Lastenfahrrad

Langendreer bekommt ein Lastenfahrrad für alle Bürger

Basteln gemeinschaftlich an einem Lastenfahrrad: (von links) Helmut Schröder, Kristin Schwierz und Stephan Ensthaler.

Foto: Klaus Pollkläsener

Basteln gemeinschaftlich an einem Lastenfahrrad: (von links) Helmut Schröder, Kristin Schwierz und Stephan Ensthaler. Foto: Klaus Pollkläsener

Bochum-Langendreer.  In der Ideen-Werkstatt in der Lutherkirche wird gemeinschaftlich an einem Drahtesel für alle gewerkelt. Das Rad mit Ladefläche ist zum Ausleihen.

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Nie mehr mühsam Wasserkisten schleppen – ohne für die paar Meter bergauf zum Supermarkt direkt das Auto anschmeißen und Abgase in den Äther blasen zu müssen. Die Lösung: ein Lastenfahrrad, und zwar frei ausleihbar für den ganzen Stadtteil. Die Idee stammt aus dem „LutherLab“: die gemütliche Denkfabrik, in der schon lange entweihten Lutherkirche an der Alten Bahnhofstraße ist Teil eines Wissenschaftsprojekts, das das Potenzial von Stadtteilen erforscht.

Was lässt sich vor Ort produzieren? Wie kann man – zum Beispiel durchs Teilen und gemeinschaftlichen Besitz – das Leben im Stadtteil angenehmer gestalten? In verschiedenen Projekten wird noch bis Mitte Oktober diesen Fragen nachgegangen.

Erste Idee war eine offene Fahrrad-Werkstatt

Die Antworten darauf sind ganz konkret: eine besteht aus verschiedenen alten Fahrradteilen, leichtem, aber stabilem vergütetem Stahl und extra hochwertigen Bremsen – damit das Gefährt die geplanten 80 Kilogramm Last auch stemmen kann.

Die Idee zu dem gemeinschaftlichen Lastenfahrrad hatte Kristin Schwiertz vom Bahnhof Langendreer: „Erst dachte ich an eine offene Fahrrad-Werkstatt“, erzählt sie. Beim ersten Treffen der Projektwoche im Juli wurde dann, inspiriert von ähnlichen Projekten in anderen Städten, die Idee des Drahtesels für alle geboren. „Wir wollten auch zeigen: Du kannst aus alten, gebrauchten Teilen ein schönes, robustes Fahrrad bauen, das dann auch von verschiedenen Leuten genutzt werden kann.“

Sogar ein Kühlschrank passt auf das Lastenrad

Stephan Ensthaler vom Fahrradladen Balance ist der Experte in der Projektgruppe. In seiner Werkstatt wurden auch die Teile des Lastenrades zusammen gelötet, was in der Lutherkirche aus Brandschutz-Gründen nicht möglich gewesen wäre. Für ihn ist die Projektarbeit auch eine kleine Herausforderung: „So ein normaler Fahrrad-Rahmen besteht aus elf Rohren“, erklärt er. „Ein Lastenrad ist aber viel komplexer.“

Auch die Bremsen müssen selbstverständlich stärker ein als bei einem normalen Fahrrad. Das Schwierigste sei aber das Austarieren des Gewichts: „Das muss alles genau in der Spur sein“, betont er mit Nachdruck. Klar, schließlich sollen auch Ältere das Rad nutzen – auf keinen Fall darf der gepackte Lastenzug wegen etwas mangelnder Balance direkt umkippen.

Am morgigen Sonntag soll das Lastenfahrrad fertig sein. Noch fehlt vor allen Dingen die Ladefläche: 60 mal 80 Zentimeter soll sie messen. Theoretisch sollte sie sogar 100 Kilogramm halten können, meint Ensthaler: „Dann kannst du da auch gut ‘nen Kühlschrank mit transportieren.“ Vorher wird’s aber noch eine Probefahrt geben. Wenn das Lastenrad fertig ist, soll man es bei den Naturfreunden ausleihen dürfen, Alte Bahnhofstraße 175.

>>> INFO: Mitmach-Festival bis 19. Oktober

  • Noch bis zum 19. Oktober lockt das „Festival der urbanen Produktion“ in die Lutherkirche: Die Potenziale des Stadtteils sollen hier in Projekten ausgelotet werden. Gestern fand in der Lutherkirche ein Planspiel statt: Wie sollen gemeinsame Räume in Langendreer geschaffen werden?

  • Hinter dem „LutherLab“ steht das Forschungsprojekt Urbane Produktion Ruhr. Bis 2019 begleiten sie die Stadtteile Langendreer, Werne und Wattenscheid.

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