Das nötige Quäntchen Glück, um als Drittligist einen Bundesligisten und Champions-League-Teilnehmer bezwingen zu können, war am Montagabend nicht auf Seiten von Außenseiter Rot-Weiss Essen. Trotz einer starken Leistung verlor RWE in der ersten Runde des DFB-Pokals mit 0:1 (0:0) gegen Borussia Dortmund, Stürmer-Star Serhou Guirassy zerstörte mit einem genialen Tor in der 79. Minute die Essener Hoffnung auf eine Sensation.
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Sechs Minuten nach dem Treffer der Dortmunder hatte RWE noch die Möglichkeit, zum Ausgleich zu kommen, doch Schiedsrichter Frank Willenborg verwehrte den Hausherren einen möglichen Foulelfmeter. Nach einer scharfen Hereingabe von Jonas Hofmann ging der eingewechselte Essener Stürmer Dominik Martinovic am zweiten Pfosten mit dem Kopf zum Ball und wurde bei der Aktion von Dortmunds Verteidiger Filippo Mané mit dem Fuß getroffen. Der Pfiff blieb jedoch aus, einige Essener Spieler protestierten, Tom Moustier rannte zum Schiedsrichter und zeigte an, dass es einen Kopftreffer gegeben habe.
Ex-Schiedsrichter Rafati sieht elfmeterwürdiges Foul an RWE-Angreifer Martionvic
Doch die Pfeife des Unparteiischen blieb stumm - eine Fehleinschätzung in den Augen des früheren Top-Schiedsrichters Babak Rafati. „Nach einer Flanke in den Strafraum geht Martinovic mit dem Kopf zum Ball und spielt diesen auch. Mane will diesen Kopfball verhindern, kommt aber einen Moment zu spät und trifft deshalb nicht mehr den Ball, sondern vielmehr Martinovic mit einem etwas hohen Bein ins Gesicht, wenn auch womöglich nur leicht. Das Nicht-Ballspielen von Mane kann man gut daran erkennen, dass sich die Flugbahn des Balles nach dem Kopfball des Angreifers nicht verändert“, analysierte er bei „liga3online.de“.

Weiter argumentierte Rafati: „Die Frage danach, ob der Kopf von Martinovic zu tief ist und womöglich ein Vergehen des Angreifers vorliegt, kann man verneinen. Somit eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben. Am Ende entscheidet die Schwere des Vergehens, ob man einen Elfmeter geben kann oder nicht. Hier wird es auch Meinungen geben, diesen nicht zu geben. Für mich ist ausschlaggebend, dass der Verteidiger das Risiko eingeht und der Treffer zustande kommt, zudem das Fallmuster typisch für einen Treffer ist. Deshalb ist das ist für mich ein Foulspiel.“
Rot-Weiss Essen: Koschinat mit fairer Analyse zu Elfmeter-Szene
RWE-Trainer Uwe Koschinat hatte sich unmittelbar nach der Partie für sein Urteil viel Zeit genommen. Im Interview bei „Sky“ mit Reporter Patrick Wasserziehr durfte sich der 53-Jährige die Szene im Video anschauen und ließ seinen Interview-Partner sowie die TV-Zuschauer lange warten. Auf erneute Nachfrage von Wasserziehr sagte Koschinat zunächst vielsagend: „Spannendes Trefferbild.“ Ob es aus seiner Sicht ein Elfmeter war, wollte der erfahrene Sky-Reporter dann wissen. „Es ist müßig. Ja“, antwortete Koschinat.

Der Video-Schiedsrichter konnte seiner Mannschaft an diesem Abend nicht helfen, denn in den ersten beiden Pokalrunden verzichtet der DFB auf den VAR. Damit kann Koschinat gut leben, auch wenn RWE in dieser Szene möglicherweise benachteiligt wurde. „Ich bin ein unfassbarer Verfechter des Fußballs ohne VAR, ich finde das furchtbar. Ich lebe dann lieber mit einer solchen Situation. Der Schiedsrichter hat sich in der Szene dagegen entschieden, weil er wahrscheinlich ähnlich wie ich zunächst gedacht hat, das reicht irgendwie nicht.“

RWE-Trainer Uwe Koschinat: „Foul ist Foul“
Doch Koschinat kam schließlich zur Erkenntnis, dass seine Mannschaft benachteiligt wurde. „Foul ist Foul, in dem Fall ist der Körper getroffen worden. Unser Spieler war früher am Ball, auch wenn der Ball nicht Richtung Tor geht. Trotzdem, da bin ich ehrlich, es war so eine Dynamik in der Aktion. Ich kann damit leben, da jetzt nicht Elfmeter zu pfeifen. Das ist aus Schiedsrichter-Sicht korrekt, wenn man sich die Bilder nicht nochmal anschauen kann.“
Diese Analyse nötige Sky-Reporter Wasserziehr Respekt ab. „Das ist eine faire Einschätzung“, sagte dieser zum Ende des Interviews.


