Gesundheit

5000 Notfalldosen gehen in Bochum jetzt in den Verkauf

5000 Notfalldosen werden ab nächster Woche stadtweit angeboten. Für die Behälter warben am  Donnerstag (v.l.) die Rettungssanitäter Jan Jordan und Chris Lyskawka, MedQN-Vorsitzender Dr. Michael Tenholt, Dr. Cordula Kloppe (städtischer Rettungsdienst) sowie Feuerwehr-Chef Simon Heußen.

5000 Notfalldosen werden ab nächster Woche stadtweit angeboten. Für die Behälter warben am Donnerstag (v.l.) die Rettungssanitäter Jan Jordan und Chris Lyskawka, MedQN-Vorsitzender Dr. Michael Tenholt, Dr. Cordula Kloppe (städtischer Rettungsdienst) sowie Feuerwehr-Chef Simon Heußen.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Notfalldosen, aufbewahrt im Kühlschrank, sollen Notärzten im Einsatz schnellen Durchblick verschaffen. 5000 Behälter gehen jetzt in den Verkauf.

Arzneien wild durcheinander im Nachtschrank, die Küchenschublade voll mit Arztbriefen: Bei ihren jährlich über 50.000 Einsätzen fehlt den Notärzten und Sanitätern des städtischen Rettungsdienstes oft der schnelle Durchblick. Der kann lebenswichtig sein. Deshalb gibt es jetzt die Notfalldose. Nächste Woche startet der Verkauf.

Bochum zählt 195.200 Haushalte. In 95.100 Wohnungen lebt nur eine Person. Tendenz: steigend. Das stellt die Helfer im Notfall vor Probleme. Ist der Patient bewusstlos, nicht ansprechbar, dement, ohne dass Angehörige vor Ort sind, beginne häufig das große Suchen, berichtet Feuerwehrchef Simon Heußen. Welche Vorerkrankungen hat der Patient? Welche Medikamente nimmt er ein? „Diese Informationen“, sagt die stellvertretende Rettungsdienst-Leiterin Dr. Cordula Kloppe, „sind für uns extrem wichtig.“ Je ausführlicher und zuverlässiger, umso hilfreicher für die Erstbehandlung.

Dose enthält Faltblatt mit Patienteninformationen

Die Lösung ist ebenso simpel wie effektiv: die Notfalldose. Ein Faltblatt mit Einträgen unter anderem über Vorerkrankungen, Operationen, Allergien, Medikation, Hausarzt und Kontaktpersonen wird ausgefüllt, zusammengerollt und in eine grün-weiße Kunststoffdose gesteckt. Die wird gut sichtbar in den Kühlschrank gestellt. Warum der Kühlschrank? „Den haben alle. Und die Retter wissen sofort, wo sie nachschauen sollen“, sagt Dr. Michael Tenholt, Chef des Medizinischen Qualitätsnetzes (MedQN), das die Einführung der Notfalldosen zusammen mit dem Rettungsdienst auf den Weg gebracht hat.

Im Herbst wurden 5000 Behälter bestellt. Die sind jetzt eingetroffen. Die Kartons stapeln sich im MedQN-Büro. Schleunig werden die Dosen nun an die Vertriebspartner geliefert: Apotheken, die dem MedQN-Beirat angehören, ebenso wie Seniorenbüros, Caritas, Frauenhilfe und eine Krankenkasse.

Feuerwehr macht den Anfang

Einen einheitlichen Preis für die Dosen gibt es nicht. „Wir überlassen sie unseren Partnern zum Selbstkostenpreis von 1,40 Euro. Was sie dann dafür nehmen, ist ihnen selbst überlassen“, sagt Tenholt und geht „von zwei bis drei Euro“ aus. Die Feuerwehr macht’s billiger. Kurzfristig entschied Simon Heußen gestern, die Dosen in der Weihnachtsmarkt-Hütte der Feuerwehr auf der Huestraße anzubieten – für 1,50 Euro.

Die Dosen enthalten zwei Faltblätter und sind damit nicht nur für Single-Haushalte geeignet. Dem Rettungsdienst sind zwei Anliegen wichtig. Uwe Bösader: „Halten Sie die Informationen in dem Faltblatt immer auf dem neuesten Stand, wenn nötig auch mit einem zusätzlichen Blatt.“ Und: „In die Dosen gehören selbstverständlich keine Medikamente!“ Kürzlich hatte eine Seniorin kritisiert, dass ein Kühlschrank kein geeigneter Platz für die Behälter sei. Ihr kleiner Enkel könnte die Dose dort entdecken, öffnen und die Pillen darin für Bonbons halten...

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