Integration

Bochum: Minister macht sich für Qualifikationszentrum stark

NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (M.) war nach seinem Besuch begeistert von der Arbeit des Quaz in Langendreer.

NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (M.) war nach seinem Besuch begeistert von der Arbeit des Quaz in Langendreer.

Foto: Volker Wiciok

Bochum.  1600 Zugewanderte wurden bislang im Bochumer Qualifizierungszentrum in Sprache und Beruf fortgebildet. Auch ein Minister lobt das Quaz.Ruhr.

Der Name ist ein bisschen sperrig. Quaz.Ruhr. Über Sinn und Nutzen des Sprach- und Qualifizierungszentrums für Zugewanderte in der früheren Opel-Ausbildungswerkstatt in Langendreer gibt es aber keine zwei Meinungen. Und jetzt hat das „Quaz“ einen weiteren prominenten Fürsprecher.

Eineinhalb Stunden Zeit nahm sich NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) unlängst für seinen Besuch, schaute sich in den Hallen um und suchte das Gespräch mit Ausbildern und Auszubildenden. Am Ende stand die Erkenntnis: „Mir fehlt die Vorstellungskraft, dass wir das hier nicht fortsetzen.“ Nicht nur das. Stamp stellte die Frage in den Raum, ob es nicht sinnvoll sei, das Zentrum sogar noch auszubauen.

Zwölf Millionen Euro für drei Jahre

Beim „Erfinder“ läuft er damit offene Türen ein. „Ich habe immer gesagt, dass Quaz.Ruhr eine Blaupause fürs ganze Land ist“, sagt Quaz-Vorsitzender und IHK-Hautpgeschäftsführer Eric Weik. Allerdings: Das Projekt ist erst einmal nur auf drei Jahre ausgelegt und finanziert. Knapp zwölf Millionen Euro haben die Arbeitsagenturen Bochum und Hagen, die Jobcenter Bochum, Herne und Ennepe-Ruhr sowie das NRW-Sozialministerium zur Verfügung gestellt. Nun stellt sich die Frage: Wird das Quaz.Ruhr weiterfinanziert?

„Die Bereitschaft der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Bochum ist da. Wir unterstützen die Projektidee uneingeschränkt und sind sehr zufrieden mit dem Quaz“, sagt Jobcenter-Sprecher Johannes Rohleder. Vorgreifen auf die Verwendung der Mittel für die nächsten Jahre könne er jedoch nicht.

1600 Teilnehmer bislang

280 Zugewanderte werden derzeit in Langendreer aus- und weitergebildet – in acht unterschiedlichen Branchen. Mit ihnen haben seit September 2017 insgesamt etwa 1600 Frauen und Männer das Zentrum durchlaufen – 950 von ihnen hat eines der drei beteiligten Jobcenter dort hingeschickt, 650 haben die beteiligten Arbeitsagenturen vermittelt. „Etwa ein Drittel aller Teilnehmer konnten in den Arbeitsmarkt vermittelt werden“, sagt Quaz-Leiter Peter Lübbert.

Auch aus seiner Sicht wäre ein Fortbestand der Einrichtung wichtig, „weil die Sprachfähigkeiten der Menschen, die inzwischen in unser Haus kommen, geringer werden“. Der besondere Clou beim Quaz ist die Verbindung von beruflicher Ausbildung und Spracherwerb. Längst hat das Projekt über die NRW-Grenzen hinaus Interesse hervorgerufen. Im Oktober informierten sich Arbeitsmarktexperten aus Norwegen in Bochum über die erfolgreiche Arbeit mit Flüchtlingen.

Auf andere Regionen übertragen

Und diese Arbeit sollte im Quaz auf jeden Fall weitergeführt werden, findet Frank Böttcher. Bochums Jobcenter-Chef machte beim Ministerbesuch deutlich, dass es für eine Einrichtung wie diese noch auf Jahre hinaus Bedarf gebe.

Hier gibt es mehr Artikel, Bilder und Videos aus BochumJoachim Stamp sieht das ebenso. Es müsse politisches Ziel sein, Best-Practise-Beispiele auch auf andere Regionen des Landes zu übertragen. „Das Problem in Deutschland ist, dass wir an der Projekteritis leiden. Es ist ein absolutes Anliegen, so etwas wie hier langfristig zu machen.“

Den Worten folgen womöglich auch Taten. „Das Sprach- und Qualifizierungszentrum für Zugewanderte in Bochum ist ein Projekt, das wertvolle Arbeit leistet“, heißt es auf Anfrage beim Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (MKFFI). Und: „Derzeit wird geprüft, ob beziehungsweise welche Möglichkeiten zur Fortsetzung des Projektes bestehen.“

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