Bündnis Seebrücke

200 Bochumer zeigen Solidarität mit Kapitänin Carola Rackete

„Bochum zum sicheren Hafen machen“: Auch die Stadt sei bei der Bekämpfung des Flüchtlingsdramas gefordert, bekräftigten die Teilnehmer der Mahnwache am Samstag in der Bochumer Innenstadt.

„Bochum zum sicheren Hafen machen“: Auch die Stadt sei bei der Bekämpfung des Flüchtlingsdramas gefordert, bekräftigten die Teilnehmer der Mahnwache am Samstag in der Bochumer Innenstadt.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Bochum.  200 Unterstützer des Bündnisses „Seebrücke“ demonstrieren seit dem Mittag in Bochum. Sie zeigen Solidarität mit der Kapitänin Carola Rackete.

Rund 200 Teilnehmer einer Demonstration des Bündnisses „Seebrücke“ haben am Samstag in der Bochumer Innenstadt zur Solidarität mit der Kapitänin Carola Rackete aufgerufen. Am Hauptbahnhof setzte sich am Mittag eine „Wandermahnwache“ in Bewegung. „Seenotrettung ist kein Verbrechen!“, skandierten die Erwachsenen und Jugendlichen, darunter auch Schüler der „Fridays for Future“-Bewegung.

Die Protestaktion lief zeitgleich in über 50 deutschen Städten. „Wir zeigen unsere Solidarität mit Carola Rackete und der Crew ihres Schiffes Sea-Watch 3. Denn sie haben das einzig Richtige gemacht: das Leben von Menschen auf der Flucht gerettet, Haltung bewiesen und Menschenrechte verteidigt“, erklärte Michael Niggemann vom Bochumer „Seebrücke“-Bündnis.

Redner kritisieren: „Schande über Europa“

Carola Rackete war als Kapitänin mit 53 Flüchtlingen aus Lybien fast 17 Tage im Mittelmeer unterwegs, bevor sie gegen den Willen der italienischen Regierung in Lampedusa anlegte. Nach ihrer Festnahme und vier Tagen Hausarrest wurde sie zwar freigelassen. Sie muss aber einen Strafprozess befürchten. In einer aktuellen Sprachnachricht, die bei der Mahnwache vorgespielt wurde, bedankt sich die 31-Jährige für die Unterstützung und appelliert an die europäischen Staaten, dass sich eine derartige Odyssee eines Seenotschiffes niemals wiederholen dürfe.

„Shame on you, Europe!“ („Schande über Europa“), hieß es auch in einem Redebeitrag der Mahnwache. Carola Rackete habe „Leben gerettet und wird dafür kriminalisiert“. Das Massensterben im Mittelmeer mit mindestens 17.000 Toten seit 2014 müsse ein Ende haben. Dabei sei auch die Stadt Bochum gefordert, mehr Flüchtlinge als bisher aufzunehmen. Eine Forderung, die bei den Samstags-Einkäuferin in der City auf geteiltes Echo stieß. „Dann nehmt die mal alle schön bei euch zu Hause auf“, meinte eine kopfschüttelnde Seniorin beim Anblick des Demonstrationszuges.

BO-Total-Besucher reihen sich spontan ein

Bis zum Nachmittag soll die Demonstration beendet sein – gerade rechtzeitig, bevor Zehntausende Besucher zum dritten Tag des Festivals „Bochum Total“ in die Innenstadt strömen.

Manche von ihnen hatten sich zuvor spontan der Mahnwache der „Seebrücke“ angeschlossen. „Großartige Sache! Carola Rackete ist ein Vorbild. Da sind wir gerne dabei“, sagten Andre (27), Britta (23) und Leon (29), die am Mittag mit dem Zug aus Osnabrück für BO-Total angereist waren.

Im Mai wurde ein Flüchtlingsboot ausgestellt

Zuletzt hatte die „Seebrücke“ im Mai mit einer Aktion in der Innenstadt für Aufsehen gesorgt. Auf dem Husemannplatz stellte das Bochumer Bündnis ein Schlauchboot aus, das im vergangenen Jahr von der libyschen Küstenmiliz abgefangen wurde.

120 dicht gedrängte Kinder und Erwachsene hatten auf dem zwölf Meter langen und 4,50 Meter breiten Boot vergeblich versucht, dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat zu entfliehen. 1000 Euro verlangten die Fluchthelfer für einen Platz an Bord. „Man kann die Not und Verzweiflung dieser Menschen jetzt noch besser nachfühlen“, meinte ein Teilnehmer der Kundgebung, bei der das tausendfache Leiden und Sterben von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer wörtlich zum Greifen nahe war.

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