Ping Pong Gallery

Bochumer Tischtenniszimmer wird zum Erlebnisraum für Kunst

Tischtennis wird zur Klangkunst: Michael Anacker (aka Kallabris) und Kuratorin Ulrike Kaßler demonstrieren, wie es geht.

Tischtennis wird zur Klangkunst: Michael Anacker (aka Kallabris) und Kuratorin Ulrike Kaßler demonstrieren, wie es geht.

Foto: Joachim Hänisch

Die Ping Pong Gallery bereichert seit 2015 den Kortländer-Kiez mit ungewöhnlichen Ausstellungen. Kuratorin Ulrike Kaßler hat noch viel vor.

Im Kortländer-Kiez hat sich die Ping Pong Gallery etabliert. Hier wird nicht nur Foto-Kunst, sondern zuweilen auch ein Klang-Raum-Erlebnis geboten – wie aktuell in der Installation „The Ping of Pongs“, die mit spielerischer Eigenwilligkeit überrascht.

Überraschungen sind die Spezialität von Ulrike Kaßler, die seit 2015 die Galerie kuratiert. Sie befindet sich in einem Nebenraum der „Trinkhalle“, Herner Straße 8: ein Szenetreff, der nicht nur wegen seiner (Craft)Bier-Angebote und Bio-Frikadellen gefragt ist. Sondern auch wegen seines Tischtennisraums, besagtem Nebenzimmer, das gleichzeitig eine Galerie sein sollte. Da war der Name Ping Pong Gallery schnell gefunden.

Alte Tonbandgeräte

Hier hat Kaßler in den letzten drei Jahren Ausstellungen mit überregionaler Ausstrahlung organisiert. So unscheinbar die Kunsthalle wirkt, so unverkennbar ist ihr Profil: Immer geht es um ambitionierte Kreativität, immer mit Revier-Bezug. Man denke an die Fotoausstellung „Opel und Bochum“ von Hendrik Lietmann oder die Exposition „Die 80er Jahre im Ruhrgebiet“, die 2016 bundesweit Aufmerksamkeit erregte. Kaßler war es gelungen, den Fotografen Reinhard Krause zu gewinnen: „Er hatte in den 80ern das Ruhrgebiet und seine Menschen aus sehr persönlicher Perspektive fotografiert; das war eine echte Wiederentdeckung“, sagt Kaßler. Die s/w-Bilder gingen, als sie in Bochum ausgestellt waren, medial auf Reisen: „Sogar Spiegel online hat berichtet“, sagt Kaßler.

Die Ausstellungsmacherin hat aber auch eine Nähe zur Improvisierten Musik und zur Klang-Kunst. Letzterem Genre ist die Installation „The Ping of Pongs“ des Duos Jendreiko & Kallabris zuzuordnen. Sie besteht aus zwei 70er-Jahre-Tonbandgeräten, deren Magnetbänder über die komplette Stirnseite des Raumes von einem Gerät zum anderen laufen. Eingeschaltet, nehmen die Tonspuren die mittels Mikro unterhalb der Tischtennisplatte aufgefangenen Ping-Pong-Geräusche auf, sobald Spieler zum Schläger greifen. Mit vager zeitlicher Verzögerung spielen die Bänder die Geräusche ab; je rascher die „Pings & Pongs“ entstehen, desto beeindruckender klingt’s. Da wird die Galerie zur Echokammer – souveräner künstlerischer Umgang mit dem Phänomen „Akustik“ trifft auf lässigen Unterhaltungswert. Ganz so, wie die Galerie sich selbst versteht.

Und kommende Ereignisse werfen schon ihre Schatten voraus. Für den Herbst verspricht Ulrike Kaßler eine große Foto-Show zum Thema „Punks im Ruhrgebiet“.

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