Eigentlich sind die Anhänger von Borussia Dortmund und Schalke 04 besonders für ihren stimmungsvollen Support bekannt. Nun schwiegen sie. Zwölf Minuten lang. Stehen sich die beiden Fanlager doch sonst in größter Rivalität gegenüber, verband sie am Samstag der Protest: Die Schalker legten vor. Beim Auswärtsspiel in Münster war schon vor dem Anpfiff ein Banner zu sehen: „Fans und Verein gemeinsam für freie Fankultur.“

Zweieinhalb Stunden später beteiligten sich die Fans des Schalker Erzrivalen Borussia Dortmund am Protest. Auch im Signal Iduna Park, wo der BVB am Samstagnachmittag den VfB Stuttgart empfing, wurde von 15.30 Uhr an 12 Minuten lang schwiegen. Im Vorfeld waren schon Flyer verteilt worden und sogar beim sonst stimmungsvollen „Heja BVB“ schwiegen die schwarz-gelben Anhänger. Doch was war der Anlass?
Vor dem WM-Qualifikationsspiel von Deutschland gegen die Slowakei gab es schon eine Fan-Demonstration, wo Anhänger aus ganz Deutschland vertreten waren. Rund 20.000 Teilnehmer soll die Demo gehabt haben. Worum ging es: Die Fans protestieren gegen Pläne der Politik in den deutschen Stadien. Die Maßnahmen, die das Innenministerium vorgestellt hat, gelten aus Fansicht als „überzogen und einseitig“.

BVB will sich am Stimmungsboykott beteiligen
Zentral verfügte Stadionverbote, das Personalisieren der Eintrittskarten und eins aus Sicht der Anhänger flächendeckende Überwachung sei eindeutig zu viel, finden die deutschen Fußballfans. „Es geht um repressive Maßnahmen, die dem Fußballfan und der -kultur gegenüberstehen“, sagte ein Ultra von Hertha BSC rbb24. „Sollten diese Maßnahmen durchgesetzt werden, dann steht der freien Fankultur ziemlich viel im Weg; dann werden sich die Stadien in Zukunft nicht mehr so lebendig, bunt und lautstark darstellen können.“
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Und daher wollen die Fans offenbar ein Zeichen setzen. In vielen Stadien wird in den ersten zwölf Minuten auf Support verzichtet. Zum Beispiel in Köln, wo die FC-Fans sich gegen Frankfurt an dem Boykott beteiligen. Auch der BVB wird sich beteiligen, wenn am Samstag (15:30 Uhr) das Topspiel gegen den VfB Stuttgart angepfiffen wird.

Die Fanszenen Deutschlands haben in einem gemeinsamen Schreiben erklärt: „Letztes Wochenende noch mit wehenden Fahnen und Gesängen in der Leipziger Innenstadt, heute ohne Material und ohne Support in den Kurven. Wir werden die ersten 12 Spielminuten schweigend verbringen! Größer kann der Kontrast zwischen gelebter Fankultur und schweigenden Zuschauerrängen nicht sein. Noch ist es ein dystopisches Szenario, setzt die Innenministerkonferenz ihre Pläne am 3. bis 5. Dezember in Bremen um, wäre eben dieses Szenario vielleicht schon am ersten Dezemberwochenende die neue Wirklichkeit.“

Die Fanszenen fordern die Vereine auf, sich gegen diese Pläne zu wehren, sollte die freie Fankultur nicht zerstört werden. In dem Schreiben positionieren sich die Fanszenen Deutschlands eindeutig: „Die Äußerungen der IMK und die geplanten Änderungen zerstören nicht nur freie Fankultur, sondern greifen auch massiv und unbegründet in die Vereinsstrukturen ein. Die jahrelange gute Arbeit der Vereine und ihrer Partner wird ohne tatsächlichen Anlass mit Füßen getreten, das Erlebnis Stadionbesuch durch Unwahrheiten und egoistische Politiker massiv in seinem Ruf geschädigt.“ (RS)




