Gewalttat

AfD-Aktivist wird bei Überfall in Bochum schwer verletzt

„Die Identitären“ (hier bei einer Kundgebung in Berlin) agieren als völkische Bewegung. In Bochum beklagen sie „linke Gewalt“

„Die Identitären“ (hier bei einer Kundgebung in Berlin) agieren als völkische Bewegung. In Bochum beklagen sie „linke Gewalt“

Foto: Peter Homann

Bochum.   Bei einem Angriff in Bochum ist ein Aktivist der AfD-Jugendorganisation schwer verletzt worden. Ein Streit in einem City-Club war vorausgegangen.

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Von einem politischen Hintergrund geht die Polizei bei einem Überfall am Hauptbahnhof aus. Ein 24 Jahre alter Bochumer erlitt dabei schwere Verletzungen. Beim Opfer soll es sich um einen Aktivisten der „Alternative für Deutschland“ (AfD) handeln. Inzwischen hat der Staatsschutz der Polizei die Ermittlungen an sich gezogen.

Der Angriff ereignete sich gegen 3.30 Uhr in der Nacht zum vergangenen Samstag. Als der 24-Jährige die Universitätsstraße, unmittelbar am Bahnhof, überqueren wollte, wurde er laut Polizei von zwei Passanten massiv geschlagen und zu Boden gestoßen. Mit schweren Gesichtsverletzungen wurde er zur stationären Behandlung ins Krankenhaus gebracht. „Lebensgefahr besteht aber nicht“, berichtet Polizeisprecher Frank Lemanis.

Rechte prangern „linke Gewalt“ an

Am Dienstag meldete sich die AfD in einer Pressemitteilung zu Wort. Danach ist der 24-Jährige sowohl Mitglied der AfD als auch deren Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA). Der Student habe Knochenbrüche im Gesicht erlitten und müsse um sein Augenlicht fürchten, beklagt JA-Landesvorsitzender Carlo Clemens.

„Das Ausmaß linker Gewalt erreicht eine neue Dimension. Hier wurde der Tod eines politischen Gegners ganz klar in Kauf genommen“, heißt es in der Mitteilung der AfD-Jugend, in der Bezug auf die Krawalle beim G20-Gipfel in Hamburg genommen und zu Spenden für den Bochumer aufgerufen wird.

Nach WAZ-Information gab es zuvor einen Streit in der Diskothek „Trompete“ an der Viktoriastraße. Hier verkehrt ein multikulturelles, linksliberales Party-Publikum. „Gegen 1 Uhr betraten acht junge Leute den Laden. Als sie die Jacken auszogen, waren Aufnäher mit der Aufschrift ,Die Identitären’ klar erkennbar“, schildert Club-Chef Frank Gerwers. Gäste hätten ihn darauf aufmerksam gemacht, „dass da Rechtsradikale stehen“.

Nachdem Gäste angepöbelt und bedroht worden seien, habe Gerwers den Anhängern der völkischen Bewegung Hausverbot erteilt und die Polizei alarmiert: „Dieses rechte Pack wollen wir nicht haben.“

Spät nachts kehrte einer der „Identitären“ zurück

Die Gruppe habe den Laden verlassen. Doch gegen 3.30 Uhr sei einer der „Identitären“ zurückgekehrt. „Was dann geschah, weiß ich nicht“, so Gerwers. Es sei komplett offen, ob „Trompete“-Besucher in den Angriff verwickelt seien: „Bei uns verkehrt kein gewalttätiger ,Schwarzer Block’.“ Allerdings sei die Antifa-Szene in Bochum sehr aktiv und eng vernetzt.

Nachdem die rechtsextreme Ausrichtung des 24-jährigen Opfers bekannt wurde, prüfe die Polizei „eine politische Motivation für die brutale Straftat“, erklärt Sprecher Frank Lemanis auf WAZ-Anfrage. Deshalb sei der Staatsschutz hinzugezogen worden.

Von den Tätern fehlt weiter jede Spur. Fest steht nur, dass sie nach der Schlägerei auf der Universitätsstraße in Richtung Ferdinandstraße flüchteten. Hinweise werden unter 0234/ 909 4441 erbeten.

>> INFO: "Fahndungsfoto" bereitet Sorgen

  • Sorge bereitet der Polizei eine Veröffentlichung auf Twitterkanälen und Internet-Portalen, die als rechtsextrem eingestuft werden.
  • Darin ist ein „Fahndungsfoto“ zu sehen, das angeblich einen der beiden Angreifer zeigt.
  • Die Bochumer Polizei distanziert sich ausdrücklich von der Veröffentlichung.
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