Lesung

Bochum: Publikum verbeugt sich vor Journalist Deniz Yücel

Autor Deniz Yücel, Journalist der „Welt“, stellte sein Buch „Agentterrorist“ in den Kammerspielen vor.

Autor Deniz Yücel, Journalist der „Welt“, stellte sein Buch „Agentterrorist“ in den Kammerspielen vor.

Foto: dpa

Bochum.  Ein Jahr lang saß der Journalist in der Türkei in Haft. Über diese dunkle Zeit hat er ein Buch geschrieben, aus dem er in den Kammerspielen las.

Der Journalist Deniz Yücel war zu Gast in den Kammerspielen Bochum. Was als Lesung aus seinem aktuellen Buch „Agentterrorist“ angekündigt war, geriet vor allem zu einer langen Erzählung, die gekonnt persönliche Geschichte, politische Analyse und ebenso liebevolle wie genaue Porträts von Yücels ehemaligen Mitgefangenen verband.

Knapp ein Jahr lang saß Yücel 2018 im türkischen Gefängnis „Silivri“ in Untersuchungshaft. Erstmalig wurde ein Journalist mit deutscher Staatsangehörigkeit in der Türkei verhaftet. In seinem Buch hat er die Geschichte seiner Haft aufgeschrieben. Dazu habe er eine Weile Abstand gebraucht, erzählt er. Er habe sich nach der Haftentlassung zunächst mit seiner Frau Dilek Mayatürk auf Sizilien niedergelassen.

Nie ein Naturfreund gewesen

Yücel, der zuvor kein Naturfreund gewesen sei und nie beim Camping gewesen sei, habe plötzlich Minze, Petersilie und Rosen angepflanzt. Als er dann seine Gefängnisgeschichte aufschreiben wollte, kam das hoch, was er in der Haft nicht zugelassen hatte – und er konnte nicht schreiben.

Aber nun liegt das Buch vor und zeigt vor allem eines: Yücel ist Journalist egal ob in Freiheit oder im Knast, er berichtet und analysiert. Jede Minute habe er im Gefängnis so um die Freiheit gekämpft. Nach zwei Stunden journalistischer Erzählung, gespickt mit viel Witz und Humor, sagt er aber auch, dass er über das Dunkle nicht sprechen möge, das könne jeder selbst nachlesen. Mit langem Applaus verbeugt sich das Publikum tief vor Deniz Yücel.

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