Coronavirus

Bochum ist Risikogebiet – das bedeutet das für die Stadt

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Bochum hat die 50 überschritten. Das hat vielfältige Konsequenzen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Bochum hat die 50 überschritten. Das hat vielfältige Konsequenzen.

Foto: Robert Michael / dpa

Bochum.  Bochum gilt wegen stark steigender Coronazahlen als Risikogebiet. Das bedeutet das für Altenheime, Schulen, Kitas, Einkaufen und Veranstaltungen.

Bochum ist nach dem Überschreiten des Inzidenzwertes 50 jetzt Corona-Risikogebiet. Die Stadt reagiert schnell und setzt die neuen Bestimmungen unverzüglich um. Das hat vielerlei Konsequenzen.

Mit einem 7-Tage-Wert von 52,8 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner hat Bochum am Donnerstag die Warnschwelle gerissen. Damit gelten ab Freitag (16.) folgende Regeln:

Neue Regeln gelten ab Freitag

- In der Öffentlichkeit dürfen höchstens fünf Personen zusammenkommen. Nur, wenn sie aus maximal zwei Haushalten stammen oder in gerader Linie verwandt sind, können es mehr sein.

- Bei Veranstaltungen ist nur noch ein Fünftel der maximalen Zuschauer-Kapazität zugelassen, höchstens 250 in Hallen und 500 draußen.

- Private Feiern „aus herausragendem Anlass“ wie Taufen, runde Geburtstage oder Hochzeiten dürfen nicht mehr als 25 Gäste haben.

- In der Gastronomie wird eine Sperrstunde ab 23 Uhr eingeführt. Sie gilt bis 6 Uhr. In dieser Zeit ist auch der Verkauf von Alkohol untersagt, etwa an Tankstellen, Kiosken und in Supermärkten.

Corona in Bochum: Erste Sperrstunde im Bermudadreieck

Die ersten Reaktionen in der Gastronomie sind verheerend. Für das Bermudadreieck ist es die erste Sperrstunde. Weniger den Speiserestaurants, sehr wohl aber den schon jetzt notleidenden Clubs, Bars und Kneipen drohen massive Einbußen, befürchtet Sprecher Christian Bickelbacher. „Um diese Zeit geht’s hier ja erst richtig los.“

Ein Dutzend Absagen gingen bei Diana Strätling, Chefin des Traditionslokals Strätlingshof in Altenbochum, ein. Tische werden wegen der Fünf-Personen-Grenze reihenweise abbestellt. „Ich höre fast jedes Mal, dass die Leute nun zu Hause feiern wollen“, sagt Diana Strätling und bezweifelt, ob das im Sinne der Politik und Medizin ist.

Alarmbereitschaft in Altenheimen

In den Altenheimen herrscht bereits seit Wochen wieder eine „erhöhte Alarmbereitschaft“, wie Frank Drolshagen, Geschäftsführer der Senioreneinrichtungen Bochum GmbH (SBO), berichtet. Besuche werden nun wohl wieder nur sehr eingeschränkt möglich sein, heißt es. „Wir können das nur im geschützten Raum erlauben.“ Besuche von Angehörigen seien demnach nicht mehr in den Zimmern der Bewohner, sondern zum Beispiel an speziellen Sprechplätzen mit viel Abstand erlaubt. Die Stimmung bei Bewohnern und Personal sei dennoch gut. „Wir hoffen, dass es nicht allzu schlimm wird“, so Drolshagen.

Klinik verhängt Besucherstopp

Reagiert hat schon das Universitätsklinikum Bergmannsheil. Bis auf Weiteres hat es einen sofortigen Besuchsstopp verhängt. Damit wird die bislang bestehende Besuchszeit am Samstag und Sonntag ausgesetzt. „Besucher von Patienten erhalten vorerst keinen Einlass in die Klinik“, heißt es in einer Mitteilung. Von dieser Regelung ausgenommen seien medizinisch notwendige Patientenbesuche sowie dienstliche Besuche. „Uns ist bewusst, dass der Stopp vor allem für unsere stationären Patienten enorme Einschränkungen bedeutet“, sagt die Kaufmännische Direktorin Anne Elvering. „Doch nur so kann es uns gelingen, eine weitere Ausbreitung und das Hineintragen des Virus ins Bergmannsheil bestmöglich zu unterbinden.“

Sparkasse appelliert an Kunden

Vorerst keine Verschärfung der bisher schon gültigen Regelung plant die Sparkasse Bochum. „Seit Beginn der Corona-Pandemie beachten wir im Kundenkontakt wie auch innerbetrieblich sehr streng alle aktuellen Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung des Virus“, so Sprecherin Sabine Raupach-Strohmann. „Abstandhalten, Hygieneregeln und Alltagsmasken ergänzt durch Hygienewände sind gelebte Praxis, als weitere Vorsichtsmaßnahme wird regelmäßig gelüftet. Weitere Maßnahmen sind derzeit nicht vorgesehen.“ Die Sparkasse appelliere aber erneut an ihre Kunden, in den 45 Geschäftsstellen, Servicebereichen und vor den 107 Geldautomaten auf Mundschutz und Sicherheitsabstand zu achten.

IHK-Chef appelliert: „Jeder trägt Verantwortung“

Einen Appell richtet auch Eric Weik, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet, an alle Bochumer: „Jeder von uns trägt in dieser Zeit Verantwortung für die gesamte Gesellschaft. Wenn wir die Pandemie nicht in den Griff bekommen, vergeht uns nicht nur die Feierlaune, sondern brechen Säulen unseres Systems zusammen – insbesondere die Wirtschaft.“ Nicht nur Kneipen und Eventveranstalter, Reisebüros und Hotels stünden vor dem Aus. Weik: „Eher unsichtbar von der Öffentlichkeit spielt sich doch heute schon in der Industrie eine Katastrophe ab: Lieferketten sind zerstört, Absatzmärkte teilweise dicht, Menschen seit langem und noch für längere Zeit in Kurzarbeit. Wenn ein zweiter Shutdown die Exportwirtschaft trifft, wird das Unternehmen kosten, wird das Arbeitsplätze kosten, wird das Ausbildungsplätze kosten.“

Kultur ist in Hab-Acht-Stellung

Die Bochumer Kultur ist in Habachtstellung. Die Corona-Entwicklung ändert sich täglich und damit auch die Möglichkeit, das Publikum wie gehabt zuzulassen oder die Besucher- und Platzzahlen wieder zu reduzieren. Die Bochumer Symphoniker wollen am Freitag (16.) entscheiden, ob die Matinee-Konzerte im Musikforum am Wochenende stattfinden oder abgesagt werden. Grundsätzlich gilt beim städtischen Orchester: Es bleibt bei der reduzierten Spielzeit-Planung mit Programmvorschauen für nur zwei Monate.

Das Schauspielhaus geht davon aus, dass es nicht zu Vorstellungsabsagen kommen wird. Gut möglich aber, dass die Platzzahl (aktuell 170 statt üblicherweise 800) im Großen Haus nochmals reduziert werden muss. Näheres soll am Freitag (16.) entschieden werden. Fest steht, dass im Theater ab sofort die Maskenpflicht auch auf den Sitzplätzen während der Vorstellungen gilt. Bislang war die Mund-Nasen-Bedeckung nur im Foyer, an der Kasse und auf den Toiletten geboten.

Ruhr-Uni setzt weiter auf Digitalformate

Die Hochschulen sind bereits vorbereitet auf ein Wintersemester mit vielen Onlinevorlesungen und -Seminaren. Viel ändert sich erstmal nicht, obwohl Bochum jetzt als Risikogebiet eingestuft ist. „Wir orientieren uns da an der Landesverordnung“, sagt ein Sprecher der Ruhr-Universität Bochum auf Anfrage. Stand jetzt sollen gerade Vorlesungen für Erst- und Zweitsemester zum Teil in Präsenz stattfinden, sonst aber hauptsächlich in digitaler Form.

So hält es auch die Hochschule Bochum: „Uns ist es ein Anliegen, dass gerade die neuen Studierenden auch Präsenzveranstaltungen haben“, so ein Sprecher. Nur so sei es möglich, Kontakte zu knüpfen, was für ein erfolgreiches Studium unerlässlich sei. „Als Einzelkämpfer schafft fast keiner sein Studium.“ Die Hochschule will hybride Veranstaltungen nutzen – die einen nehmen persönlich teil, die anderen virtuell.

Hochschule passt Hygienekonzept an

Das Wintersemester an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum sei hauptsächlich mit Online-Lehre plus wenig Präsenzlehre geplant. „Daher sind wir auf die jetzigen Entwicklungen gut vorbereitet“, so eine Sprecherin. Es gebe ein Hygienekonzept, das situativ an steigende Infektionszahlen angepasst werde. Rückmeldungen aus den ersten Präsenzveranstaltungen zeigten, dass sich Lehrende und Studierende sehr verantwortungsbewusst verhalten: „Man ist froh, sich zumindest in diesem Rahmen wieder einmal live zu sehen und dass insbesondere die Erst- und Zweitsemester Gelegenheit haben, ‚ihre‘ Hochschule nun auch von innen erleben zu dürfen“, sagt die Sprecherin weiter. Die Evangelische Hochschule hofft, auch bei weiter steigenden Zahlen ein Minimum an Präsenzlehre aufrechterhalten zu können.

Schulstart: Stadt verweist auf das Land

Wie es für die Schulen nach den Ferien und Kitas schon jetzt weitergeht, steht derzeit noch nicht fest. „Wir halten uns da komplett an die Landeserlasse und entscheiden nichts selbst“, so Stadtsprecherin Charlotte Meitler. Auch zu möglichen Vorgaben oder Ratschlägen, die die Stadt an die Kitas weitergeben könnte, äußerte sie sich nicht.

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