Solidaritätsaktion

Aktivisten unterstützen Iranerinnen im Kampf für Freiheit

Das Kopftuch am Stock ist längst ein internationales Symbol für die Freiheit, sagt Ellahe E. Auch in Bochum haben sich Aktivisten mit den Frauen im Iran solidarisiert.

Foto: Joachim Hänisch

Das Kopftuch am Stock ist längst ein internationales Symbol für die Freiheit, sagt Ellahe E. Auch in Bochum haben sich Aktivisten mit den Frauen im Iran solidarisiert. Foto: Joachim Hänisch

Bochum.   Mit Aktion gegen Zwangsverschleierung drücken Bochumer Deutsch-Iraner Solidarität aus. Als Symbol für Freiheit hängen sie Kopftücher an Stöcke.

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Es sind Minusgerade im Bermudadreieck, aber Kouroch Farzin ist trotzdem gekommen. Er streckt einen Stock mit einem daran befestigten Kopftuch in den kalten Abendhimmel. Ellahe E. und Fariba Ahanghani tun es ihm nach: Wie ein buntes Fahnenmeer sieht das aus.

„Wir solidarisieren uns mit den Frauen im Iran, die sich gegen die Zwangsverschleierung auflehnen“, verkündet Farzin und erklärt: „Seit Ende 2017 gibt es im Iran neue Protestaktionen, angefangen hat es in Teheran.“ Dort habe sich zuerst Vida Movahed auf ein Podest gestellt, ihr Kopftuch an einen Stock gehangen und in die Höhe gestreckt. „Sie wurde verhaftet. Viele Frauen sind ihrem Vorbild gefolgt und wurden ebenfalls festgenommen“, so Farzin.

Iranerinnen haben keine Freiheiten

Für Ellahe E., die auch zu Landsleuten im Telefonkontakt steht, ist das untragbar: „Die Frauen im Iran haben keine Freiheiten. Was für deutsche Frauen selbstverständlich ist, können die Iranerinnen nicht tun“, betont sie. Das Kopftuch am Stock? „Längst ein internationales Symbol für Freiheit, gegen Unterdrückung und das Mullah-Regime“, so Ellahe E.

Freundin Tajibe T. freut sich, dass rund zwanzig Teilnehmer gekommen sind. „Ich denke, es stehen Umbrüche bevor“, sagt sie. In Deutschland könne man frei demonstrieren, im Iran fürchteten Frauen sich teilweise bloß vor die Haustür zu gehen. „Es geht dabei nicht nur um das Kopftuch“, betont Ahanghani. Frauen dürften ebenso in der Öffentlichkeit nicht auftreten oder singen, mit den schwarzen Verschleierungen seien die bunten Farben aus dem öffentlichen Bild verschwunden.

Schleier früher für vornehme Frauen

Auch wenn der Iran mehr als 5000 Kilometer entfernt ist, findet Farzin: „Ich bin meinem Heimatland verbunden. Wenn es um Menschenrechte geht, ist das aber eine übergeordnete Kategorie.“ Das zeige für ihn auch die Tatsache, dass an diesem Abend Menschen unterschiedlicher Religionen gemeinsam demonstrierten.

Ellahe E. erinnert an die Geschichte des Irans: „In der Antike trugen vornehme und privilegierte Frauen den Schleier. 1979 wurde aber durch Kohmeini eine islamische Republik etabliert, und man wurde zum Schleier gezwungen.“

Sie hofft indessen: „Ich wünsche mir, dass das Land, in dem der Islamismus zum ersten Mal in der Neuzeit in Form einer islamischen Republik etabliert wurde und Kopftuchzwang staatlich vorgeschrieben wurde, auch das erste Land sein wird, das sich dagegen auflehnt.“

>>> INFO: Kopftuchpflicht für alle Frauen

  • Die Solidarisierungsaktion fand bereits zum 5. Mal statt und soll auch weiterhin an verschiedenen Stellen in und um die Innenstadt herum fortgesetzt werden.
  • Kopftuch zu tragen, ist im Iran Pflicht, eine Zuwiderhandlung wird als Straftat verfolgt. Es gibt keine Ausnahme von dieser weltweit einmaligen Vorschrift. Auch westliche Politikerinnen und Journalistinnen müssen im Iran ein Kopftuch tragen.

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