Arzneimittel

Bochumer IT-Firma hilft beim Schutz vor falscher Medizin

Die Bochumer Firma Tracekey Solutions GmbH stellt Siegel und Prüfcodes für Medikamente vor. Minou Trieschmann und Daniel Althoff präsentieren die neue Technik. Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Die Bochumer Firma Tracekey Solutions GmbH stellt Siegel und Prüfcodes für Medikamente vor. Minou Trieschmann und Daniel Althoff präsentieren die neue Technik. Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Foto: Ingo Otto

bochum.   Es gilt, eine neue EU-Richtlinie zu erfüllen. IT-Spezialisten arbeiten eng mit Pharmaindustrie zusammen. Das System hilft auch den Patienten.

Die Europäische Union kämpft gegen gefälschte Medikamente. Dabei spielt das Bochumer IT-Unternehmen Tracekey Solutions eine wichtige Rolle. Denn es hilft den Arzneiherstellern, eine neue EU-Richtlinien zu erfüllen. Seit Februar muss jede Verpackung eines verschreibungspflichtigen Medikaments einen einzigartigen Code haben und versiegelt sein. Davon profitieren auch die Patienten.

„Das ist eine supergroße Umstellung für die gesamte Pharmaindustrie“, sagt Tracekey-Sprecherin Minou Trieschmann. Denn durch diese EU-Fälschungsrichtlinie „hat sich die gesamte Branche digitalisiert“, weil Milliarden von Verpackungen einen Code brauchen, damit jede einzelne von der Produktion bis zur Apotheke oder zum Krankenhaus nachverfolgt werden. „Wir erzeugen individuelle Schlüssel für die Hersteller und deren Partner aus der produzierenden Industrie“, sagt Produktmanager Daniel Althoff und meint eine zufällig generierte Seriennummer. Diese sind die Grundlage für die neuen Codes auf den Packungen. In Deutschland gebe es nur eine Hand voll zertifizierter Firmen, die damit betraut sind.

IT-Unternehmen als Dienstleister für Pharmafirmen

IT-Unternehmen wie Tracekey sind dabei Dienstleister, die für ihre mittelständischen Pharma-Kunden die großen Datenmengen zu den Medikamentenverpackungen und über deren Inhalt verwalten und speichern. Zudem helfen sie Herstellern, Informationen per Cloud mit ihren Produktionspartnern auszutauschen. Dadurch werde auch die Lieferkette transparenter, so Althoff, weil der Prozess dort ansetzt, „wo die Tablette mit der Packung verheiratet wird“.

Die Firma aus Langendreer hat dafür eine eigene Software entwickelt und sichert die Daten auf großen Servern in West- und Nordeuropa. „Wir können am Ende der Lieferkette überprüfen, was am Anfang eingespeist wurde,“ so Althoff. Und das weltweit. Denn die Software sei kompatibel mit ähnlichen Systemen, ob in den USA, Russland, Saudi Arabien oder Nordkorea.

Minou Trieschmann ist überzeugt davon, dass durch die EU-Richtlinie die Patienten profitieren, in Bochum und in ganz Europa. „Jede falsche Pille birgt Risiken, gepanschte Medikamente sind extrem gefährlich.“ Bevor Patienten nun ihre Medikamente kaufen, wird der Code ab sofort in der Apotheke gescannt. Dadurch sieht der Apotheker direkt, ob die Seriennummer echt und für den Verkauf frei gegeben ist. Oder ob sie kopiert oder zum Beispiel wegen eines Diebstahlverdachts gesperrt ist. Auch ein Medikamentenrückruf ist nun einfacher.

Zusammenarbeit mit anderen Mittelständlern

„Niemand geht davon aus, dass die Fälscher jetzt besiegt sind“, räumt Daniel Althoff ein, doch ein wichtiges Ziel der EU sei es, „den Aufwand für Fälscher so hoch zu treiben, dass er sich nicht mehr lohnt“. Wichtig dafür sind die Seriennummern, die Tracekey der Pharmaindustrie für ihr Verteilersystem erstellt.

Zuvor habe es nur Chargennummern gegeben, und die Verbraucher hätten nicht merken können, ob Medikamente aus einer Charge vor dem Verkauf gestreckt wurden. Das sei nun anders. Zusätzliche Gewissheit, dass sich niemand an dem Medikament zu schaffen gemacht hat, bieten den Patienten neben den Scans auch die neuen Verpackungssiegel.

„Die Pharmaindustrie kann jetzt komplett vernetzt arbeiten und zusammenarbeiten“, sagt Althoff. Nun dass dieses System verfügbar ist, könne es zudem nach Herstellerwünschen ausgebaut werden. Denkbar sei, das man mit dem Code etwa die Beipackzettel digital per App abruft.

Seit Jahren liegt der Fokus von Tracekey auf diesem Pharmaprojekt, so Minou Trieschmann, doch „unser Ziel ist, auch mit anderen mittelständischen Unternehmen aus der Region, aus anderen Branchen zusammenzuarbeiten.“

>>>In einer Wohnung fing alles an

Die Tracekey Solutions GmbH wurde 2013 von Stefan Hoffmann und Gerald Wenzel gegründet, in einer Wohnung in Langendreer, die zum Büro wurde. Inzwischen sitzt die IT-Firma in einer früheren Volksbank-Filiale an der Alten Bahnhofsstraße, beschäftigt gut 30 Mitarbeiter und hat etwa 40 mittelständische Kunden aus der Pharmaindustrie. „Wir sind stolz, dass wir in Langendreer sind“, sagt Geschäftsführer Hoffmann. Denn nicht nur Berlin biete großes Potenzial für Firmengründungen, sondern auch das Ruhrgebiet.

Die Seriennummern, die Tracekey erstellt und verwaltet, haben bis zu 20 Stellen und sind alphanumerisch zufallsgeneriert und dadurch nur sehr schwer zu fälschen. Weitere Infos auf www.tracekey.com

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