Bochum. Studierende der Ruhr-Universität entwickeln 3D-Drucker zum Bioprinter weiter und drucken Zellen. Team wünscht sich mehr Flexibilität im Studium.

  • Studierende verschiedener Fachrichtungen haben sich zu einer Projektgruppe zusammengeschlossen
  • Sie wünschen sich mehr Freiheit und Flexibilität im Studium
  • Unter der Leitung einer Professorin haben sie einen konventionellen 3D-Drucker zum Bioprinter umgerüstet

Die Universität ist ein Ort des Lernens und der Forschung, zumindest sollte sie das sein. Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen der Ruhr-Universität haben sich nun zusammengefunden, um genau das zu tun: Sie wollen forschen und eigene Ideen umsetzen.

Was zunächst selbstverständlich klingt, wird nicht so empfunden. „Das Studium ist sehr verschult“, sagt Nils Beßler, Student der Stammzellenbiologie im Masterstudiengang. Beßler hatte die ambitionierte Idee, einen Bio-3D-Drucker zu bauen. „Er funktioniert wie ein gewöhnlicher 3D-Drucker, nur dass statt Plastikteilen organische Zellen gedruckt werden.“

Der Bioprinter in Aktion: Er druckt biologisches Zellmaterial und irgendwann vielleicht auch ganze Organe.
Der Bioprinter in Aktion: Er druckt biologisches Zellmaterial und irgendwann vielleicht auch ganze Organe. © Gero Helm

Umbau für 700 Euro

Die Umsetzung der Idee war nicht einfach. Deshalb hat Beßler mit seinem Kommilitonen Alexander Santel über Internetkanäle der RUB interessierte Studenten zur Kooperation aufgerufen. Im Januar hat sich das Team zum ersten Mal getroffen. Unter der Betreuung von Prof. Beate Brand-Saberi hat die Gruppe einen herkömmlichen 3D-Drucker zu einem Bioprinter umgebaut. „Ein Gerät, das sonst um die 200 000 Euro kostet, haben wir für rund 700 Euro umgebaut“, sagt Beßler.

Organe aus dem Internet

Die Vision seines Teams orientiert sich an einem Experiment, bei dem Wissenschaftler ein Mäuseherz „gedruckt“ haben. „Alle sprechen heutzutage von Digitalisierung, doch man muss es sich erst einmal vorstellen: Bald wird man in der Lage sein, ein Organ aus dem Internet zu laden und auszudrucken!“, sagt Beßler.

Die spektakuläre Maschine betrachten die Studenten allerdings als bloßes „Leuchtturmprojekt“ ihres Netzwerkes, das sie liebevoll als „Studenteninkubator“ bezeichnen. Ihnen geht es darum, gleichberechtigt und selbstverwaltet eine Umgebung zu schaffen, in der Studierende frei arbeiten können. Biologen, Chemiker, Informatiker, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler lernen hier voneinander: „Man muss verstehen, wie ein Maschinenbauer denkt, und dieser muss nachvollziehen, wie ein Chemiker arbeitet. Die interdisziplinäre Arbeit ist für alle bereichernd, jeder profitiert vom Wissen der anderen.“ So können nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Interessierte wie Wirtschaftsstudent Philip Remete ihren Teil zum Projekt beitragen. Ende April will er das Vorreiterprojekt auf einem Event für Start-ups bewerben. „Entscheidend ist, dass man seine Sache selbst verstanden hat, sonst kann man sie auch den anderen nicht erklären“, sagt Beßler.

Projekt wird auch aus privaten Mitteln finanziert

Die Arbeit am Bioprinter verrichten die Studierenden in ihrer Freizeit. Außer Beßler, der das Thema in seiner Masterarbeit behandelt, wird die Forschungsleistung niemandem angerechnet. „Das Studium sollte plastischer und flexibler werden“, sagt Lukas Piechulek, Promotionsstudent an der Ruhr-Universität und Sozialwissenschaftler.

Auch die Raumfindung hat sich für die enthusiastischen Jungforscher als schwierig erwiesen: „Es war so schwer, einen Laborraum zu bekommen. Die Maschinenbauer wollten einem Biologen keine Räumlichkeit zur Verfügung stellen“, sagt Beßler.

Finanziert wird das Projekt teils vom Lehrstuhl der Professorin Brand-Saberi, doch teils auch aus privaten Mitteln. „Wenn man eigene Ideen hat, sollte man dafür belohnt und nicht mit Bürokratie erschlagen werden“, findet Beßler.

>> FORSCHUNG PROFITIERT VOM BIOPRINTER

  • Die medizinische Forschung profitiert vom Bioprinter. Tierversuche könnten so ein Ende finden und Forscher genauere Ergebnisse erzielen.
  • Durch den Bio-3D-Drucker müssen Mediziner nicht mehr mit zweidimensionalen Kulturen in Petrischalen arbeiten. Zellen verhalten sich im dreidimensionalen Raum anders.
  • Die Studenten wollen ihre Forschungsergebnisse als Open Source der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Dadurch sollen andere Forscher angeregt werden, das Konzept weiterzuentwickeln.