Im Straßenbahnderby stürzte der VfL Bochum den FC Schalke 04 in die erste kleine Krise der Saison. Die Bochumer gewannen das Spiel mit 2:0 (2:0) und kletterten ins obere Tabellendrittel, Schalke blieb zum vierten Mal in Folge sieglos. Am Sonntag droht den Königsblauen der Sturz auf den dritten Tabellenplatz.
So darfst du in einem Derby nicht auftreten, wir waren im Kopf überhaupt nicht bereit
Schalke-Trainer Miron Muslic
„Wir haben das Spiel in der ersten Minute verloren. So darfst du in einem Derby nicht auftreten, wir waren im Kopf überhaupt nicht bereit“, äußerte sich nach dem Spiel der bediente Schalke-Trainer Miron Muslic.
Bochum gegen Schalke: Röslers Umstellungen gehen sofort auf
Bochums Trainer Uwe Rösler hatte seine Startelf auf drei Positionen geändert: Callum Marshall (Startelf-Debüt), Gerrit Holtmann und Koji Miyoshi spielten für Mats Pannewig (krank), Kjell Wätjen und Farid Alfa-Ruprecht. Und genau in dieser Reihenfolge waren die drei Neuen nach 45 Sekunden hellwach: Marshall schickte den schnellen Holtmann auf die Reise, der flach in die Mitte flankte. Dort stand Miyoshi frei und drückte den Ball über die Linie. Die Bochumer Fans jubelten, Rösler konnte sich freuen: Plan aufgegangen. „Die Jungs haben den Plan heute mit einer unglaublichen Intensität umgesetzt. Wir haben Schalke kaum atmen lassen und uns diesen Derbysieg durch pure Leidenschaft verdient“, freute sich Rösler dementsprechend nach dem Derbysieg.
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Dass die beste Deckung der Zweiten Liga schon in der ersten Minute so sehr patzte, lag auch an einer überraschenden taktischen Umstellung von Trainer Miron Muslic. Wegen großer Personalnot setzte Muslic erstmals in dieser Saison auf eine Viererkette, ein System, das S04 eigentlich gar nicht beherrscht. Vier Innenverteidiger bildeten diese Kette und alle vier sahen nicht gut aus: Timo Becker ließ Holtmann flanken, Nikola Katic, Mertcan Ayhan und der zu spät einrückende Felipe Sanchez ließen Miyoshi frei abschließen.
Schalke: Wallentowitz vergibt große Chance in der elften Minute
Sanchez war einer von drei Neuen in Schalkes Team. Zugang Dejan Ljubicic feierte vier Tage nach seiner Verpflichtung direkt sein Startelfdebüt, auch U19-Leihgabe Mika Wallentowitz begann. Hasan Kurucay (Gelb-Sperre), Amin Younes und Finn Porath (beide Bank) fehlten in der Startformation. Das Schalker Experiment ging nur bedingt auf. Die Offensive erwischte noch eine gute Anfangsphase. Nikola Katic (5., Kopfball am Tor vorbei) und Soufiane El-Faouzi (7., Schuss rechts vorbei) hatten die ersten Abschlüsse, bevor in der elften Minute der Ausgleich hätte fallen müssen. Nach einem herrlichen Pass von Kapitän Kenan Karaman stand Wallentowitz allein vor dem Bochumer Tor, schoss den Ball aber Zentimeter am Bochumer Tor vorbei.
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Doch es blieb bei einer Sechs-Minuten-Offensive. Die Schalker hatten zwar mehr Ballbesitz, aber das Experiment mit dem neuen System ging schief. Die Bochumer hinterließen den giftigeren Eindruck und waren gefährlicher. Vor allem über die Außenpositionen kamen sie immer wieder gefährlich nach vorne. Bochums Linksaußen Gerrit Holtmann wurde zum besten Spieler auf dem Platz: In der 14. Minute schoss er drüber, in der 21. und 35. Minute scheiterte er an Torwart Loris Karius - und in der 43. Minute war er entscheidend am verdienten 2:0 beteiligt. Schalkes Soufiane El-Faouzi verlor in einem hart geführten Zweikampf den Ball im Bochumer Strafraum, wollte einen Elfmeterpfiff hören. Der VfL konterte. Holtmann lief Timo Becker zum wiederholten Mal davon, flankte in die Mitte. Dort setzte sich Philipp Hofmann gegen Ayhan durch und donnerte den Ball unter die Latte. Bochum furios und aus dem Häuschen, Schalke vogelwild - das war die Geschichte der ersten Halbzeit, die im Getöse der VfL-Fans zu Ende ging.

Der Schalker Hoffnungsträger machte sich in der Pause bereit zum Einsatz. Torjäger Edin Dzeko, in seinem ersten Spiel nach wenigen Minuten erfolgreich, wärmte sich auf und kam zur Pause für Wallentowitz. Das Spielgeschehen verlagerte sich in die Bochumer Hälfte. In der 53. Minute wäre Schalke beinahe der Anschluss gelungen. Kenan Karaman führte den Ball in einer 3-gegen-1-Situation. Er spielte aber weder Dzeko noch Christian Gomis an, sondern schloss selbst ab. Torwart Horn parierte den Schuss. Drei Minuten später jubelten die Schalker: Nach einer Ecke von El-Faouzi stiegen auf der Torlinie Horn und Nikola Katic hoch. Horn faustete den Ball ins eigene Tor, fiel danach auf den Boden. Schiedsrichter Michael Bacher entschied auf Offensivfoul. Die Schalker konnten es kaum glauben, es blieb beim Zwei-Tore-Rückstand. . „Das ist ein klares Tor. Das abzupfeifen, ist ein Witz für mich. Die Schiedsrichter müssen sich zusammensetzen, so geht es nicht weiter. Es gibt keine Linie mehr“, zürnte Muslic.
Bochum gegen Schalke: Schiedsrichter erkennt zwei S04-Tore ab
Den Bochumern, die zur Pause den ausgepumpten Holtmann hatten auswechseln müssen, gelang nun nur noch selten Entlastung, zu zwei riesengroßen Tormöglichkeiten, um das Spiel zu entscheiden, kamen sie trotzdem. In der 63. Minute profitierten sie von einem Fehler El-Faouzis, dessen Rückpass zu kurz geriet. VfL-Stürmer Marshall lief allein aufs Tor zu, schoss aber daneben. Sieben Minuten später rutschte Ayhan als letzter Schalker aus, diesmal lief Felix Passlack allein aufs Tor zu. In letzter Sekunde rettete Katic mit einer Grätsche für Schalke.

Bochum verpasste das 3:0, die Schalker griffen nun verzweifelt an. Und sie haderten ein weiteres Mal mit einer Schiedsrichter-Entscheidung. Kenan Karaman hatte den Ball zum vermeintlichen 1:2 ins Eck geschlenzt (75.), doch nach Video-Check erkannte Schiedsrichter Bacher auf ein Handspiel im Vorfeld von Dzeko - diesmal eine vertretbare Entscheidung.

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Es war die letzte Torszene des Spiels, so sehr sich die Schalker auch bemühten: Diesmal ging nichts auf. Trainer Muslic muss nun zeigen, wie er mit der ersten kleinen Krise umgeht. Muslics Kollege Uwe Rösler war - einmal mehr in dieser Saison - der gefeierte Mann.







