Keine Fahnen, keine Gesänge - stattdessen gespenstische Stille im Vonovia Ruhrstadion am Freitagabend. Nach ein paar zarten „VfL“-Rufen herrschte einzig Gemurmel auf den Tribünen. Beim Heimspiel des VfL Bochum gegen Dynamo Dresden schwiegen beide Kurven in den ersten zwölf Minuten des Spiels - und nahezu das gesamte Stadion beteiligte sich am stillen Protest gegen die geplanten Maßnahmen der Innenministerkonferenz gegen Fußball-Fans. „Soll das die Zukunft des Fußballs sein?“, stand auf einem Banner an der Ostkurve. „Ist es das, was ihr wollt?!“, war auf einem Spruchband der Gästefans zu lesen. Laut wurde es erst, als die Stadionuhr 12:00 zeigte und beide Kurve lautstark ins Spiel starteten.

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Nach dem Spiel äußerte sich auch der VfL Bochum zu den Protesten am Freitagabend. „Der VfL nimmt den friedlichen Protest beider Fangruppen sehr ernst und wird sich auch weiterhin für eine reflektierte Diskussion sowie eine ausgewogene Herangehensweise in Bezug auf ein sicheres Stadionerlebnis einsetzen – dabei sehen wir Kollektivstrafen als Eingriff in die Fankultur als nicht verhältnismäßig an“, hieß es. „Aufgrund der hervorragenden Erfahrungen vertrauen wir weiterhin auf die Expertise unserer Mitarbeiter in den Bereichen Sicherheit und Fanbelange. Zudem auf die Fachexpertise der unabhängigen Stadionverbotskommission, die für ein geregeltes und transparentes Handeln bei der Anhörung und Aussprache von Stadionverboten steht.“
Schon am Freitagnachmittag machte ein Aufruf des Fanbündnisses „Fanszenen Deutschland“ die Runde, die diesen Protest ankündigte. „Wir werden die ersten 12 Spielminuten schweigend verbringen“, hieß es. In allen Stadion der Bundesrepublik an diesem Wochenende. Das betrifft dann unter anderem auch das Spiel zwischen Preußen Münster und dem FC Schalke 04, sowie das Heimspiel von Borussia Dortmund gegen den VfB Stuttgart.
Die Fanszenen begründen ihren Protest damit, um den Kontrast zwischen „gelebter Fankultur und schweigenden Zuschauerrängen“, zu verdeutlichen. Dieses „dystopisches Szenario“, so befürchten die aktiven Fans in Deutschland, könnte schon am ersten Dezemberwochenende Wirklichkeit werden, wenn die Innenminister auf ihrer Konferenz im Bremen vom 3. bis 5. Dezember ihre Maßnahmen tatsächlich auf den Weg bringen sollten.
VfL Bochum gegen Dynamo Dresden: Darum schweigen die Fans
Auf der kommenden Innenministerkonferenz soll unter anderem über die Einrichtung einer zentralen Stadionverbotskommission entschieden werden. Dann würden die lokalen Kommissionen entfallen, die bislang über Stadionverbote urteilen. Die Fans befürchten, dass es demnächst dann Verbote nach Gießkannenprinzip und ohne Abwegungen geschweige denn echten Beweisen verhängt würde. „Besonders kritisch ist, dass künftig bereits nach Einleitung eines Ermittlungsverfahrens – also ohne Verurteilung und ohne Unschuldsvermutung – ein Stadionverbot geprüft werden soll“, heißt es von den Fanszenen Deutschland. Darüber hinaus stehen personalisierte Eintrittskarten, KI-gestützte Überwachungssysteme und Gesichtsscanner zur Debatte.

Seit Bekanntwerden der geplanten Maßnahmen solidarisieren sich die Fanszenen in Deutschland gegen die Pläne und haben am vergangenen Wochenende in Leipzig mit rund 12.000 Menschen dagegen demonstriert. Dabei marschierten auch verfeindete Szenen die wie von Dynamo Dresden und von Hansa Rostock Seite an Seite. „Es geht nur gemeinsam! Wir Fans haben letztes Wochenende über Rivalitäten, Farben und Ansichten hinweg eine starke Einheit gebildet und unsere Haltung zum Ausdruck gebracht. Nun seid ihr an der Reihe“.
Fanszenen Deutschland: Maßnahmen zerstören Fankultur
Mit dem Protest an diesem Wochenende wollen die Fans das nächste Zeichen setzen - in den Stadion. „Wir fordern die Vereine auf, sich diesen Plänen mit allen zur Verfügung stehenden Ressourcen und Möglichkeiten zur Wehr zu setzen“, heißt es in einem Statement. „Die Äußerungen der IMK und die geplanten Änderungen zerstören nicht nur freie Fankultur, sondern greifen auch massiv und unbegründet in die Vereinsstrukturen ein. Die jahrelange gute Arbeit der Vereine und ihrer Partner wird ohne tatsächlichen Anlass mit Füßen getreten, das Erlebnis Stadionbesuch durch Unwahrheiten und egoistische Politiker massiv in seinem Ruf geschädigt.“





