Zum WAZ-Termin hat er den Leopardenmantel mitgebracht. „Aber nur noch als Reminiszenz an früher“, sagt Dr. Welf Haeger. Früher: Das war vor gut 15 Jahren, als es der Bochumer als wohl durchgeknalltester Anwalt der Republik bei „TV Total“ zu einigem medialen Ruhm brachte. Nun will er an alte Comedy-Erfolge anknüpfen. Weiterhin witzig. „Aber mit mehr Anspruch.“

Abseits der Bühne oder Kamera sind die meisten professionellen Spaßmacher alles andere als lustig. Anders Welf Haeger. Der Mann ist ein humoristisches Naturtalent, irritierend gut gelaunt, von entwaffnender, mitunter skurril anmutender Fröh- und Herzlichkeit.

Dr. Welf Haeger: Wechselvolle Karriere als Rechtsanwalt

Dabei ist sein Beruf knochentrocken. Nach dem Abi am Gymnasium am Ostring und dem Jura-Studium an der Ruhr-Uni spezialisierte sich Haeger auf das Anwaltshaftungsrecht. Sein Werdegang als Advokat darf als wechselhaft bezeichnet werden. Er geriet wegen „zerrütteter finanzieller Verhältnisse“ mit der Rechtsanwaltskammer aneinander, gewann auch als „Discount-Anwalt“ („36 Euro pro Stunde netto für alles“) wenig Freunde in der Branche.

Längst stehe er aber wieder auf seriös-sicherem Boden, betont der 62-Jährige. Mit einer Anwältin als Geschäftspartnerin unterhält er eine Kanzlei an der Natorpstraße in Weitmar. Auch in Norddeutschland sind beide aktiv.

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Brüder traten anfangs als die „Haegerboys“ auf

Zur Comedy kam er durch seinen Bruder Jörn. Der praktiziert als Zahnarzt in Detmold, habe aber „schon immer den Drang auf die Bühne gehabt“, berichtet Welf Haeger. Als Musiker blieb Jörn der Durchbruch verwehrt. „Irgendwann meinte er zu mir: Du bist doch ganz lustig. Lass uns was zusammen machen.“

Als die „Haegerboys“ gingen die Brüder ab 2009 auf Tour durch kleine Clubs, traten unter anderem beim WDR-Format „Nightwash“ auf – und wurden entdeckt. Nein, nicht Jörn. Aber Welf. „Eines Tages rief eine Redakteurin von ,TV Total‘ an und fragte, ob ich Lust hätte, in die Sendung zu kommen“, erzählt er. Na klar!

Er war der „Mann mit dem Leopardenmantel“ und der „Liebes-Guru“

Es war der Beginn einer heftigen Liebe zwischen dem damaligen Moderator Stefan Raab und dem Anwalt Haeger. Der Bochumer hat mitgezählt: Zwölf Auftritte hatte er 2009/2010 in der Pro-7-Show. Hinzu kommen vier Folgen der Reihe „Dr. Welf Haeger macht Urlaub“, bei der er das Animationsprogramm in einem türkischen Fünf-Sterne-Club testete. Das ist bis heute auf YouTube zu sehen.

Nur selten war Welf Haeger in den vergangenen Jahren auf der Bühne zu sehen: hier 2021 beim „Comedy-Wichteln“ mit Michael Wurst (re.) und Oli Hilbring (li.) in den Herner Flottmannhallen.
Nur selten war Welf Haeger in den vergangenen Jahren auf der Bühne zu sehen: hier 2021 beim „Comedy-Wichteln“ mit Michael Wurst (re.) und Oli Hilbring (li.) in den Herner Flottmannhallen.© FUNKE Foto Services | Kim Kanert

Beim RTL-„Supertalent“ wurde Haeger aus dem Studio gebuht

Besagte Urlaubs-Reportage hält Haeger bis heute für einen „Sargnagel“. Der Zusammenschnitt sei „zum Fremdschämen“ gewesen, „unterirdisch, ich wurde als dummer August verkauft“. Nur widerwillig habe er die Clips freigegeben. Schnell erkaltete die Liebe zu Stefan Raab. Tiefpunkt ein Jahr später: ein Auftritt beim RTL-„Supertalent“, bei dem das Publikum Haeger aus dem Studio buhte. Schluss mit lustig.

Mehr als 13 Jahre später ist Welf Haeger zurück. Zuletzt stand er nur noch sporadisch auf der Bühne, bei Mixed-Shows, in kleinen Theatern. Intensiv hat er an einem neuen 90-Minuten-Programm gefeilt. „Der Anwalt: Das Gesetz des Lebens“, lautet der Titel. Es gehe um Geschichten aus dem juristischen Alltag, um Moral und Gerechtigkeit, sagt der Weitmarer und spricht vom Spagat zwischen dem Bemühen um Ernsthaftigkeit und den Erwartungen, denen ein Comedian gerecht werden müsse. Deshalb wird auch der Leopardenmantel wieder eine Rolle spielen.

Neues Programm soll im März Premiere feiern

Im März soll Premiere sein. Wo, steht noch nicht fest. Zuvor gibt‘s Kurzauftritte bei der Comedy-„Punchline“ am 2. Februar und 1. März im Capitol-Kino in der Bochumer Innenstadt. Welf Haeger ist sicher: Es wird „irre komisch“. Sein Comeback soll gelingen. „TV Total“ mit Raab-Nachfolger Sebastian Puffpaff hat‘s ja auch geschafft.