Es sollte ein angenehmes Wochenende werden für die Profis von Fußball-Drittligist Rot-Weiss Essen. Ein Freitagabend-Spiel ohne anschließende Englische Woche eröffnet auch Fußballprofis die Möglichkeit, den einen oder anderen ausgelassenen Abend zu verbringen. Nach Feiern war den RWE-Spielern im Anschluss an die Partie beim SC Verl aber nicht zumute. Die Essener kassierten eine deftige 0:3 (0:2)-Pleite und rutschen wieder tiefer in den Tabellenkeller der 3. Liga.
+++ RWE-Pleite in Verl: Sexistische Beleidigungen gegen Schiedsrichterin +++
Rot-Weiss Essen machte das schlechteste Spiel seit dem 0:2 zum Rückrundenauftakt in Aachen. Die ballsicheren Ostwestfalen zeigten dem Revierklub vor allem im ersten Durchgang die Grenzen auf. Der Doppelpack von Berkan Taz (24., 35.) brachte die Vorentscheidung in einer über weite Strecken einseitigen Begegnung an der Poststraße.
Rot-Weiss Essen: Tobias Kraulich stinksauer
Zu viele RWE-Akteure enttäuschten in diesem so wichtigen Spiel in Verl, das brachte RWE-Verteidiger Tobias Kraulich mächtig auf die Palme. „Was einige Spieler heute auf den Platz gebracht haben, ich muss es so direkt ansprechen, sie waren nicht online. Das muss ich ganz offen so gestehen. Ich werde natürlich keine Namen nennen, aber als Mannschaft können wir das auswärts so nicht angehen in Verl.“
Der 25-Jährige, der als einer von wenigen RWE-Spielern Normalform erreichte, regte sich vor allem über das zweite Gegentor auf, als die Gastgeber eine kurze Ecke so ausspielen konnten, dass Taz aus zentraler Position ohne Gegenwehr schießen konnte. Ramien Safi, Ahmet Arslan und Dominik Martinovic sahen in dieser Szene nicht gut aus. „Wir wussten, dass sie die Standardsituationen genau so ausspielen“, sagte Kraulich. „Das haben wir die ganze Woche angesprochen. Dann ist es umso ärgerlicher, dass dann genau so ein Tor entsteht.“
SC Verl dominiert Rot-Weiss Essen
Im ersten Durchgang hatten die Gastgeber über 70 Prozent Ballbesitz. Die Führung für die Schwarz-Weißen war wegen eines Stellungsfehlers von Schiedsrichterin Fabienne Michel zwar umstritten, aufgrund der Überlegenheit des Sportclubs aber hochverdient. Kraulich fand für den Essener Auftritt sehr deutliche Worte. „So wie wir die erste Halbzeit angegangen sind, kann man ein Spiel in Verl nicht angehen. Man braucht körperliche Härte, ein anderes Zweikampfverhalten, weil sie dich dann herspielen. Dann hat man, so hart das auch klingt, in Verl keine Chance.“

Der RWE-Angstgegner spielte nah an der Perfektion, das wollte Kraulich aber nicht als Ausrede stehen lassen. Der 25-Jährige bemerkte, dass seine Mannschaft in der 73. Minute den ersten Torschuss abgegeben hat. Vorne erschreckend harmlos und im Spiel gegen den Ball unaufmerksam, eine toxische Mischung gegen einen starken Gegner. „Es ist kein Angriff auf einzelne Spieler, ich nehme mich immer selbst mit in die Verlosung, aber man muss bei so einem Spiel am Freitagabend 90 Minuten online sein“, stellte Kraulich fest.
Sein ernüchterndes Fazit: „Man hatte das Gefühl, dass wir in der ersten Halbzeit hilflos auf dem Platz waren. Verl hat die ersten und zweiten Bälle gewonnen. Dazu kommt, dass bei Verl viel geklappt hat. Das haben uns auch die Spieler gesagt. Aber uns haben einige Prozente gefehlt.“
Rot-Weiss Essen muss wieder zittern
Nach einem fulminanten Lauf ist Rot-Weiss Essen wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt. Aus den letzten drei Spielen wurde nur ein Punkt geholt. Der Blick geht acht Spieltage vor dem Saisonende nach unten. Zumindest was das betrifft, fand Kraulich an diesem frustrierenden Freitagabend im beschaulichen Ostwestfalen einige versöhnliche Worte: „Wir hatten eine unfassbare Serie. Es ist auch mal ok, dass wir eine aufs Maul bekommen.“
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