Er hätte seinem Team am Sonntag wohl am liebsten minutenlang applaudiert, so begeistert war Rolf Albus, Trainer der Oberliga-Handballerinnen vom ETSV Witten, vom fulminanten Auftritt gegen die PSV Recklinghausen II. Nach einer größtenteils sehr einseitigen Partie stand mit einem 44:26 (27:11) der höchste Saisonsieg der „Eisenbahnerinnen“ zu Buche.
Man hätte sich verwundert die Augen reiben können beim Blick auf die Anzeigetafel beim Pausenpfiff. 27 Tore für den ETSV? Das reicht normalerweise für eine gesamte Partie. Doch am Sonntagnachmittag rollte der ETSV-Express schon im ersten Durchgang nahezu pausenlos und ungebremst Richtung Tor der Gäste aus der Festspielstadt, die das Hinspiel noch mit 25:21 für sich entschieden hatten. Damals allerdings massiv unterstützt vom Drittliga-Kader der PSV.
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Anne Schumacher mit elf Toren beste Schützin des ETSV Witten
„Das war schon ziemlich beeindruckend“, fasste sich Rolf Albus nach dem Schlusspfiff erst ganz kurz und war merklich verzückt über die handballerische Demonstration der Seinen. Die haben inzwischen 15:1-Punkte am Stück eingesammelt und scheinen derzeit überhaupt nicht zu stoppen zu sein.
Mit Tabellennachbar PSV Recklinghausen II jedenfalls hatten die Wittenerinnen keinerlei Probleme. Nach zehn Minuten hieß es schon 10:4 in der Kreissporthalle. Dass dort die Sitztribüne defekt war, sich nicht ausziehen ließ und die Zuschauenden somit kein wirklich komfortables Oberliga-Erlebnis hatten, ärgerte die Gastgeberinnen letztlich nur am Rande. Stattdessen berauschte sich der ETSV am eigenen Spiel, das schon beim 20:8 nach 22 Minuten auf einen Kantersieg hindeutete.
In der zweiten Halbzeit habe ich wegen der deutlichen Führung kräftig durchgewechselt. Da sind dann ein paar verrückte Konstellationen auf dem Feld entstanden.
Rolf Albus,, Trainer des ETSV Witten
„Meine Mannschaft ist mittlerweile vom Kopf her total gefestigt“, so die Analyse von Trainer Rolf Albus. Und in Sachen Fitness stellt der ETSV Witten momentan ohnehin fast jeden Gegner in den Schatten. Offensiv glänzten vor allem Anne Schumacher (elf Tore) und Alisa Knobel (7), in der Defensive schuftete gerade Josefine Michels wieder für zwei, dahinter parierte Torfrau Sarah Richter einige schwierige Würfe. Insofern war schon zur Pause die Messe längst gelesen, die Albus-Sieben konnte einen bis zwei Gänge zurückschalten.
Wichtiger aber noch für den Oberligisten: „Wir konnten dank der deutlichen Führung perfekt auf das Comeback von Benita Brendle hinarbeiten“, freute sich Albus darüber, dass er in Abschnitt zwei nach langer Pause seine so arg vermisste Außenspielerin wieder einbauen konnte. „Am 10. März letzten Jahres habe ich mich im Spiel verletzt“, erinnerte sich Brendle an den Moment zurück, wo sie ein Kreuzbandriss so übel erwischte. Seit ein paar Wochen aber ist sie wieder im Training und durfte am Sonntag erstmals wieder aufs Feld. Und das gleich mal eindrucksvoll: Einen Treffer von Julia Pieper bereitete sie wunderschön bei Rückhandpass vor, wenig später durfte sie den Siebenmeter zum 40:24 (57.) verwandeln. Es hätte kaum einen perfekteren Abschluss für dieses irre Torspektakel in der Kreissporthalle geben können.

Im März warten die Duelle mit den beiden besten Teams der Oberliga
Der ETSV Witten, bei dem der Trainer in Abschnitt zwei kräftig rotieren ließ und so „ein paar verrückte personelle Konstellationen“ auf dem Feld ermöglichte, hat sich durch den Triumph auf Platz vier vorgeschoben. Im März warten die schwierigen Aufgaben in Schwerte-Westhofen (6.), gegen Coesfeld (1.) und in Oespel-Kley (2.) - gar nicht so abwegig, dass das Albus-Team auch dort seine Serie ausbaut.
ETSV: Peter, Richter; Hausmann (1), Brendle (1/1), Reibold (2), Prior, Knobel (7), Schumacher (11/4), Lünemann (5), Hankewitz (6), Müller (3), Pieper (6), Michels (2).
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