Schauspielhaus

Bochum sorgt für Zukunfts-Theater mit grellen Effekten

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Szene aus der Aufführung mit Schauspielerin Gina Haller.

Szene aus der Aufführung mit Schauspielerin Gina Haller.

Foto: Birgit Hupfeld

bochum.   Schauspiel oder Science-Fiction? In Bochum wirft Regisseurin Julia Wissert mit 13-jährigen Jugendlichen einen Blick in deren Zukunft.

Das „neue“ Schauspielhaus unter Johan Simons ist mittlerweile bekannt dafür, veränderte ästhetische Theaterformen nicht nur zuzulassen, sondern sie noch zu forcieren. Man denke an Formate wie „New Joy“ oder „Séance de travail“, die jüngst für Aufsehen sorgten. Die Inszenierung „2069 – das Ende der Anderen“ reiht sich als nächstes ein: als unkonventioneller Versuch, Theater neu zu denken.

Das klingt einigermaßen akademisch, aber wenn man mit der Regisseurin Julia Wissert spricht, wird schnell deutlich, dass das Gegenteil der Fall ist. „Es ist eine Jugendproduktion, die wir mit den ästhetischen Vorstellungen und Gestaltungsmitteln der heutigen Jugendkultur aufziehen“, sagt die 35-Jährige. Mitwirkende sind die Ensemblemitglieder Gina Haller und Jing Xiang, aber (per Videosequenzen) eben auch Kids um die 13, die damit ihre höchstpersönliche „Reality“ einbringen. Ausgangspunkt der Inszenierung ist die Frage, wie eine Welt aussehen würde, in der es die „Anderen“ nicht mehr gibt: „2069 wird es hierzulande mehr ,people of colour’ geben als weiße Menschen; das haben Forscher hochgerechnet“, so die Regisseurin.

Nebel der Vergangenheit

Das Stück wolle den „Nebel der Vergangenheit“ lüften und den Blick freilegen auf eine Zukunft, in der die heutige junge Generation alt sein wird. Doch welcher Blick sollte das sein? „Ich bin mit meinen bestimmten Vorstellungen gekommen“, sagt Wissert, „und musste feststellen, dass die Jugendlichen in ganz anderen gedanklichen Welten leben“.

Um sie dort abzuholen, musste sich das Produktionsteam auf ästhetische Formen, Bilder und Haltungen einlassen, die in der vom Internet dominierten Lebenswelt der Kids wichtig sind. Gut, von Instagram mag man mal gehört haben. Aber welcher Erwachsene weiß schon, was es mit „Tik tok“ (Videoportal mit Funktionen eines sozialen Netzwerks) oder mit dem Phänomen „Random act of kindness“ auf sich hat? Oder welche individuelle Motivation tatsächlich hinter „Fridays for future“ steckt?

„All das haben wir dann aufgegriffen und gemeinsam entwickelt“, sagt Wissert. Herausgekommen ist ein Science-Fiction-Stück, das nach dem Leben in der Zukunft fragt – und genau deshalb extrem gegenwärtig ist. Als „Wechselbad der Sinne“ und „visuelle Stimulation“ komme das Ganze auf die Bühne: ein intensives, körperliches Theater voll greller Effekte.

Und vieler offenen Fragen.

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