von Helmut „Happo“ Tautges

Wer dreimal lügt, dem glaubt man nicht. Wer dreimal siegt, dem traut man alles zu. Ohne mir selbst was in die Tasche zu lügen, Glück gehörte dazu, doch jeder der neun Punkte wurde verdient geholt. Rot-Weiss Essen war nicht unbedingt der Tüchtigere, eher jeweils das etwas bessere Team, wenn auch keineswegs über die gesamte Spieldauer hinweg. So weit und gefestigt ist die Mannschaft nicht und wird es in dieser Saison allen Anschein zumindest kaum noch werden. Wetten würde ich darauf allerdings nicht abschließen.

RWE-Fan Helmut Tautges ist wieder Präsident der Uralt-Ultras.
RWE-Fan Helmut Tautges ist wieder Präsident der Uralt-Ultras.© FUNKE Foto Services | Socrates Tassos

Ende Februar befand sich RWE im Sinkflug. Der Aufstiegszug drohte frühzeitig abzufahren. Doch dann stellte Coach Uwe Koschinat die Weichen auf mehr Offensive, auf mehr Power und seitdem befinden sich die Rot-Weissen wieder in der Erfolgsspur. Der Monat März könnte so eine Art goldener Oktober für RWE werden. Während Siege gegen Ulm oder Schweinfurt bei vielen Fans kaum Begeisterungsstürme auslösten, sorgten die Auftritte gegen Mannheim, Hoffenheim U23 sowie gegen Aue für Zuversicht und Optimismus unter der Anhängerschar. Koschinats Schützlinge agierten mehr anstatt zu reagieren und sorgten zeitweise für Spektakel auf dem grünen Rasen.

Rot-Weiss Essen muss Marek Janssen unbedingt halten

Torben Müsel mit seinem Hackentor im Stile von Nick Woltemade. Jannik Hoffmann mit einem Erwin Koen-Gedächtnis-Hammertreffer. Und Marek Janssen? Sein 13. Saisontreffer erinnerte an Deniz Undav in Bestform. Leer aus geht der in Leer geborene Sturmtank in den letzten Wochen selten vom Platz. Derzeit ist Essens Nummer 20 kaum zu halten. Hoffentlich halten sie ihn über die Saison hinaus an der Hafenstraße. Verträge sind oft das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben wurden.

Rot-Weiss Essen - SV Waldhof Mannheim 07
Torjäger und Publikumsliebling: Marek Janssen hat die Herzen der Fans von Rot-Weiss Essen erobert.© FFS | Tillmann

Im Idealfall geht der Lange bald für den frischgebackenen Zweitligisten Rot-Weiss Essen auf Torejagd. Vor knapp drei Wochen hätte ich sowas niemals schreiben können. Meine Gefühlswelt verläuft halt ähnlich wellenförmig wie die Leistungen der Mannschaft. Es tut einfach gut, mal nicht einen auf Motzki Mabuse zu machen. Meine Zuversicht ist zurück. Ich gehe zwar nicht so weit und bezeichne das Vorstandsduo Marc-Nicolai Pfeifer und Alexander Rang als die „Ehrlich-Brothers“, traue ihnen allerdings zu, die Verhandlungen mit der GVE zum Stadionausbau erfolgreich zum Abschluss zu führen.

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An dieser Stelle möchte ich der ehemaligen, langjährigen Mitarbeiterin Claudia Gerig ein dickes Danke für ihren hervorragenden Einsatz bei Rot-Weiss Essen ausrichten. Vom Ausstieg zurück zum Aufstieg, den ich übrigens nicht fordere, lediglich erhoffe. Aufstiege zu verpassen ist nicht so schlimm, wie Abstiege mitzuerleben.

Rot-Weiss Essen: Steegmann und Koschinat mit Kölner Vergangenheit

Sonntag (19:30 Uhr) reist der RWE-Tross zum Sportpark Höhenberg, der Heimat von Viktoria Köln. Für Trainer Uwe Koschinat und Direktor Profifußball Marcus Steegmann eine Reise in die Vergangenheit. Damals schätzten sie sich nicht so wie heute, schätze ich. 2013 fielen im Duell Fortuna gegen Viktoria deftige Worte. Einige Sprüche und Gesänge von Fußballfans taugen selten für Political Correctness. Kann man gut oder schlecht finden, ist aber kaum zu ändern. Obwohl die Viktoria aktuell ein kleines Tal durchschreitet, gegen RWE waren sie meist auf der Höhe. Trotzdem rechne ich mit weiteren drei Punkten für Rot-Weiss, gehen sie mit gleichem Elan, Offensivdrang und Selbstvertrauen in die Partie, wie zuletzt. Was wäre das für ein perfekter Monat!

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