WAZ-Interview

Alle Filialen der Sparkasse Bochum sollen bestehen bleiben

Jürgen Hohmann zieht ein positives Fazit nach seinem ersten Jahr an der Spitze der Sparkasse Bochum.

Jürgen Hohmann zieht ein positives Fazit nach seinem ersten Jahr an der Spitze der Sparkasse Bochum.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Seit einem Jahr steht Jürgen Hohmann an der Spitze der Sparkasse Bochum. Nun äußert sich der 55-Jährige zur Lage und Zukunft seines Hauses.

Seit einem Jahr steht Jürgen Hohmann als Vorstandsvorsitzender an der Spitze der Sparkasse Bochum. Im Interview mit den WAZ-Redakteuren Andreas Rorowski und Michael Weeke gibt der 55-Jährige Auskunft über die wirtschaftliche Lage und gesellschaftliche Verantwortung seines Hauses.

Im Jahresabschluss 2017 steht als Bewertung für den Geschäftsverlauf das Wort „zufrieden“. Wie beurteilen sie das laufende Jahr?

Hohmann: „Ich bin für das erste Jahr hier hoch zufrieden.“

Die Sparkasse ist in den städtischen Ausschüssen gelobt worden. Dennoch: Könnte die Ausschüttung an die Stadt, in diesem Jahr 15,5 Millionen Euro, noch höher ausfallen? Und muss die Rücklage so hoch sein?

Hohmann: „Wir befinden uns im elften Jahr der Niedrigzinsphase und das bedeutet, dass wir für die Sicherheit der Einlagen unserer Kunden sorgen wollen. Daher sind Einstellungen in den Fonds für allgemeine Bankrisiken notwendig. Da gehört das Geld hin, um entsprechend auch Vorsorge zu treffen. Im Übrigen: Bei einer Größe der Sparkasse Bochum von fünf Prozent am Gesamtvolumen aller Sparkassen in Westfalen-Lippe haben wir einen Gewinnausschüttungsanteil von 19 Prozent. Ich denke, das ist in Ordnung. Wir sind die Bank der Bochumer Bürger und wir wollen den Bochumer Bürgern auch etwas zurückgeben. Wenn wir in unserem Kreditgeschäft wachsen wollen, brauchen wir Eigenkapital. Je mehr Eigenkapital wir haben, umso nachhaltiger können wir unsere Kunden bei Investitionen begleiten.“

Sparkasse baut in der Innenstadt

Wie dicht wird in Zukunft Ihr Filialnetz sein?

„Wir wollen die Nähe zu unseren Kunden bewahren, das sehen wir als die DNA unserer Sparkasse an. Auf Sicht sehe ich, dass wir unsere Geschäftsstellen alle behalten wollen. Was die Gründung neuer Geschäftsstellen angeht: Im Schnitt ist es so, dass für jeden Kunden keine Geschäftsstelle weiter als 600 Meter entfernt ist. Ich denke, das ist schon eine fantastische Dichte. Stärker als wir derzeit vertreten sind, müssen wir in Zukunft nicht vertreten sein.“

Die Sparkasse hat die „Uhle“ gekauft. Sie wollen das Haus abreißen und neu bauen. Welche Pläne gibt es dafür und gibt es Überlegungen, bei der anstehenden Neugestaltung der Innenstadt auch an anderer Stelle mit Neubauten beteiligt zu sein?

Hohmann: „Wir beabsichtigen auf Sicht, das alte Gebäude abzureißen und etwas Neues hinzustellen. Wir werden bald Gespräche mit dem Bauamt aufnehmen und abklären, was wir bauen dürfen. Meine persönliche Meinung ist, dass an einer der wesentlichen Kreuzungen der Innenstadt ein markantes Gebäude entstehen sollte. Wenn es nach mir ginge, dann sollte das Prinzip sein: je höher desto besser für den Platz.“

Denken Sie an ein Bürogebäude, an Einzelhandel, an Wohnen?

Hohmann: „Es sollte eine Mischnutzung sein. Wir haben das Thema Wohnen in der City, haben noch Eigenbedarf und auch eine ganze Menge Anfragen zu dem Projekt. Da uns auch das Nachbargebäude gehört, werden wir schauen, ob wir dieses und das neue Gebäude zu einer Einheit zusammenbringen.“

Positive Resonanz auf Sponsoring

Überlegen Sie womöglich, diesen älteren Bau ebenfalls abzureißen und eine neue Immobilie über die gesamte Breite zu bauen?

Hohmann: „Gehen Sie davon aus, dass wir daran arbeiten, die Fassaden beider Gebäude anzugleichen. Darüber hinaus planen wir nicht, weitere Gebäude oder Grundstücke in der Innenstadt zu erwerben und zu entwickeln. Das ist auch nicht unsere Profession. Wir sind eine Bank und keine Stadtgestalter.“

2,26 Millionen Euro haben sie 2017 für Sponsoring ausgegeben, deutlich weniger als in den Vorjahren. Wie groß ist der Anteil für die großen Veranstaltungen wie Zeltfestival und Sparkassen-Giro?

Hohmann: „Sponsoring ist Werbung und hat für uns einen eigenen Wert. Wir bekommen viel positive Resonanz auf unsere Beteiligung an Veranstaltungen wie Zeltfestival und Sparkassen-Giro, so dass ich als Kaufmann sage, wenn wir es bis jetzt nicht gemacht hätten, müssten wir es jetzt machen. Für die beiden großen Veranstaltungen plus Bochum Total geben wir nicht mehr als ein Viertel des Gesamtbudgets aus.“

Vor zwei Jahren haben Sie Fusionsverhandlungen mit der Sparkasse Witten geführt, die gescheitert sind. Woran hat das gelegen? Gibt es Überlegungen, andere Partner im Umkreis zu finden?

Hohmann: „Größe allein ist nicht ausschlaggebend. Die Sparkasse Bochum ist gut aufgestellt und langfristig stabil, so dass sie keine Probleme hat, das Geschäft langfristig alleine zu gestalten. Wenn jemand an uns heranträte, um uns zu fragen, ob das ein Thema für uns wäre, dann würden wir diese Anfrage begutachten, Chancen und Risiken gegeneinander abwägen und eine Entscheidung fällen. Es gibt zurzeit keinerlei Gespräche über Fusionen, egal mit wem. Warum einseitig die Fusionsgespräche von Witten abgebrochen wurden, war uns damals ein Rätsel und ist es uns bis heute.“

28 Auszubildende

Wie viele Ihrer Mitarbeiter beschäftigen sich noch mit dem eigentlichen Geldgeschäft und wie viele sind mit Aufgaben der Verwaltung, der IT, rechtlichen Fragen und anderen Bereichen beschäftigt?

„Rund 60 Prozent unserer Mitarbeiter arbeiten direkt im Kundengeschäft. 40 Prozent sind mit Regulatorik und sonstigen Folgetätigkeiten beschäftigt.“

Brauchen Sie künftig überhaupt noch den klassischen Sparkassenangestellten, der am Schalter Kunden bedient? Wie zukunftssicher ist die Ausbildung bei der Sparkasse?

Hohmann: „Auf jeden Fall! Ausbildung bei der Sparkasse hat Zukunft! Wir haben allein in diesem Jahr 28 Auszubildende eingestellt. In den beiden Jahren davor hatten wir zusammen 30.“

Bleibt die Beschäftigtenzahl also mittelfristig konstant?

Hohmann: „Wir sind – historisch gesehen – immer eine sehr effiziente Sparkasse gewesen. Und die normale Fluktuation sieht so aus, dass wir für die Zukunft einen vernünftigen Gleitpfad darstellen können. Es wird keine großen Verwerfungen geben. Aber wir werden immer wieder überprüfen, was wir noch effizienter machen können.“

2017 ist die Stellenzahl von 1150 auf 1110 gesunken. Wird der Personalabbau in diesem Jahr ähnlich hoch ausfallen?

Hohmann: „Es werden in diesem Jahr nicht mehr so viele sein. Und: Wir haben mehr als 40 externe Bewerber für Servicetätigkeiten eingestellt und suchen nach wie vor Personal für unseren Servicebereich.“

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