Traditionsunternehmen

Chinesischer Investor schürt Hoffnung beim Bochumer Verein

Der Herr der Räder. Richard Xuan, Geschäftsführer des neuen BVV-Eigentümers Full Hill Enterprises, schaute sich am Montag mit einer chinesischen Delegation im Werk um. Er versicherte, es werde keine Verlegung des Standorts nach China geben.

Der Herr der Räder. Richard Xuan, Geschäftsführer des neuen BVV-Eigentümers Full Hill Enterprises, schaute sich am Montag mit einer chinesischen Delegation im Werk um. Er versicherte, es werde keine Verlegung des Standorts nach China geben.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.  Der Verkauf an einen Konzern aus China eröffnet dem Bochumer Verein Verkehrstechnik neue Perspektiven. Trotzdem wird die Mitarbeiterzahl sinken.

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Es hat viele Veränderungen gegeben in der 175-jährigen Geschichte eines der traditionsreichsten Bochumer Unternehmen. Aber keine war so einschneidend wie diese. Seit dem 20. März ist die Bochumer Verein Verkehrstechnik (BVV) GmbH mit ihren etwa 550 Mitarbeitern ein chinesisches Unternehmen. Unter dem Dach der Full Hill Enterprises Ltd., die den BVV für dem Vernehmen nach mehr als 100 Millionen Euro von der Osnabrücker Georgsmarienhütte erworben hat, soll der zuletzt schwächelnde Radhersteller für Eisen-, Straßen- und U-Bahnen seine Position als einer der weltweit führenden Hersteller zumindest halten, wenn nicht sogar ausbauen.

Marktposition wichtiger Faktor

Und das bezieht sich nicht nur auf die Marktposition. Mit dem Einstieg des Konsortiums aus Fernost ist die Hoffnung verbunden, „dass die Arbeitsplätze hier in Bochum sicher sind oder ihre Zahl möglicherweise sogar noch ausgebaut wird“, so Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) in seiner Begrüßung der chinesischen Delegation am Montag im weitläufigen Werk an der Gussstahlstraße.

„Es wird keinen Ausverkauf geben“, versuchte Richard Xuang, Geschäftsführer des neuen Eigentümers, vor allem den Beschäftigten die Sorgen um ihren Arbeitsplatz zu nehmen. Full Enterprises, so Xuang gegenüber der WAZ, habe kein Interesse, das Know-how abzuziehen und nach China zu verlagern. Vielmehr solle die Marke BVV und der Standort Bochum gestärkt werden.

Aussagen, die bei Jürgen Wolf besonders gut ankommen. „Es hat schon große Skepsis gegeben“, so der Betriebsratsvorsitzende, als es hieß, der Bochumer Verein werde verkauft. „Aber heute fällt vielen ein Stein vom Herzen, weil die Zeit der Ungewissheit und Gerüchte vorbei ist. Ab heute konzentrieren wir uns wieder auf das, was wir am besten können: Räder herstellen.“

Die Hoffnung ist, dass mit dem neuen Eigentümer die Chancen auf dem zuletzt stagnierenden chinesischen Markt wieder wachsen und statt der momentan wöchentlich 15 Schichten auf absehbare Zeit wieder 20 von Montag bis Montag rund um die Uhr arbeiten. Der BVV-Umsatz war zuletzt von 220 Millionen Euro (2015) auf unter 200 Millionen Euro gesunken. Die Erwartung des neuen Eigentümers ist, „dass wir für Wachstum zu sorgen und die Kapazitätsmöglichkeiten auszufüllen“, so BVV-Geschäftsführer Karl-Heinz Springer.

Wettbewerbsfähigkeit steigern

Allerdings: Trotz Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe allein in diesem Jahr vor allem für Instandsetzungen von Anlagen, wird die Zahl der Beschäftigten auf absehbare Zeit erst einmal sinken. „Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und effizienter arbeiten, weil unsere Hauptkonkurrenten aus Russland, Ukraine, Tschechien und China deutlich geringere Produktionskosten haben“, so Springer. Bis auf gut 500 Beschäftigte wird nach seiner Einschätzung die Mitarbeiterzahl bei gleicher Produktion sinken. Dennoch herrschte am Montag Optimismus. Der Verkauf, so hieß es am Rand der Feierlichkeiten, sei eine Lösung mit Perspektive. Die hätte es ohne den Verkauf vermutlich nicht mehr gegeben.

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