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Partymeile

Bermuda-Wirt: Viele Frauen fühlen sich nicht mehr sicher

Helmut „Manusch“ Schwalm ist seit Jahrzehnten im Bermudadreieck tätig. Die jüngste Entwicklung bereite ihm Sorgen, sagt er im WAZ-Gespräch. Vor allem weibliche Besucher fühlten sich auf der Partymeile nicht mehr sicher.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Bermuda-Wirt „Manusch“ Schwalm hat Sorgen um die Entwicklung im Dreieck. Viele Frauen fühlten sich nicht sicher. ISG und Polizei widersprechen.

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Immer mehr Besucher des Bermudadreiecks fühlen sich nicht sicher. Das sagt Helmut „Manusch“ Schwalm, Urgestein der Bochumer Gastro-Szene und seit acht Jahren Mitbetreiber der Partybar „Kult“. Alkoholexzesse, Pöbeleien und Belästigungen ängstigten vor allem weibliche Gäste, beobachtet der 69-Jährige.

Die Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) widerspricht. „Gemessen an der Kneipendichte und Besucherzahl sind wir eine Insel der Seligen“, sagt Sprecher Dirk Steinbrecher.

Drei Millionen Gäste pro Jahr

Mit 80 Betrieben und jährlich drei Millionen Gästen zählt das Bermudadreieck zu den größten Partymeilen Deutschlands. „Doch anders, als es die ISG behauptet, gibt es seit Jahren eine Negativentwicklung. Das traut sich nur keiner laut auszusprechen“, erklärt Schwalm. Längst blieben unter der Woche viele Läden leer. „Und an den Wochenenden brummt es vielfach nicht mehr so wie früher.“

Rewe-Markt und „Nicht-Europäer“

Dafür führt „Manusch“ im WAZ-Gespräch drei Hauptgründe an:

  • Immer mehr Jugendliche deckten sich mit Alkohol im Rewe-Markt ein, der dank einer Sondererlaubnis bis 24 Uhr öffnet. Dort werde zwar auf die gesetzliche Altersbeschränkung geachtet. „Aber was hilft das, wenn ein 18-Jähriger den Schnaps kauft und vor der Tür an seine minderjährigen Freunde weiterreicht?“, so Schwalm. Seine Forderung: Der Einkaufsmarkt müsse spätestens um 22 Uhr schließen.
  • Ein ebenso großes Ärgernis seien „Nicht-Europäer“ (Schwalm), die auf der Kortumstraße Frauen belästigten und „allein durch ihr Auftreten Furcht verbreiten“: zuletzt in der Silvesternacht, als – so der „Kult“-Chef – Dutzende Männer rücksichtslos Raketen und mächtige Böller gezündet hätten. „Die Silvestergäste blieben um 24 Uhr verschreckt in den Lokalen und trauten sich nicht raus. Von der Polizei war weit und breit nichts zu sehen.“
  • Just diese Polizeipräsenz vermisst Schwalm auch das ganze Jahr über. „Es fehlt an den Wochenenden an Abschreckung durch sichtbare Streifen. Auch so wird das Gefühl der Sicherheit untergraben.“

Probleme allein mit Shisha-Bars

ISG-Sprecher Steinbrecher zeichnet ein gänzliches anderes Bild. „Zu Hochzeiten sind gleichzeitig 20.000 Menschen im Dreieck unterwegs. Dafür passiert hier bis auf ganz wenige Ausnahmen kaum etwas. Trotz des Andrangs sind wir ein ruhiges Viertel.“

Sorgen bereite der Gastro-Gemeinschaft allein die Brüderstraße mit ihren zahlreichen Shisha-Bars, die zuletzt Ziel von Razzien waren. „Diese Szene tut uns nicht gut. Deshalb arbeiten wir mit Stadt und Polizei kooperativ an Lösungen wie etwa der Straßensperrung. Im Dreieck selbst gibt es aber kaum Probleme.“

Statistik weist Rückgang von Straftaten aus

Das bestätigt die Polizei. „Natürlich passieren bei der Vielzahl von Menschen Straftaten. In Relation zu der großen Anzahl von Besuchern sind die registrierten Delikte wie Raub, Diebstahl und Körperverletzungen aber eher unauffällig“, erklärt Sprecher Frank Lemanis auf WAZ-Anfrage. Die aktuelle Statistik weise sogar einen Rückgang aus. Auch die von Helmut Schwalm angeführten massiven Störungen in der Silvesternacht seien der Polizei unbekannt.

„Manusch“ bleibt bei seiner Kritik – und bei einem Ratschlag, den er seinen „Kult“-Mitarbeitern für den Feierabend auf den Weg gibt: „Nehmt ein Taxi, auch nur für kurze Strecken.“ Im Dreieck sei es nachts viel zu gefährlich.

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