kochen gab.

Auf die Stimmung in den Kitas drückt die Corona-Krise aktuell nicht. „Es ist eine aufregende, sehr dynamische Zeit“, sagt Rebecca Zipp. Und man warte einfach ab, was noch so alles passiert. Derweil werde in der Kita „klar Schiff“ gemacht. Im täglichen Betrieb bleibt ja immer mal was unerledigt.

Ähnlich gut und gelassen ist die Stimmung auch im Awo-Familienzentrum an der Herrmannstraße am Bergbaumuseum. Hier ist die Notgruppe am heutigen Montag bereits gestartet – mit einem Kind. „In den nächsten Tagen werden es zwei bis drei sein“, weiß die Leiterin Gaby Drees schon jetzt.

Für dieses eine Kind am heutigen Montag stehen gleich 17 (!) Erzieherinnen und Erzieher bereit. „Das wird sich auch noch ändern“, weiß Gaby Drees, „aber der Personalschlüssel wird schon überragend sein.“ Im Familienzentrum werde schon gescherzt: „Bei dieser Betreuung werden die Kinder in fünf Wochen bestimmt ihr Abitur machen können.“

Viele Eltern, die ihre Kinder im Awo-Familienzentrum angemeldet haben, seien Ärzte und im Pflegebereich tätig, verrät die Leiterin. „Die sind auf die Notgruppen wirklich angewiesen.“ Bei der Betreuung sei man sehr darauf bedacht, den Kindern ihre gewohnten Bezugspersonen zur Seite zu stellen. Gaby Drees: „Die Kinder sind teils unter drei Jahre, die hängen an ,ihren’ Erzieherinnen.“

Die Kita „Schatzinsel“ handhabt es genauso. „Es ist ganz wichtig, dass wir den Kindern so viel Normalität bieten, wie es in dieser Ausnahmesituation möglich ist“, sagt Rebecca Zipp.

Weitere Nachrichten aus Bochum finden Sie hier.

Zu Arbeitsbereichen der Eltern, für die die Ausnahmeregelungen gelten, zählen laut des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales insbesondere „alle Einrichtungen, die der Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung und der Pflege sowie der Behindertenhilfe, Kinder- und Jugendhilfe, der öffentlichen Sicherheit und Ordnung einschließlich der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr (Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz), der Sicherstellung der öffentlichen Infrastrukturen (Telekommunikationsdienste, Energie, Wasser, ÖPNV, Entsorgung), der Lebensmittelversorgung und der Handlungsfähigkeit zentraler Stellen von Staat, Justiz und Verwaltung dienen. Weitere Info auf www.bochum.de und unter Tel. 0234/ 910 -12 23 (täglich von 8 bis 16 Uhr).

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben