Schauspielhaus

Bochumer Premieren-Reigen geht mit „Penthesilea“ weiter

Szene mit Sandra Hüller als Penthesilea und Jens Harzer als Achilles

Szene mit Sandra Hüller als Penthesilea und Jens Harzer als Achilles

Foto: Barbara Gindl

Bochum.  In der zweiten Woche nach Saisonstart gibt’s mit Johan Simons’ „Penthesilea“ die vierte Bochumer Premiere. Und dann kehrt Claus Peymann zurück.

Das Schauspielhaus geht nach dem Saisonstart in die zweite Woche, am Samstag steht mit „Penthesilea“ ein Klassiker auf dem Spielplan, der seit Monaten ausverkauft ist. Es handelt sich um keine Neu-Inszenierung, vielmehr um die Übernahme einer Johan-Simons-Produktion von den Salzburger Festspielen in diesem Sommer.

Die stark reduzierte Fassung des Kleist’schen Dramas um Liebe und Untergang der Amazonenkönigin Penthesilea war ein veritabler Publikums- und Kritikererfolg. Was zum einen an Simons’ interessantem, reduziertem Bühnenkonzept lag (er dampft das vielstimmige Textgebirge auf einen Dialog ein), zum anderen an eben den zwei Schauspielern. Sandra Hüller und Jens Harzer werfen sich mit Leidenschaft und Kraft in den tragischen Pas de deux zweier Feinde, die sich erst auf den Tod hassen mussten, um sich lieben zu können.

Höhepunkt der Saison 2006/07

Das Kleist-Drama weckt bei Bochumer Theaterfreunden unwillkürlich Erinnerungen an die letzte „Penthesilea“-Aufführung im Schauspielhaus. Sie war während der Intendanz Elmar Goerden der Höhepunkt der Saison 2006/07. Die junge Regisseurin Lisa Nielebock hatte das sperrige Stück mit großer Sinnlichkeit inszeniert. Acht Personen standen auf der Bühne, Thomas Anzenhofer verkörperte Achilles, aber man wird sich immer zuerst an Lena Schwarz erinnern: Sie erfüllte die Rolle der Amazone mit magischer Intensität. Mit einem Schlag wurde das Ausnahmetalent dieser Schauspielerin deutlich.

Als „Ausnahmetalent“ darf man, wenn auch natürlich mit Augenzwinkern, Claus Peymann bezeichnen. Der Theater-Großmeister, von 1979 bis 1986 bis heute vergötterter Intendant, kehrt als Lesegast zurück. Am Mittwoch (14.) und Donnerstag (15.) liest Peymann jeweils um 19.30 Uhr aus Thomas Bernhards Sammelband „Meine Preise“ – ein zornig-ironischer Blick auf den Literatur- und Theaterbetrieb voller „Schmäh“. Die beiden Abende – es gibt noch Karten! – sind gleichzeitig Appetizer für eine CD-Produktion aus dem Hause Roof/Tacheles. Für das Bochumer Label hat Peymann Bernhards Buch eingesprochen, und nicht nur das: Zu hören ist auch der Dichter selbst, anlässlich der Verleihung des Büchner-Preises an ihn (20 Euro).

„Simons kann Stadttheater“

So sehr der Saisonstart Wellen geschlagen hat, so wenig war aus Kreisen der BO-Kultur zu Simons’ Neuanfang zu hören. Einzig Lothar Gräfingholt, kulturpolitischer Sprecher der CDU, meldete sich zu Wort: Mit der „Jüdin von Toledo“ habe Simons gezeigt, „dass er Stadttheater kann“, so Gräfingholt. Mit dem neuen Schriftzug auf dem Dach des Theaters sende der Intendant zudem ein Signal in die Stadt und die Region: „Seht her, das Schauspielhaus leuchtet!“

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