Prozesauftakt

Arzt wegen missratener islamischer Beschneidungen angeklagt

Drei Verhandlungstage hat das Gericht angesetzt.

Drei Verhandlungstage hat das Gericht angesetzt.

Foto: Stefan Arend

Bochum.   Wegen Komplikationen nach drei islamischen Beschneidungen steht ein Arzt (34) aus Bochum vor Gericht. Vorwurf: fahrlässige Körperverletzung.

Diese islamischen Beschneidungen sind offenbar gründlich missraten. Ein 34-jähriger Privatarzt aus Bochum muss sich seit Montag vor dem Amtsgericht wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Körperverletzung verantworten. Die kleinen Jungen (drei Monate, ein und drei Jahre) hatten nach dem Eingriff laut Anklage so starke Schmerzen, teilweise mehrere Tage lang, dass sie notärztlich behandelt werden mussten.

Der Angeklagte ist ein Israeli, der seine Ausbildung zum Arzt „von A bis Z in Deutschland“ absolviert hat wie er sagt. Die rituellen Beschneidungen aus religiösen Gründen, bei der Penisvorhaut entfernt wurde, fanden bereits im September und Oktober 2015 in seiner Bochumer Praxis statt. Nachher soll es bei allen drei Jungen aber medizinische Komplikationen wie eine Blutinfektion gegeben haben, die auf eine „grobe Verletzung ärztlicher Pflichten“ zurückzuführen seien. Außerdem hätten „erhebliche hygienische Mängel“ bestanden. Das Gewebe soll sich verfärbt und den Einsatz regelmäßiger Schmerzmittel erforderlich gemacht haben. Eines der Kinder musste nachher sogar zwei Tage lang stationär behandelt werden.

„Es tut mir sehr leid für ihn“, sagt ein Vater über seinen Sohn

Der Vater (39) eines Kindes sagt, dass er in der Praxis schon vorher sehr besorgt gewesen sei und sein Junge Angst gehabt habe, weil andere Kinder so geschrien hätten. Der Arzt habe zur Betäubung Lachgas verabreicht. Über Nacht sei die Wunde „sehr blau“ geworden. Er sei sofort mit dem Kind ins Krankenhaus gefahren. Dort sei der Verband entfernt worden. Hätte er einen Tag länger abgewartet, wäre das Gewebe schwarz gewesen, hätte man ihm im Krankenhaus gesagt. Dann hätte wohl amputiert werden müssen. „Es tut mir sehr leid für ihn“, sagt der Vater über seinen Sohn. 250 Euro habe er für die Beschneidung bezahlt.

Zu den Vorwürfen wollte sich der Angeklagte am Montag noch nicht äußern. Die Bezirksregierung hatte zwar angeordnet, dass er seine Approbation mit Blick auf das Strafverfahren ruhen lassen müsse. Doch dagegen hat der Arzt vor dem Oberverwaltungsgericht mit vorläufigem Erfolg geklagt, so dass er zumindest zunächst weiterhin praktizieren darf. Trotzdem verzichtet er zurzeit „freiwillig“, Jungen zu beschneiden, wie er erklärte. Stattdessen stelle er seine Praxis Honorarärzten für diese Leistung zur Verfügung. Er selbst habe bereits mehr als 1000 Jungen beschnitten, sagte er.

Am nächsten Montag könnte das Urteil fallen

Anzeige erstattet hatten nicht die Eltern der Kinder, sondern die Ärztekammer Westfalen-Lippe. Ein Urteil könnte schon am 14. Januar verkündet werden.

Anklage wurde schon Mitte 2016 erhoben. Der Prozess findet jetzt unter anderem deshalb so spät statt, weil die Justiz intern klären musste, ob der Prozess am Landgericht oder Amtsgericht stattfindet.

>>> Beschneidungen sind in Deutschland grundsätzlich erlaubt

Beschneidungen von Jungen, die medizinisch nicht erforderliche sind, sind laut Gesetz erlaubt, „wenn diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt“ werden sollen.

Dies gilt aber nicht, „wenn durch die Beschneidung das Kindeswohl gefährdet wird“.

Begleitet wird der Prozess von ärztlichen Gutachtern.

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