Kommunalpolitik

CDU-Vorsitzender in Bochum macht Weg frei für Neuanfang

CDU-Kreisvorsitzender Christian Haardt tritt auf dem Parteitag im November nicht wieder an. Das ist eine Folge des schlechten Abschneidens der CDU bei der Kommunalwahl 2020.

CDU-Kreisvorsitzender Christian Haardt tritt auf dem Parteitag im November nicht wieder an. Das ist eine Folge des schlechten Abschneidens der CDU bei der Kommunalwahl 2020.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum.  Das schlechteste Wahlergebnis aller Zeiten hat Folgen: Bochums CDU-Chef Christian Haardt gibt den Vorsitz ab. Ein Nachfolger ist schon in Sicht.

28.799 Stimmen oder 20,82 Prozent: Das historisch schlechteste Ergebnis der CDU bei einer Kommunalwahl in Bochum hat Folgen: CDU-Chef Christian Haardt wird beim Kreisparteitag am 21. November nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden kandidieren. „Wir müssen ein Zeichen für einen Neuanfang setzen und das ist am einfachsten mit anderen Personen“, sagt der 55-Jährige.

CDU Bochum: Vorsitzender will Neuanfang mit neuen Köpfen

Seit sieben Jahren steht Haardt an der Spitze der Partei in Bochum. Er übernahm das Amt als Landtagsabgeordneter im Februar 2013, als Vorgänger Christoph Konrad überraschend hinschmiss. Jetzt will Haard selbst an die Seite treten, obwohl er am 13. September als einziger CDU-Kandidat in Bochum seinen Wahlkreis gewann – und zwar in Stiepel mit 34,8 Prozent.

„Ich bin für mich persönlich zu dem Ergebnis gekommen, dass wir uns an einigen Stellen in der Partei neu aufstellen müssen, um als moderne Großstadtpartei wahrgenommen zu werden“, so Haardt. Dazu gehörten auch neue Köpfe in verantwortlichen Positionen.

Gründe für das historische Tief der Christdemokraten wollte Haardt gegenüber der WAZ nicht nennen. Dazu gebe es so kurz nach der Wahl unterschiedliche Auffassungen, aber noch keine abschließende Analyse.

Europaabgeordneter vermisst Profil der CDU in Bochum

Der CDU-Europaabgeordnete Dennis Radtke zeigte sich im Gespräch mit der WAZ indes schon einen Schritt weiter. Es gebe sicher mehrere Gründe für das „Desaster, wie es im Lehrbuch steht“. Zum einen sei es dem „beliebten Amtsinhaber“ Thomas Eiskirch (SPD) gelungen, die Grünen auf seine Seite zu ziehen. „Zum anderen ist das Ergebnis nicht nur eine Quittung für unseren Wahlkampf, sondern es ist uns in den letzten fünf Jahren einfach nicht gelungen, ein eigenständiges Bochumer Profil zu entwickeln“, so Radtke.

Radtke ist nach der Wahl nach eigenen Aussagen ein gefragter Mann in der Partei. „Bei mir klingelt in dieser Causa jeden Tag das Telefon.“ Und der 41-Jährige spricht Klartext.

Radtke: „Beim Thema Schwarzarbeit hat die Stadt versagt“

Gefragt nach Profilierungsmöglichkeiten seiner Partei in Bochum sagt er: „Die Bekämpfung der Schwarzarbeit ist ein Thema, das den Handwerksbetrieben auf den Nägeln brennt. Das ist ein Thema, bei dem die Stadt Bochum völlig versagt hat. Es gibt eine Stelle dafür im Rathaus, das ist viel zu wenig.“

Und er nennt ein zweites Beispiel: „Den Stillstand beim Sozialen Wohnungsbau schiebt die SPD auf das Land. Dabei stellt das Land so viel Geld zur Verfügung, wie nie zuvor. Dann kann es ja an Düsseldorf nicht liegen, dass wir hier nicht voran kommen.“

„Nachwuchs“-Politiker sollen Verantwortung übernehmen

Klingen da eigene Ambitionen durch? „Es reicht nicht, den Vorsitzenden auszutauschen“, so Radtke. „Wir brauchen einen Neuanfang mit neuen Köpfen und neuen Ideen. Das gilt für Partei und Fraktion. Für einen solchen Neuanfang würde ich mich in die Verantwortung nehmen lassen.“

In die Verantwortung nehmen will der Sozialpolitiker aus Wattenscheid dabei insbesondere den CDU-„Nachwuchs“: „Wir haben ein paar tolle junge Leute in den Stadtrat und die Bezirksvertretungen bekommen. Jetzt müssen wir ihnen auch eine Bühne geben und dürfen sie nicht in die dritte Reihe setzen.“

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