Die letzte Drittliga-Saison endete für den VfL Osnabrück mit einem großen Knall. Am 30. Mai gaben die Niedersachen bekannt, dass Cheftrainer Marco Antwerpen und Co-Trainer Frank Döpper mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden wurden. Die Gründe dafür lagen nicht auf der Hand, denn unter Antwerpen spielte der VfL eine ähnlich starke Rückrunde wie Rot-Weiss Essen, der nächste Gegner am kommenden Mittwoch (19 Uhr, Stadion an der Hafenstraße). In der Rückrunden-Tabelle landeten die Osnabrücker auf einem starken vierten Platz, der Klassenerhalt wurde nach einer schwachen Hinrunde ohne große Probleme unter Dach und Fach gebracht.
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Konkrete Gründe für die Entlassung nannte der Verein bei der Veröffentlichung der Nachricht nicht, inzwischen ist aber klar, was dazu geführt hat. Ursächlich für den Rauswurf war in erster Linie ein Eklat, der den Verein auch Monate danach beschäftigt. Antwerpen und Döpper sollen im Vorfeld des Verbandspokal-Endspiels am 24. Mai zwischen Osnabrück und dem TuS Blau-Weiß Lohne versucht hatten, einen von Osnabrück an Lohne verliehenen Spieler davon abzuhalten, in dem Spiel aufzulaufen. Einer DFB-Mitteilung zufolge hätte das Trainerduo ein weiteres Staffmitglied aufgefordert, mit dem Spieler in Kontakt zu treten und ihm zu vermitteln, dass es mit Blick auf dessen Rückkehr nach Osnabrück besser sei, wenn er nicht spiele.
Rot-Weiss Essen: Beim VfL Osnabrück ging es drunter und drüber
Das DFB-Sportgericht sah dies als erwiesen an. Antwerpen ist wegen versuchter Spielmanipulation für zwölf Monate gesperrt worden. Das entschied das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach einer mündlichen Verhandlung Ende August. Der 53-Jährige, der bis zur Sommerpause den Drittligisten betreute, darf ein Jahr lang nicht als Trainer arbeiten, sein früherer Assistent Frank Döpper wurde für drei Monate gesperrt.

„Das Gericht hält den Hauptbelastungszeugen für glaubwürdig und seine Aussagen für glaubhaft“, sagte Stephan Oberholz, Vorsitzender des DFB-Sportgerichts: „Bei der Strafzumessung hatten wir das Ausmaß der individuellen Schuld zu berücksichtigen, hier gehen wir davon aus, dass die Vorgänge maßgeblich von Herrn Antwerpen initiiert wurden.“

Damit war die Angelegenheit für den VfL Osnabrück nicht abgehakt. Antwerpens Anwalt Horst Kletke, Experte für Fußball-Arbeitsrecht, kündigte nach der Urteilsverkündung an, in Berufung gehen zu wollen. Auch VfL-Geschäftsführer Michael Welling, der langjährige RWE-Vorsitzende, geriet zwischenzeitlich in die Schlagzeilen. Grund dafür ist ein dubioser WhatsApp-Verlauf zwischen Welling und Antwerpen, der öffentlich wurde.
Auch Ex-RWE-Boss Michael Welling geriet ins Visier
Vor dem Pokalspiel fragte der damalige VfL-Trainer Antwerpen seinen Chef Welling: „Haben wir die Möglichkeit, den Einsatz von Theo und Bernd zu verhindern?“ Darauf antwortete Welling: „Verhindern nicht vertraglich, aber wir senden schon ein paar Signale, dass die ja nächste Saison erste Runde gegen Bayern an der Brücke spielen wollen.“
Konsequenzen wird das für Welling nicht haben. Gegenüber der Bild teilte der DFB mit: „Nach dem derzeitigen Sachstand bestehen keine ausreichenden Anhaltspunkte für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Herrn Welling. Die zuständigen Gremien des DFB beobachten die Entwicklungen und prüfen Hinweise fortlaufend. Sollte sich ein neuer Sachstand ergeben, wird dieser entsprechend bewertet.“

Rot-Weiss Essen: Kai Pröger kehrt mit Osnabrück zurück
Trotz dieses Skandals, der den Klub seit Monaten intensiv beschäftigt, ist es dem VfL Osnabrück gelungen, einen ordentlichen Saisonstart hinzulegen. Nach dem 0:0 am Sonntag gegen Hansa Rostock haben die Lila-Weißen acht Punkte nach fünf Spielen auf dem Konto, so viele wie RWE. Zuletzt gab es sieben Punkte aus drei Partien. Im Zuge eines personellen Umbruchs wurden Akteure mit reichlich Drittliga-Erfahrung verpflichtet. Zu den namhaftesten Transfers zählen Kevin Schumacher (Hansa Rostock), Kai Pröger (SSV Jahn Regensburg), Patrick Kammerbauer (SC Verl) und Robin Meißner (Dynamo Dresden).
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Unter Antwerpen-Nachfolger Timo Schultz, dem ehemaligen Trainer des 1. FC Köln, ist die Mannschaft defensiv sehr stabil. Die drei einzigen Gegentor kassierte der VfL bei der einzigen Niederlage beim TSV 1860 München (1:3), in den vier anderen Spielen blieben die Osnabrücker ohne ein Gegentor. Das wird eine Herausforderung für die bisher starke RWE-Offensive (elf Tore). Den großen Knall in diesem Sommer hat der VfL Osnabrück rein sportlich bisher gut verkraftet.



