Straßenbenennung

Bochum benennt Straße nach einem verfolgten Schwulen

Die Hermann-Hußmann-Straße befindet sich hinter dem Justizzentrum in Bochum. Hermann Husmann ist bundesweit der zweite Schwule, nach dem eine Straße benannt worden ist.

Die Hermann-Hußmann-Straße befindet sich hinter dem Justizzentrum in Bochum. Hermann Husmann ist bundesweit der zweite Schwule, nach dem eine Straße benannt worden ist.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum-Innenstadt.  Hermann Hußmann wurde von den Nazis in den Selbstmord getrieben. Die Stadt Bochum setzt mit der Straßenbenennung ein Zeichen.

Er hat nicht viele Spuren hinterlassen, bislang nur eine Akte aus der NS-Zeit. Die Seiten reichen aus, um das Schicksal Homosexueller während des Nationalsozialismus zu erahnen. Bald wird der Name eines schwulen Bergmanns, der nur 34 Jahre alt wurde, stellvertretend an die Verbrechen der Nazis gegenüber Homosexuellen erinnern: Bochum bekommt eine Hermann-Hußmann-Straße.

Am nordöstlichen Rand der Innenstadt, als Verbindung zwischen Moritz-Fiege-Straße und Josef-Neuberger-Straße, gedenkt Bochum als bundesweit zweite Kommune mit der Straßenbenennung eines schwulen NS-Verfolgten der Opfer. Wer war Hermann Hußmann, bevor ihn die Nazis in den Selbstmord trieben?

Festgenommen wegen „Unzucht“

Hußmann wurde 1908 in Bochum geboren, wuchs in Hofstede auf und arbeitete als Bergmann auf der Zeche Constantin. Erste homosexuelle Kontakte machte er mit 16 Jahren während der Weimarer Republik. Verhaftet wurde der Bochumer am 5. Februar 1943, nachdem sein Freund Friedrich Pula - ebenfalls festgenommen wegen des Vorwurfs der „Unzucht“ - in einem Polizeiverhör seinen Namen fallen ließ. Hußmann kam ins Polizeigefängnis an der Uhlandstraße, es folgten mehrere Verhöre.

Wurde auch in seinem Fall, wie sonst üblich, Verhördruck mit verbaler Gewalt, Falschinformationen über angebliche Geständnisse anderer Beschuldigter und körperlicher Gewalt aufgebaut? Das lässt sich heute nicht mehr klären, der Polizeisekretär verschleierte den wahren Ablauf mit der Formulierung „nochmals ernstlich zur Wahrheit ermahnt“.

Menschenverachtendes Weltbild

Fest steht: Es folgte eine Hausdurchsuchung samt Beschlagnahme von persönlichen Dokumenten, ebenso Vernehmungen von Freunden und Bekannten. In den Verhören versuchte Hußmann andere zu schützen, sagte etwa über die Beziehung zu einem Düsseldorfer Ingenieur: „Der treibende Teil bei den unsittlichen Handlungen bin immer ich gewesen. Er war nie recht mit meinen Handlungen einverstanden.“

Am 10. April 1943 wurde Hußmann dann durch den Oberstaatsanwalt wegen sogenannter Sittlichkeitsverbrechen angeklagt. Grundlage war §175 - ein aus der Kaiserzeit stammender Paragraf, der von den Nazis 1935 verschärft worden war. Er stellte einvernehmliche homosexuelle Kontakte unter Strafe und ermöglichte Ermittlung und Bestrafung bereits wegen Küssen oder „wollüstigen“ Blicken. Auch der vergrößerte Strafrahmen auf Zuchthaus bis zu zehn Jahren belegen das menschenverachtende Weltbild, welches die Nazis in Gesetze gossen.

Klima der Angst und Einschüchterung

Ein gesellschaftliches Klima der Angst und Einschüchterung erreichten die Nazis auch mit Bespitzelungen von Schwulentreffpunkten , Razzien, Namenslisten und Zensur. Hußmann passte nicht in das Weltbild der Nazis, deren Ziel die Zucht von „arischen“ Menschen war. Weil er nicht zur konsequenten Bevölkerungsvermehrung beitrug, galt er ihnen als „Volksfeind“.

Als „gefährlichen Gewohnheitsverbrecher“ wollte die Staatsanwaltschaft Sicherungsverwahrung durchsetzen. Dazu kam es nicht: Am 11. Mai 1943 erhängte Hußmann sich mit einem Hosenträger in der Untersuchungshaftanstalt.

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