„Kommen wir nun zum äthiopischen Henochbuch“, sagt Ann-Christin Grüninger, schaltet auf die nächste Folie ihrer Präsentation und blickt in die interessierten Gesichter ihrer Zuhörer. Gerade hält sie einen Vortrag über den Kriegsengel Michael im Alten und Neuen Testament. Für die promovierte Theologin der Ruhr-Uni eigentlich Normalität, doch an diesem Abend sitzt sie nicht wie sonst in einem hell erleuchteten Seminarraum, sondern auf einem Sofa in einem schummrigen Hinterzimmer einer Bar in der Innenstadt.

Ihr Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe „Theologischer Salon“, die in jedem Wintersemester theologische Forschung für Laien verständlich machen will. Organisiert wird der Salon von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Doktoranden der evangelischen und katholischen Fakultäten der Ruhr-Uni. „Wir wollen die Vielfalt der Theologie präsentieren“, sagt Lukas Brand aus dem Organisationsteams des Abends.

Raus aus der „Uni-Komfortzone“

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Die Kneipe als Ort ist dabei bewusst gewählt: „Mit dem Salon gehen wir aus unserer Uni-Komfortzone raus und wollen uns Leuten zeigen, die wir sonst nicht erreichen.“ Die populärwissenschaftliche Aufarbeitung der Vorträge gehört zum Konzept, ist für die Referenten aber auch eine Herausforderung. „Die Vorbereitung ist sehr anders als bei Vorträgen in der Uni“, sagt Grüninger, „ich achte auf Verständlichkeit und verzichte auf Fachbegriffe, die Laien nicht verstehen.“ Auch bei der Themenauswahl orientiert sie sich am fachfremden Publikum: „Wir suchen uns Themen, die zwar mit unserer Forschung zusammenhängen, die die Hörer aber auch schon kennen.“

Relevanz der Theologie

So auch der zweite Referent am Abend, der evangelische Theologe Andreas Seifert. Er spricht über das immer mehr aufkommende Phänomen des neugermanischen Heidentums, das durch Fernsehserien wie „Vikings“ verstärkt wird. Die Glaubensgemeinschaft wachse seit Jahren, vor allem in Nordeuropa, aber auch in Deutschland gebe es immer mehr Anhänger.

Doch das Heidentum stehe auch vor Problemen, etwa der politischen Vereinnahmung durch rechte und völkische Gruppen, wie Seifert in der anschließenden Diskussion anmerkt. Ein gutes Beispiel für das, was Lukas Brand die „gesellschaftliche Relevanz der Theologie“ nennt, die man mit dem Salon betonen will. Auch Grüninger bestätigt: „Wir wollen unsere Themen in die Gesellschaft bringen, denn die Leute kommen nicht zu uns in die Bibliothek und lesen Fachliteratur.“