Pflege

Altenheime drehen kräftig an der Preisschraube

Die Pflegekosten in den städtischen Altenheimen sind seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. Weitere Träger werden an der Preisschraube drehen müssen – auch über 2018 hinaus, heißt es bei den Senioreneinrichtungen Bochum.

Die Pflegekosten in den städtischen Altenheimen sind seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. Weitere Träger werden an der Preisschraube drehen müssen – auch über 2018 hinaus, heißt es bei den Senioreneinrichtungen Bochum.

Foto: Alexander Volkmann

Bochum.  Um bis zu fünf Prozent haben die städtischen Altenheime in Bochum zum Jahresbeginn ihre Entgelte erhöht. Als Grund wird die Pflegereform genannt.

Altenheim-Bewohner und deren Familien müssen sich auf deutlich steigende Kosten einstellen. Die Senioreneinrichtungen der Stadt Bochum (SBO) haben ihre Entgelte zum Jahresbeginn um bis zu fünf Prozent erhöht. „Weitere Träger werden mit Sicherheit folgen“, heißt es bei der SBO. Als Grund wird die Pflegereform genannt.

Die 2017 in Kraft getretene Neuordnung der Pflegeversicherung sieht fünf statt bisher drei Pflegegrade vor. Was die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen entlasten soll, führe in den Altenheimen zu einer finanziellen Mehrbelastung, erklärt SBO-Geschäftsführer Frank Drolshagen. Für Bewohner mit den Stufen 4 und 5 rückten Senioren mit den Pflegegraden 2 bis 3 nach, die geringer dotiert seien als vor der Reform. „Die Pflegepauschalen der Kassen werden allgemein niedriger. Da wir die Kosten auf alle Bewohner umlegen, heißt das: Der fällige Eigenanteil muss erhöht werden“, so Drolshagen.

Anstieg der Pflegekosten

Das hat für die 588 Bewohner in den vier SBO-Heimen unterschiedliche Konsequenzen. Wo es die niedrigsten Pflegegrade gibt, wurden die Beiträge zum Januar am meisten angehoben: an der Bayernstraße um fünf Prozent, an der Graf-Adolf-Straße um 3,8 Prozent (was bei Pflegegrad 4 monatlich 120 Euro mehr ausmacht). Mit eingepreist sind dabei die Personal- und Sachkosten. „Die erhöhen sich für 2018 aber nur im üblichen Rahmen“, betont Drolshagen. Auch die Investitionskosten, die der Landschaftsverband genehmigt, blieben unverändert. Verantwortlich für den außergewöhnlich starken Anstieg seien allein die Pflegekosten.

Bei zahlreichen Häusern stehen die Verhandlungen mit den Kostenträgern für 2018 noch aus, teilt das Sozialamt mit. Die SBO zählt zu den ersten Trägern, die die Eigenanteile derart deutlich anhebt. „Die anderen Betreiber werden nachziehen. Das Problem stellt sich ja für alle“, glaubt Drolshagen. Die Bundesinteressenvertretung für alte und neue pflegebetroffene Menschen (BIVA) bestätigt: „Wir haben das Gefühl, dass die eigentlich gewollte Entlastung bei hohen Pflegegraden in den Altenheimen tendenziell aufgezehrt wird.“ Pflegebedürftigen und Angehörigen wird daher geraten, die Preise und Angebote in den Einrichtungen zu vergleichen.

2019 droht weiterer Anstieg

Für Frank Drolshagen steht bereits fest: Auch über 2018 hinaus werden Altenheime weiter an der Preisschraube drehen müssen. Das werde auch die Kommune belasten. Schon jetzt kann jeder zweite Bewohner in den SBO-Heimen den Eigenanteil nicht bezahlen, der nach Abzug der Pflegepauschale übrig bleibt. Meist können auch die Angehörigen nicht zur Kasse gebeten werden, so dass das Sozialamt einspringen muss. Der SBO-Chef: „Steigt der Eigenanteil weiter an, wird sich die Zahl der Bewohner, die auf öffentliche Leistungen angewiesen sind, weiter erhöhen“ – zu Lasten der Allgemeinheit.

>>> Kommentar: Sozialamt zahlt die Zeche

Entlastung: Die versprach der Gesetzgeber mit dem Pflegestärkungsgesetz 2017 Millionen Pflegebedürftigen und Angehörigen. Tatsächlich hat die Ausweitung auf fünf Pflegestufen vielerorts Gutes bewirkt, gerade für Menschen, die bis dahin keinerlei Leistungen beanspruchten. Doch nun sind es ausgerechnet die schwer Pflegebedürftigen in den Heimen, die massiv zur Kasse gebeten werden.

Bei Kosten von monatlich weit über 4000 Euro ist ein Aufschlag von fünf Prozent beim Eigenanteil alles andere als eine Kleinigkeit und wird viele Familien überfordern. Wer die Zeche zahlt, zeichnet sich bereits ab: der Steuerzahler. Denn fortan dürften noch mehr Heimbewohner auf das Sozialamt angewiesen sein.

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