Fußball-Drittligist Rot-Weiss Essen meldet sich zurück im akuten Abstiegskampf: Am Freitagabend kassierte das Team von Trainer Uwe Koschinat eine bittere 0:3 (0:2)-Niederlage beim Angstgegner SC Verl und muss nun mit bangem Blick zuschauen, was die Konkurrenten an diesem Wochenende machen. Keine Frage, die Zone der gefährdeten Mannschaften wird nach diesem Wochenende noch enger zusammen gerückt sein. Und mittendrin: die Rot-Weissen aus Essen. „Wir haben heute ein sehr einseitiges Spiel gesehen. Wir waren in allen Zweikämpfen unterlegen, worauf wir keine Antwort gefunden haben. Es tut sehr weh - aber es war verdient“, analysierte Koschinat nach Spielende.
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Der Gästetrainer hatte sich tierisch auf die Partie im kleinen Schmuckkästchen Verl gefreut und konnte auch all seine „Sorgenkinder“ präsentieren: Tom Moustier, Matti Wagner und Ahmet Arslan schafften es rechtzeitig in die Startelf, während Lucas Brumme (Adduktoren) immerhin auf der Bank Platz nehmen konnte. Aber der RWE-Coach hatte auch vor dem überragenden Teamgeist der Gastgeber gewarnt - und die erste Halbzeit war ein Musterbeispiel dafür.

Traumwandlerisch sicher lief der Ball durch die Verler Reihen, die Essener kamen minutenlang nicht an den Ball, die Platzherren wirkten geistig frischer und hatten im Aufbauspiel gefühlt immer zwei Mann frei stehen. Ballbesitz-Fußball par excellence, das mussten alle im Stadion neidlos anerkennen. Und der Erfolg bei diesen Spielanteilen ließ auch nicht auf sich warten. Schon nach zwei Minuten zog Timur Gayret aus 22 Metern einfach mal ab, RWE-Keeper Jakob Golz lenkte die Kugel mit Mühe über die Latte.
Rot-Weiss Essen: Die ersten 45 Minuten fanden nur in der RWE-Hälfte statt
Das Geschehen in den ersten 45 Minuten spielte sich fast ausschließlich in der Essener Hälfte ab. Und nach 24 Minuten trug die einseitige Partie erste Früchte: Der brandgefährliche Berkan Taz dribbelte sich kurz vor dem Strafraum gegen drei Gegenspieler durch, wobei Schiedsrichterin Fabienne Michel dem Essener Klaus Gjasula auch noch unglücklich im Wege stand, trockener Flachschuss aus 16 Metern - und Golz hatte das erste Mal keine Abwehrchance: 1:0. Draußen protestierte das Essener Trainerteam heftig, auf dem Platz beschwerte sich Gjasula, der daraufhin die Gelbe Karte sah und gegen Rostock zuschauen wird.
Mit ein wenig Wut im Bauch wurden die Gäste nun im Spiel nach vorne etwas entschlossener, ohne dabei die nötige Torgefahr auszustrahlen. Von den außen kam auch zu wenig Unterstützung: Julian Eitschberger wirkte nach der Länderspielreise ein wenig müde, auf der anderen Seite kommt Wagner lange nicht an die Offensivkraft eines Lucas Brumme heran. So waren die Rot-Weissen in erster Linie darum bemüht, nicht noch weiter in Rückstand zu geraten, was nur bis zur 35. Minute gelang: Ecke von Gayret, wieder kam Taz kurz vor der Strafraumgrenze an den Ball, das Duo Schultz/Kraulich spielte beim Schuss Flipper - und schon stand es 2:0 für den SC. Hochverdient, konnte man zur Halbzeit nur attestieren.
RWE-Trainer Koschinat stellte auf Viererkette um
Trainer Koschinat musste was ändern - und er tat es: Nach dem Wechsel stellte er auf Viererkette um, holte Kapitän Michael Schultz vom Platz und auch den gelb vorbelasteten Gjasula, für die beiden sollten Torben Müsel und Kaito Mizuta mehr Offensivqualität entwickeln. Anfangs zeigten die Änderungen auch Wirkung: Mit dem Japaner kam mehr Unruhe in die Verler Abwehrreihe, nur im Zusammenspiel mit Martinovic lief nicht allzu viel zusammen, der letzte Pass saß einfach nicht in die Spitze. Als Martinovic im Strafraum dann durchsetzte, erkannte die Schiedsrichterin auf gefährliches Spiel (54.). Und als Arslan erst mit einem Freistoß aus 28 Metern versuchte, ging der Ball weit drüber (60.).
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Die Verler hatten nicht mehr den Offensivdrang wie in der ersten Halbzeit, verlegten sich jetzt ganz auf gefährliche Konter. Mit Erfolg: Gayret setzte sich auf dem linken Flügel ab, sein als Flanke gedachter Ball wurde lang und länger und schlug unhaltbar für Golz im rechten Winkel ein: 3:0 - die Messer war gelesen (66.). Koschinat brachte für die letzte Viertelstunde mit Doumbouya und Owusu zwar noch einmal frische Kräfte im Angriff - aber hier war an diesem Abend nichts mehr zu retten.
SC Verl gegen Rot-Weiss Essen: Die Statistik
RWE: Golz, Wagner, Kraulich, Rios Alonso, Schultz (46. Müsel), Eitschberger, Gjasula (46. Mizuta), Moustier, Arslan (86. Kaparos), Safi (71. Owusu), Martinovic (71. Doumbouya).
Tore: 1:0 Taz (24.), 2:0 Taz (35.), 3:0 Gayret (66.).
Zuschauer: 4.449
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