Gastronomie

Bochum: Neue Bierbar gilt als Mutmacher in Corona-Zeiten

Mehr als 100 Biersorten hält „Miss Hops“ im Bochumer Bermudadreieck bereit. Die Bierbar (hier Betriebsleiter Christof Koziol) zählt zu den wenigen Neueröffnungen in Corona-Zeiten. Vielerorts herrschen Sorgen und Existenzängste.

Mehr als 100 Biersorten hält „Miss Hops“ im Bochumer Bermudadreieck bereit. Die Bierbar (hier Betriebsleiter Christof Koziol) zählt zu den wenigen Neueröffnungen in Corona-Zeiten. Vielerorts herrschen Sorgen und Existenzängste.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  Sorgen und Existenzängste prägen die Gastronomie in Corona-Zeiten. In Bochum gibt es einen Mutmacher: Eine Bierbar ist erfolgreich gestartet.

Es ist ja nicht so, als gäbe es im Bermudadreieck nicht genügend Bier. Ein Lokal, in dem mehr als 100 Sorten ausgeschenkt werden, war auf Bochums bekanntester Partymeile bislang aber noch nicht zu finden. „Miss Hops“ lässt es derart üppig schäumen – und gilt als Mutmacher in schweren Zeiten.

Im Sommer, inmitten der Corona-Krise, eröffnete die Bierbar im ehemaligen „Lennox“ an der Kortumstraße. Für Antonio Link ist es ein Auswärtsspiel. Seit 2018 betreibt der 43-jährige Dortmunder in seiner Heimatstadt das „Hopfen & Salz“ – ein Bier- und Speiserestaurant mit 1400 Plätzen in rustikalem Stil. Für Links Ableger im Bermudadreieck war klar: Bier geht auch hier. Aber altbacken geht gar nicht.

Gastro in Bochum: „Miss Hops“ als Wirtshaus 2.0

Geboren war das Konzept für „Miss Hops“, ein Wirtshaus 2.0, wenn man so will. Bestellt wird per QR-Code. Die reiche Auswahl an Gerstensäften aus aller Welt (24 vom Fass, 80 aus der Flasche, wer’s mag mit Gurken- oder Mango-Aroma) korrespondiert mit einer bodenständigen Speisekarte, die die gute alte Frikadelle wiederentdeckt. Nein, nicht als inflationären Burger, sondern wohltuend klassisch, mit Schmorzwiebeln und Spiegelei.

Der Mix mundet den Gästen. 150 finden im ebenso stylisch wie gemütlich eingerichteten Lokal, weitere 50 auf der Außenterrasse Platz. Klar, Corona habe den Start in Bochum nicht eben einfacher gemacht, sagt Antonio Link. Abstandsgebot heißt für den Geschäftsführer: weniger Tische = weniger Gäste = weniger Umsatz. „Aber es wird von Tag zu Tag besser, gerade auch in der Woche“, konstatiert Betriebsleiter Christof Koziol (33).

Einbußen im Bermudadreieck

Im Dreieck gilt „Miss Hops“ als willkommene Bereicherung. Noch immer sind die Folgen der Pandemie deutlich sichtbar. Mit dem „Mandragora“, „Freibeuter“ und „Riff“ sind drei Dinos nach wie vor dicht. Vielerorts sorgen die Corona-Regeln für massive wirtschaftliche Einbußen.

Das Dilemma: Während die meisten Gastronomen penibel auf die Einhaltung aller behördlichen Vorgaben achten, ist es auf den öffentlichen Flächen der Kortum- und Brüderstraße an Wochenenden mitunter drangvoll eng. „Als wenn es Corona nie gegeben hätte“, staunen und bangen manche Besucher, während die Gastronomen die Stadt in der Pflicht sehen.

„Prater“ fordert staatliche Hilfen

Derweil hält der Lockdown in Clubs und Diskotheken an. „Es tut sich nichts“, bedauert Frank Altendeitering, der seine „Party-Arena“ (früher „Oberbayern“) an der Herner Straße zwar weiterhin schließen muss, seinen Tanztreff „Platzhirsch“ im Dreieck jedoch als Speiselokal neu erfunden hat. Schwerpunkt: Schnitzel. Hunger überbrückt die Corona-Durststrecke.

„Die Situation ist längst existenzbedrohend“, sagt hingegen Hendrik Büchten, Marketingchef der Großraumdisko „Prater“. Seit März sind in Hofstede die Lichter aus. Perspektiven für einen Neustart: nicht in Sicht. „Wir verstehen ja, dass der Betrieb noch nicht aufgenommen werden kann“, so Büchten. Aber: Der Staat müsse dringend helfen, und zwar mit mehr als mit kurzfristigen Überbrückungsgeldern. Sonst sei die Ausgeh-Branche bald nicht mehr da. Dabei will der „Prater“ in jedem Fall seinen 30. Geburtstag zelebrieren. Für den kommenden Samstag (3.) war eine ganztägige Party geplant. Die ist abgesagt – verbunden mit dem Versprechen: „Wir feiern nach!“

Absage für „The Club“-Abend

Das soll auch für „The Club in Concert“ gelten. Am vergangenen Samstag wollten Ralf Schäfer und Caba Kroll ihre erfolgreiche „The Club“-Reihe fortsetzen. Nicht wie gewohnt im Autohaus Lueg, sondern im 2019 eröffneten „Showpalast Rouge“ in Hamme. Die Idee: DJs legen auf der Bühne auf, die Gäste (maximal 300) hören an ihren zugewiesenen Tischen zu, trinken und essen, dürfen aber nicht tanzen. Das Ergebnis: Der Vorverkauf lief derart schwach, dass der „Club“-Abend ausfallen musste. Im November soll ein neuer Anlauf unternommen werden.

Auch in der Zeche finden vorerst keine Partys und Konzerte statt. „Wir haben uns entschlossen, ab dem 1. Oktober die Zeche in den Winterschlaf zu versetzen, bis wir wieder öffnen können“, heißt es auf der Homepage, während das jüngste Lebenszeichen der Diskothek „Jacks“ nach dem Aus im Sommer lautet: „Wir vermissen die Nächte mit euch!“

Das dürfte auf Gegenseitigkeit beruhen.

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