Start-up

Bochumer Start-up Physec: Preise pflastern ihren Weg

Entwickelt wird nicht nur am Rechner. Physec-Mitarbeiter Maximilian Gerhardt (v.) zeigt den Geschäftsführen Christian Zenger und Heiko Koepke (r.) eine von ihm erarbeitete technische Lösung.

Entwickelt wird nicht nur am Rechner. Physec-Mitarbeiter Maximilian Gerhardt (v.) zeigt den Geschäftsführen Christian Zenger und Heiko Koepke (r.) eine von ihm erarbeitete technische Lösung.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum.  Bochums Start-up-Szene ist pfiffig und geschäftstüchtig. Physec ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Das junge Unternehmen räumt Auszeichnungen ab.

Und der Gewinner ist: ….. Physec. Auszeichnungen pflastern den Weg des Bochumer Start-up-Unternehmens. Als es vor einigen Tagen mit dem NRW-Gründerpreis dekoriert wurde, war das der geschätzt 20. Preis, den die IT-Perle aus Querenburg seit ihrer Gründung 2016 gewonnen hat.

„Wir müssten das mal alles auflisten“, sagt Christian Zenger und blickt sich in dem Besprechungsraum von Physec in der fünften Etage des Technologiezentrums Ruhr (TZR) an der Ruhr-Uni um. Einige Urkunden hängen an der Wand, andere liegen noch in der Schublade. Und die eine, die des Gründerpreises, haben die Mitgründer und Geschäftsführer Christian Zenger und Heiko Koepke erst vor einigen Tagen aus Düsseldorf mitgebracht. „Zusammen mit dem IT-Sicherheitspreis und der Auszeichnung „Digitales Start-up“, die wir 2018 gewonnen haben, ist das sicher unser renommiertester Preis“, sagt Heiko Koepke, der Mann fürs Geschäftliche im Unternehmen. Wichtig und einträglich. 30.000 Euro gab es dafür vom NRW-Wirtschaftsministerium. Sogar 100.000 Euro (IT-Sicherheit) und 50.000 Euro (digital) waren es für die beiden anderen Auszeichnungen im Vorjahr.

Ohne fremdes Kapital

Viel Geld für eine junge Firma, die zwar längst bei siebenstelligen Umsatzzahlen angekommen ist und 35 Mitarbeiter zählt, die aber immer noch ohne fremdes Kapital wirtschaftet. „Irgendwann kommt vielleicht der Punkt, an dem das notwendig wird“, antwortet Koepke auf die Frage nach Investoren oder potenziellen Käufern. Aber jetzt sei das noch kein Thema.

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Die Entwicklung von Physec ist rasant. Ende 2014 haben sich der studierte Ökonom Heiko Koepke und IT-Experte Christian Zenger, der gerade sein Studium in Massachussets abgeschlossen hatte, kennengelernt und trotz des unterschiedlichen Studium-Hintergrunds einen Nenner gefunden. „Das Wichtigste aus meiner Sicht war, dass wir eine gemeinsame Sprache gefunden haben“, sagt Koepke. „Und Heiko hat die richtigen Fragen gestellt“, ergänzt Zenger.

Kombination hat großes Potenzial

Sie gründeten gemeinsam mit anderen – u.a. mit RUB-Professor und Max-Planck-Institut-Gründungsdirektor Christof Paar, ihre Firma, legten 2016 im „Findungsjahr“ die Grundlagen für ihre Technologie und ihr Geschäft und gingen 2017 an den Markt. Ihre Themen: „das Internet der Dinge“ und IT-Sicherheit. „Uns war ziemlich schnell klar, dass die Kombination aus beidem großes Potenzial hat.“ Das Internet der Dinge, im Grunde die „Vernetzung von Gegenständen“ (Koepke), sei mit so vielen Sicherheitsproblematiken verbunden, „dass man dafür Lösungen braucht“. Und einige davon haben sie in Querenburg entwickelt.

So etwa bei der Energieversorgung: „Man muss die Wärme vor Ort erheben und Werte digital weiterleiten. Zum korrekten Ablesen muss die Kommunikation zwischen dem Zähler und dem Versorger sicher sein. Das ist das erste Produkt, das wir entwickelt haben, eine sichere Kommunikation. Das zweite ist der Manipulationsschutz für Endgeräte. Wenn nicht mehr Menschen Werte an Geräten ablesen, woher weiß ich dann, dass dieses Gerät nicht manipuliert wurde? Das müsse ausgeschlossen werden“, erklärt Heiko Koepke. Beides sind Kernelemente des Internets der Dinge. Beides leistet Physec.

Alleinstellungsmerkmal

Und beides ist Teil des Unternehmenserfolgs. „Wir haben die beiden Aspekte, die in der Form von keinem anderen Unternehmen angeboten werden, von Anfang beleuchtet. Und wir haben ein Alleinstellungsmerkmal beim Manipulationsschutz.“ Gefragt ist das Know-how in vielen Bereichen: in kritischen Branchen wie der Versorgungswirtschaft, in der Premium-IT und in der Partnerschaft mit großen Technologie-Unternehmen.

Ähnlich gut aufgestellt ist die unmittelbare Nachbarschaft im TZR an der Ruhr-Uni: VMray und RIPS Technologies. Beides sind ebenfalls Ausgründungen aus dem HGI. Insgesamt beschäftigt das IT-Sicherheits-Firmentrio etwa 150 Mitarbeiter und ist damit auf den Spuren von Escrypt, der bislang erfolgreichsten HGI-Ausgründung. Das Unternehmen gehört mittlerweile zum Bosch-Konzern. In gut zwei Jahren will es auf dem Gelände des früheren Opel-Werks in Laer (Mark 51/7) sein Hauptquartier mit zunächst 300 Mitarbeitern beziehen.

Umzug nach Mark 51/7 möglich

Ein Ort, der auch für Physec, VMray und RIPS wie geschaffen zu sein scheint. 2021 müssen sie das TZR verlassen, da die Ruhr-Uni die einst als Mediziner-Gebäude errichtete Immobilie benötigt und von ihrem Rückkaufrecht Gebrauch gemacht hat. „Wir führen Gespräche über eine Ansiedlung auf Mark 51/7“, verrät Heiko Koepke. Die Nähe zum HGI mit seiner europaweit einzigartigen Ausbildung von IT-Sicherheitsfachleuten, und zum Max-Planck-Institut, das ebenfalls in Laer errichtet werden soll, sei allen dreien wichtig.

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