Musik und mehr

Bochumer Gypsy-Festival betont das Miteinander

Mit viel Man- und Womanpower geht der Kulturrat das Gypsy-Festival an. In der Mitte Schauspieler Armin Rohde als „Ehrengast“.

Mit viel Man- und Womanpower geht der Kulturrat das Gypsy-Festival an. In der Mitte Schauspieler Armin Rohde als „Ehrengast“.

Foto: Kerstin Buchwieser / FUNKE Foto Services

Bochum.  Der Kultur der Sinti und Roma widmet sich der Kulturrat Gerthe am letzten Ferienwochenende. Im Mittelpunkt steht ein besonderes Gefährt.

Das 3. Gypsy-Festival steigt am letzten Wochenende der Sommerferien (24./25. August) im Kulturrat Gerthe. Diesmal haben sich die Veranstalter etwas Besonderes einfallen lassen: Die Veranstaltungen finden rund um einen Original-Zigeunerwagen statt.

Möglich macht das „Maro Drom“ („Unser Weg“), ein Verein aus Köln, der sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Verletzung der Menschenwürde, speziell gegen Antiziganismus engagiert. Sprecher ist der Musiker Markus Reinhardt, dessen Familie unter der „Zigeunerverfolgung“ der Nationalsozialisten zu leiden hatte. Viele seiner Vorfahren wurden im KZ Auschwitz ermordet.

Recherche in der Familie

Reinhardts Familie lebte auf einem Platz im Süden von Köln, der heute wieder von Zigeunern genutzt wird. Bei der Familienrecherche stieß er auch auf einen der Wagen, mit denen seine Vorfahren einst unterwegs waren, ein bunter Zirkuswagen. Es ist eben jener „Zigeunerwagen“, der am Kulturrat Station machen wird.

Nach Bochum eingeladen

Der Karren dient Reinhardt und seinen Mitstreitern, darunter die Künstlerin Krystiane Vajda, als Vehikel der Aufklärung. Mit dem Wagen fahren sie die Route ab, die Reinhardts wenige überlebende Vorfahren nach 1945 von Auschwitz in Ostpolen nach Köln am Rhein zurückgelegt haben: „Sie gingen fast 1000 Kilometer zu Fuß, wir folgen ihren Spuren mit unserem Wagen.“ Das Projekt „Mit dem Zigeunerwagen von Auschwitz nach Köln“ hat medial Wellen geschlagen. So wurde man auch im Kulturrat darauf aufmerksam; Reinhardt und Vajda wurden nach Bochum eingeladen.

Die beiden sagten gern zu. Ihnen geht es um Verständnis und Aufklärung, nicht um Vorurteil und Abgrenzung. „Wir wenden uns nicht nur gegen Antiziganismus, sondern gegen Rassismus generell“, sagt Reinhardt. Er fordert von seinen Leuten mehr Selbstbewusstsein ein und von allen anderen das Abwerfen von Vorurteilen. „Zigeuner sind seit 600 Jahren Teil der Kultur in Deutschland. Es geht nicht um uns, sondern um alle, ums gute Miteinander der Gesellschaft.“

Selbstbewusstsein aufbauen

Reinhardt benutzt, wenn er über diese Dinge spricht, ganz selbstverständlich das Wort „Zigeuner“. Es ist sein persönliches Statement für Selbstbewusstsein. „,Sinti und Roma’ ist nur ein Label, das die Politik eingeführt hat, um sich von dem angeblichen ,Nazi-Begriff’ Zigeuner abzugrenzen“, steht für den Kölner fest.

Verständnis und Toleranz

Beim Gypsy-Festival finden rund um den Original-Zigeunerwagen unterschiedliche Aktivitäten statt: eine Ausstellung mit Bildern aus dem Leben der Sinti und Roma, Lesungen und Gesprächsrunden, Open-Air-Rap auf Romanes und authentisches Essen. Und natürlich viel Musik von sechs Bands.

Der Bochumer Schauspieler Armin Rohde hat sich als Ehrengast dem Festival verpflichtet, für ihn ein Anliegen aus politischer Überzeugung: „Der Zigeunerwagen steht für die von den Nationalsozialisten zerstörte Kultur in Erinnerung an 6.000 in Konzentrationslagern vernichtete Zigeuner“, sagt Rohde. Das Festival, hofft er, werde durch die Begegnung der Besucher mit den Sinti und Roma und deren lebendiger Kultur Verständnis und Toleranz gegenüber der nach wie vor diskriminierten deutschen Minderheit wecken. Rohde: „In Zeiten verstärkter Aktionen rechtspopulistischer Gruppen ist das wichtiger denn je!“

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