Hilfsaktion

Bochumer spenden 2000 Schlafsäcke für Flüchtlinge aus Lesbos

Als katastrophal beschreiben die Bochumer Helfer die Zustände im Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos.

Als katastrophal beschreiben die Bochumer Helfer die Zustände im Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos.

Foto: Judith Büthe

Bochum.  2000 Schlafsäcke haben Bochumer für das Flüchtlingslager auf Lesbos gespendet. Tief bewegt sind die Initiatoren vom Hilfseinsatz zurückgekehrt.

„Die Kinder sind besonders dankbar. Sie müsse nachts erstmals seit langer Zeit nicht mehr frieren“, sagen Judith Büthe (31) und Jens Feddersen (49). Bewegend, meist erschütternd sind die Eindrücke, mit denen die Bochumer von ihrem Hilfseinsatz auf der griechischen Insel Lesbos zurückgekehrt sind. Die Unterstützung für die Flüchtlinge soll weitergehen.

„Bag4good“: So heißt die Privatinitiative, die die Foto-Journalistin und der langjährige Chef der Bermuda-Kneipe „Freibeuter“ im Herbst 2019 gestartet haben. Die Zustände im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos waren schon damals katastrophal, „ohne dass die zuständigen Behörden Antworten und Lösungen für die Notlage der Menschen finden“.

Aufruf stieß im Herbst auf große Resonanz

Judith Büthe und Jens Feddersen mochten nicht länger zusehen. Ihre Idee: Bochum sammelt Schlafsäcke! Ende Oktober wurden die ersten Aufrufe u.a. auf Facebook und Instagram veröffentlicht. Zentrale Lagerstätte war die „Ko-Fabrik“ an der Stühmeyerstraße. Schulen, das Falkenheim, der Bahnhof Langendreer, der Balance-Fahrradladen im Bermudadreieck und die Musikschule bis hin zum Essener Grillo-Theater leisteten als weitere Sammelstellen ihren Beitrag. Auch Geldspenden gingen ein.

Die Resonanz: überragend. Mehr als 2000 gut erhaltene Schlafsäcke und Decken kamen zusammen. 1000 Säcke und Decken wurden von einer Spedition in die Ägäis gebracht. Die weiteren Spenden wurden in einen preisgünstig gemieteten Transporter geladen, mit dem sich Judith Büthe und Jens Feddersen im Dezember über Italien Richtung Griechenland aufmachten.

Katastrophale Zustände im Flüchtlingscamp

Drei strapaziöse Tage dauerte die Anreise. Bei der Ankunft auf der Ferieninsel kam beinahe Urlaubsstimmung auf, so verlockend glitzerte das Mittelmeer im Sonnenlicht. Der krasse Gegensatz bot sich im Flüchtlingscamp. Jens Feddersen: „Es herrscht riesiges Chaos. Weit über 20.000 Menschen, davon die Hälfte Kinder, hausen in dem Lager, das für gerade mal 2000 Bewohner ausgerichtet ist. Es gibt 80 Dixie-Klos. Entsprechend schlimm sind die hygienischen Verhältnisse.“

Auch von einer medizinischen Versorgung könne kaum die Rede sein, ergänzt Judith Büthe. „Jedes zweite Kind hat den ,Moria-Husten’. Das heißt hier: Verdacht auf Lungenentzündung. Während unseres Aufenthalts starb ein Kleinkind, weil es verseuchtes Wasser getrunken hat. Und das mitten in Europa!“

Schlafsäcke wurden direkt an Flüchtlinge verteilt

Zur Not der Flüchtlinge, meist aus Afghanistan und Syrien, kommt die bittere Kälte mit Minusgraden in der Nacht. Entsprechend dankbar seien die Menschen für die Schlafsäcke und Decken gewesen, berichten die Bochumer. Die Spenden, die die Spedition auf acht Paletten nach Lesbos transportiert hatte, wurden in einem zentralen Warenlager verteilt. Die Fracht aus ihrem Wagen übergaben Judith Büthe und Jens Feddersen, die vier Tage vor Ort waren, mit Hilfe örtlicher Partner direkt an Flüchtlinge. „Fast ausschließlich an Kinder und Frauen. Die Männer verzichteten dafür gerne.“

Das Elend währt fort. Ein Ende ist nicht in Sicht. Noch immer stranden täglich Hunderte neue Flüchtlinge auf Lesbos. „Politiker behaupten immer wieder, das Lager solle aufgelöst werden. Wir haben aber beobachtet, dass sogar neue Flächen für eine Erweiterung aufbereitet werden“, schildert Judith Büthe.

Neue Hilfsaktion gilt der Camp-Schule

Auch deshalb soll die Hilfe in Bochum fortgesetzt werden. Nicht mit neuen Schlafsäcken (so nötig sie auch wären), sondern diesmal mit Schulmaterialien. Geflüchtete Afghanen haben im Camp in Eigenregie eine provisorische Schule eingerichtet. Bis zu 1000 Kinder werden täglich von 7 bis 22 Uhr unterrichtet: unter Planen, mit alten Bettgestellen als Tafeln. Mathe und Englisch stehen ebenso auf dem Stundenplan wie Musik und Handwerk.

Diese „Wave of Hope“-Schule zu unterstützen, ist das nächste Ziel von Judith Büthe und Jens Feddersen. Sie sind sicher, dabei wieder auf das Mitgefühl vieler Bochumer setzen zu können.

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