Freizeit

Bochum: Auf der Springorum-Trasse knubbelt sich der Verkehr

Diese Radfahrer auf der Springorum-Trasse verhalten sich vorbildlich. Andere hingegen ziehen wegen zu schnellen und zu dichten Fahrens den Unmut von Fußgängern auf sich.

Diese Radfahrer auf der Springorum-Trasse verhalten sich vorbildlich. Andere hingegen ziehen wegen zu schnellen und zu dichten Fahrens den Unmut von Fußgängern auf sich.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum.  Auf der Springorumtrasse herrscht bei Sonnenwetter Hochbetrieb. Das bringt Verkehrsprobleme mit sich. Nicht alle halten sich ans Rücksichtsgebot.

„Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“, heißt es in Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung. Das sei eine „Grundregel“. Und weiter: „Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder, mehr als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“

Soweit die Theorie. Aber an der Springorum-Trasse hängt leider kein Schild mit der StVO.

Sonntagvormittag, 11 Uhr: Schon jetzt herrscht starker Verkehr auf der zehn Kilometer langen Strecke, die zu den beliebtesten Orten der Stadt gehört. Ein ganz starkes Stück Ruhrgebiet. Bei strahlender Frühlingssonne sind alle unterwegs, die ihre Energie und Lebensfreude rauslassen wollen: Spaziergänger ohne und mit Hund, Eltern ohne und mit Kinderwagen (auch Doppelsitzer), Skater, Jogger aus vier Generationen, E-Scooter-Fahrer, sportliche und gemütliche Radfahrer sowie Sitz- und Dreiradfahrer.

Platz auf der nur gut zwei Meter breiten Fahrbahn ist ganz schön knapp

Da wird der Platz ganz schön knapp, zumal die Trasse an vielen Stellen nur gut zwei Meter breit ist.

Was das Problem noch verschärft: Alle haben ein unterschiedliches Tempo drauf und nehmen einen unterschiedlich großen Bewegungsradius in Anspruch. Deshalb prallen alle paar Meter auch unterschiedliche Interessen aufeinander. Um diesen Konflikt zu regeln, gibt es § 1 StVO.

Daran halten sich die meisten, aber zu viele eben nicht. „Ich als Hundehalterin gehe regelmäßig hierher und werde täglich von Radfahrern beschimpft, weil wir Platz in Anspruch nehmen“, sagt Martina Gremmel, die zwei kleinere Hunde an der Leine führt. Die Radfahrer würde es stören, dass sie abbremsen und ausweichen müssten.

Die Schimpfwörter, die die Hundehalterin zitiert, sind teilweise zu derb, um sie hier abzudrucken.

Einige Radfahrer haben gefährlichen Mut zur Lücke

Die Realität gibt Martina Gremmel Recht. Tatsächlich nutzen einige Radfahrer beim Überholen jede Lücke, die aus ihrer Sicht dazu geeignet sein könnte, nicht extra abbremsen und dann neu beschleunigen zu müssen. Die Folge: Der Abstand zum Verkehrsteilnehmer davor und gegenüber schrumpft beim Überholvorgang auf 30 oder 40 Zentimeter. Und das bei oft zu hohem Tempo.

„Bei starkem Betrieb muss man als Fußgänger aufpassen, dass kein Zusammenstoß passiert. Die halten keinen Abstand“, sagt Fußgänger Hans-Georg Miebach über einige Radfahrer. Man höre die Radfahrer hinter sich auch kaum auf dem neuen Asphalt; so leise sei er. Dann erschrecke man sich. Martina Gremmel ergänzt: „Viele haben 5000 Euro für ein Fahrrad, aber kein Geld für eine Klingel.“

Neulich habe sie einen hochbetagten Mann in einem Elektromobil auf der Trasse erlebt, der sei wegen viel zu schneller und eng überholender Radfahrer rechts ran gefahren. „Das ist hier ja wie bei der Ralley Monte Carlo“, habe er gesagt. Mit Kindern sei es auf der Trasse ebenfalls „extrem schwierig“.

Appell an die Rücksicht des jeweils anderen

„Wenn jeder auf jeden Rücksicht nehmen würde, würde das wunderbar funktionieren“, appelliert Martina Gremmel.

Das gilt natürlich nicht nur für Radfahrer, sondern für alle anderen auch. Fußgänger und Jogginggruppen zum Beispiel bewegen sich gern auch zu mehreren nebeneinander (auch in Corona-Zeiten). Das ist zwar menschlich; schließlich will man sich ja auch gemütlich unterhalten. Aber das Platzproblem wird dadurch natürlich vergrößert. Auch einige Hundehalter merken nicht, dass sie und ihr Hund wegen viel zu langer Leine oder gar keiner die komplette Breite der Fahrbahn blockieren.

Seit der Corona-Krise herrscht nicht nur am Wochenende, sondern auch unter der Woche ein starker Verkehr auf der Springorum-Trasse. Deshalb schlägt das Bochumer Fahrrad-Bündnis „Radwende“ der Stadt vor, zur Entlastung „temporäre Radwege“ auf einer Fahrspur von bestimmten Autostraßen anzulegen. „Mögliche temporäre Radstreifen könnten auf dem Südring, der Alleestraße, Königsallee, Castroper Straße sowie den radwegfreien Stellen auf der Wittener Straße gelegt werden.“

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