JVA Bochum

Bei sexueller Stimulation: Würger von Aachen stirbt in Zelle

Der Angeklagte Egidius S. sitzt im April 2008 im Landgericht Aachen auf der Anklagebank.

Der Angeklagte Egidius S. sitzt im April 2008 im Landgericht Aachen auf der Anklagebank.

Foto: dpa

Bochum.   In der JVA Bochum ist der Würger von Aachen, Egidius S. (62), tot in seiner Zelle aufgefunden worden. Er soll sich mit Strom stimuliert haben.

Leo Egidius S., der als „Würger von Aachen“ in die Kriminalgeschichte einging, ist tot. Der 62-Jährige, einer der gefährlichsten und brutalsten Frauenmörder der jüngeren deutschen Nachkriegsgeschichte, starb am Wochenende unter nicht ganz geklärten Umständen in der Bochumer Justizvollzugsanstalt Krümmede.

Am 19. August 2008 hatte ihn das Aachener Landgericht wegen Mordes in fünf Fällen und Vergewaltigung in zwei Fällen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Taten wurden als „Disco- und Anhaltermorde“ bekannt. Am Sonntagmorgen gegen sieben Uhr fanden Justizbeamte den Strafgefangenen, wie berichtet, leblos auf seinem Bett in der Zelle.

Egidius S. schloss sich mit Kabeln an das Stromnetz

Nach Informationen der WAZ soll er sich mit mehreren Kabeln ans Stromnetz angeschlossen haben. Die Haftanstalt geht davon aus, dass es sich nicht um Suizid handelt, sondern dass „der Häftling bei autoerotischen Praktiken“ ums Leben gekommen ist.

Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile Ermittlungen zu den Todesumständen aufgenommen. Das Ergebnis der gestrigen Obduktion: Der 62-Jährige starb an Herzrhythmusstörungen, ausgelöst durch das Leiten von Strom durch den Körper – das bestätigt die Polizei. Zu den Umständen seines Todes hieß es aus der JVA lediglich, der Häftling habe Kabel einer Lampe in seiner Zelle so umfunktioniert, dass er über die Steckdose Strom in seinen Körper leiten konnte.

Lebenslange Haftstrafe nach zufälliger Festnahme

Egidius S. hatte nach dem Urteil 2008 eine Revision angestrengt, die der Bundesgerichtshof jedoch im Juni 2009 zurückgewiesen hatte. Seit acht Jahren befand er sich in der JVA Krümmede. Wie eine Sprecherin der Haftanstalt bestätigt, saß er in Einzelhaft. „Es hat keinerlei Hinweise auf eine Selbstmordgefahr gegeben.“

Zuletzt lebend sei er am Samstagmittag gegen 13 Uhr gesehen worden. Es sei seit Jahren üblich, dass die Häftlinge am Wochenende ihr Abendessen bereits um die Mittagszeit erhielten.

Da keine Suizidgefahr bestanden habe, wurde der Häftling auch nicht regelmäßig in seiner Zelle kontrolliert. Nur im Falle einer konkreten Gefahr für das Leben des Betroffenen findet alle 15 Minuten eine Kontrolle statt.

Fall hatte bundesweit für großes Aufsehen gesorgt

Egidius S. hätte nach Verbüßung seiner lebenslangen Haftstrafe von 15 Jahren wegen der besonderen Schwere der Schuld noch länger im Gefängnis bleiben müssen. Ob er jemals frei gekommen wäre, ist fraglich. Der Fall hatte vor zehn Jahren bundesweit großes Aufsehen erregt, denn die Festnahme erfolgte eher zufällig. Im März 2007 gab es in Heinsberg einen Metalldiebstahl. Egidius S., damals 51 Jahre alt, wurde auf frischer Tat ertappt und festgenommen.

Da ahnten die Beamten noch nicht, wer ihnen ins Netz gegangen war. Egidius S. gab freiwillig eine Speichelprobe ab. Der Abgleich mit der DNS-Datei führte die Fahnder zu Tatortmaterial einer 1984 ermordeten Schülerin. Die Fahnder standen nicht vor einem einfachen Schrottdieb, sondern – 18 Jahre nach seiner letzten Bluttat – vor einem eiskalt und systematisch planenden Serienkiller.

Mordserie zwischen 1983 und 1990

Zwischen 1983 und 1990 ermordete er fünf Mädchen und Frauen im Alter zwischen 15 und 31 Jahren. Drei seiner Opfer missbrauchte er dabei sexuell. Der als biederer Versicherungsvertreter in Heinsberg lebende Familienvater soll die jungen Frauen gefesselt, ausgezogen, vergewaltigt und erdrosselt haben.

Während der Verhöre, so schrieb damals die Presse, gestand er diese Morde zunächst. Er soll sein Geständnis, wie der „Spiegel“ erfahren haben will, jedoch widerrufen haben, weil „er als getriebener Masochist“ diese Verbrechen nur zugegeben habe, „weil ihn die Vernehmung und die Aussicht auf Gefangenschaft erregt habe.“

Folterraum mit Holzbock und Ketten im Keller

Die „Augsburger Allgemeine“ schilderte damals die bizarren Sexualpraktiken, die während des Prozesses vor dem Aachener Landgericht öffentlich wurden. So habe er sich jahrelang von seiner Ehefrau foltern lassen – oft bis zur Ohnmacht. Im Keller der Eheleute soll es sogar einen Folterraum gegeben haben, mit Holzblock und Ketten. Offenbar reichte ihm all dies irgendwann nicht mehr.

Ursprünglich hatte Egidius S. eine Krankenpflegeausbildung absolviert. Kurz vor seiner Festnahme war er allerdings arbeitslos. Zum Zeitpunkt der Morde war er in zweiter Ehe verheiratet. Nach seiner Scheidung im August 1997 heiratete er seine dritte Ehefrau, mit der er einen Sohn hatte.

Nach sieben Jahren endete die Mordserie, der „Würger von Aachen“ hatte sich scheinbar in Luft aufgelöst. Jahrelang tappten die Fahnder im Dunkeln. In der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ wurde nach ihm gefahndet. Ohne Erfolg. Bis es zum Diebstahl im März 2007 kam.

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben