Leerstände

Bochum: Immer mehr Händler in der Innenstadt geben auf

Das spanische Modelabel Desigual hat seine Filiale an der Kortumstraße in Bochum geschlossen. Das Unternehmen setzt auf große Einkaufscenter.

Das spanische Modelabel Desigual hat seine Filiale an der Kortumstraße in Bochum geschlossen. Das Unternehmen setzt auf große Einkaufscenter.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  46 Geschäfte in der Innenstadt von Bochum stehen leer. Auch Desigual hat aufgegeben. Trotzdem setzt ein bekannter Kaufmann auf Wachstum.

Anfang der Woche sind die Handwerker angerückt, haben Regale ausgeräumt und die großen Fensterflächen verklebt. Desigual macht zu. Das spanische Modelabel hat seine Filiale in 1a-Lage an der Kortumstraße geschlossen. Hinterlassen hat es das nächste leere Ladenlokal in der Innenstadt von Bochum.

Es ist nach einer Zählung der Bochum Wirtschaftsentwicklung (Bowe) die 46. Einzelhandelsfläche im Bereich des Gleisdreiecks, ohne das Bermudadreieck, die leer steht, so Bowe-Sprecher Sven Frohwein. Von der Gesamtfläche in Höhe von etwa 100.000 Quadratmetern in 657 Ladenlokalen werden 11.935 Quadratmeter nicht genutzt (Infobox). Das entspricht einem Leerstand von fast zwölf Prozent.

Viele Leerstände auf der Kortumstraße

Leerstände in City-Lagen sind nicht neu. „Und im Vergleich zu anderen Revier-Städten sieht es in Bochum noch gut aus“, sagt Immobilien-Vermittler Randolph Calderoni. Aber gefühlt breitet sich das Problem immer weiter aus und steigt die Leerstandsquote über das für eine natürliche Fluktuation nötige Maß hinaus. Allein auf der Kortumstraße, Bochums wichtigster Einkaufsstraße, gibt es momentan ein Dutzend Leerstände – von den günstigeren Randbereichen bis zu den Top-Lagen, von den Flächen links und rechts vom Sporthaus Koch im unteren Bereich der Straße bis nach oben im Randbereich des Bermudadreiecks.

Längst ist auch die Wirtschaftsentwicklung mit dem Thema befasst. Nach einer Bestandsaufnahme hat sie Kontakt zu jedem Eigentümer einer leerstehenden Immobilie aufgenommen, nach gewünschten Mieten und Branchen gefragt. Und sie hat einen Dienstleister beauftragt, der vor allem bei Händlern und Ketten aus der Modebranche das Interesse an einer Niederlassung in Bochum abfragt. So soll es gelingen, Eigentümer und Händler gezielt zusammen zu bringen.

Bäckerei Horsthemke schließt Ende März

Tatsächlich ist nicht jeder Leerstand ein Problem. Manchmal gebe es schon neue Konzepte oder Mieter, wenn ein Geschäft noch vermietet ist, so Randolph Calderoni. So habe er bereits Anfragen für die Filiale der Bäckerei Horsthemke an der Kortumstraße, die Ende März schließen wird. Allerdings nicht die Richtigen. Gastronomie, Barber-Shops, Friseure, so sehen häufig die Anfragen aus. „Was fehlt, sind Mode-Filialisten wie Zara oder Mango, die aber lieber im Ruhrpark sind.“ Und weil der Ruhrpark gut funktioniere, fehle das Interesse an Filialen in der Innenstadt.

Immerhin hat er eine Nachfolge für „Wohnen+Ideen“ auf der Kortumstraße gefunden. „Dort zieht ein Outdoor-Laden ein.“ Eine Branche, die in Bochum im Außenbereich seit Jahren vertreten sei, aber noch nicht in der City. Und eine Branche, die Erfolg verspricht. Outdoor liegt im Trend, schon im April soll der Laden öffnen.

Zwei Outdoor-Läden öffnen bald

Auch Andor Baltz setzt auf das Geschäft für Wanderer, Bergsteiger, Abenteurer und alle, die das Leben draußen genießen. Der Modehändler hat die Immobilie an der Ecke Massenbergstraße/Hellweg gekauft, aus dem vor einigen Tagen das Brautmodengeschäft „La Sposa“ ausgezogen ist. Im Herbst wird dort Baltz Outdoor eröffnen. „Unser Sporthaus nebenan wird aber weiter bestehen bleiben“, so der Unternehmer, der mit dem „schönen Haus in guter Lage“ sein Band entlang des Boulevards erweitert.

An anderen Stellen sieht es nicht so rosig aus. An der Massenbergstraße ist immer noch die 6500 Quadratmeter große Fläche des früheren Modeparks Röther frei. An der unteren Kortumstraße herrscht hinter den großen Schaufenstern des ehemaligen Schuhhauses CCC gähnende Leere. Und auch die Schaufensterscheiben der Hellweg-Ecke sind verklebt, das darüber liegende Hotel Plaza geschlossen. Bilder des Stillstands – wenn nicht sogar schlimmer.

Mieten sind häufig zu hoch

Der Preis ist häufig ein Problem – wenn auch nicht für alle Branchen. So werden für 111 Quadratmeter Verkaufsfläche an der Kortumstraße 91, wo bis vor kurzem die Süßwarenkette „Arko“ eine Filiale hatte, als Miete 4190 Euro aufgerufen. „Die Mieten sind für einige Branchen 20 bis 30 Prozent zu hoch“, sagt Immobilienvermittler Calderoni. Bis vor einigen Jahren hätten regelmäßige Index-Anstiege und bisweilen Konkurrenzkämpfe unter potenziellen Mietern sie nach oben getrieben. Nun müssten Eigentümer ihre Ansprüche eigentlich zurückschrauben. „Einige tun das auch“, so Calderoni, und berichtet davon, dass die Miete für einen Schuhladen von einst 7000 auf 5500 Euro gesunken sei.

https://www.waz.de/staedte/bochum/leerstaende-in-der-bochumer-innenstadt-id228417029.html„Bei längeren Leerstand muss der Preis sinken“, sagt auch Andor Baltz, selbst Inhaber einiger Immobilien im Stadtgebiet. Allerdings gelte dieses Prinzip nicht unbedingt für Fonds und große Immobilienunternehmen ohne Interesse an der Stadtentwicklung.

Eigentümerkonferenz im ersten Halbjahr

Bochums Vorteil gegenüber anderen Städten im Revier: Ein größerer Teil der Häuser in der Innenstadt sei im Besitz von Bochumer Familien, die nicht nur an Renditen, sondern auch an einer vernünftigen Stadtentwicklung interessiert seien, so Andor Baltz und Randolph Calderoni unisono.

Möglichst viele dieser Eigentümer in die Umgestaltung der Innenstadt einzubinden, ist eine der Aufgaben der Bochum Wirtschaftsentwicklung. Noch im ersten Halbjahr dieses Jahres wird sie, so Sprecher Sven Frohwein, daher zu einer Eigentümerkonferenz laden. Hier gibt es mehr Artikel, Bilder und Videos aus Bochum

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