Für die Red Lions ist es ein Abschied mit tiefem sportlichen Einschnitt. „Doch es ist aktuell der richtige Zeitpunkt“, sagt André Laukmann. Der Sportkegler verlässt Heiligenhaus – er geht als Deutscher Meister.
Die genauen Hintergründe möchte der 38-Jährige bewusst privat halten: „Ich kann aber so viel sagen, dass ich nicht gehe, weil es mir dort keinen Spaß mehr gemacht hat oder es Streitigkeiten gab.“ Daher sei ihm die Entscheidung auch alles andere als leicht gefallen. Er habe lange darüber nachgedacht und sie spät getroffen: „Der SK Heiligenhaus war die erfolgreichste Zeit in meiner sportlichen Laufbahn und ich bedanke mich bei allen Beteiligten.“
Kegeln: Abschied von Topspieler aus Heiligenhaus wirkt sportlich und menschlich schwer
Seit seinem Wechsel nach Heiligenhaus im Jahr 2018 prägte Laukmann die Entwicklung der Red Lions entscheidend mit. Mit ihm gewann der Verein mehrere Deutsche Meisterschaften und entwickelte sich zu einer festen Größe im deutschen Sportkegeln. Dabei war der Weltmeister nicht nur wegen seiner Ergebnisse ein außergewöhnlicher Spieler, sondern auch wegen seiner Bedeutung für die Mannschaft.

Wenn Laukmann auf diese sieben Jahre zurückblickt, denkt er vor allem an besondere Momente. Unvergessen bleibt für ihn der World Cup 2025 in Brasilien. „Auch wenn wir nicht gewonnen haben, war der zweite Platz ein großer Erfolg.“ Noch emotionaler sei allerdings der erste deutsche Meistertitel der Vereinsgeschichte im Jahr 2022 gewesen. „Die Halle war damals komplett voll. Das war ein sehr schöner und emotionaler Tag, an dem der ganze Verein für die viele Arbeit belohnt wurde.“
Genau deshalb wiegt sein Abschied für die Red Lions schwerer als der Verlust eines Spitzenspielers. „Es ist natürlich ein riesiger sportlicher Verlust. André dominiert seit Jahren die Bundesliga“, sagt Mannschaftskapitän Marcel Grote. Über Jahre habe Laukmann mit seinen Leistungen Maßstäbe gesetzt und zu den konstantesten Spielern der Liga gehört. Für seine Mitspieler sei er aber nicht nur wegen seiner Ergebnisse wichtig gewesen. „André war das Zugpferd des Vereins“, sagt Grote.
Kegeln in Heiligenhaus: Nachwuchs steht beim Bundesligisten Red Lions bereit
Laukmann identifiziere sich vollständig mit dem Kegelsport, sei in Heiligenhaus immer vorangegangen und habe dort seinen Perfektionismus vorgelebt. Gerade die jüngeren Spieler hätten von seiner Einstellung und seiner Erfahrung profitiert. „Einen Spieler wie André kann man nicht einfach ersetzen. Das geht tatsächlich nur über das Kollektiv“, erklärt Grote.

Statt auf einen direkten Laukmann-Nachfolger setzen die Heiligenhauser Sportkegler jetzt auf die eigene Entwicklung. Mit den beiden 18-jährigen Vincent Muschalik und Fynn Dellmann stehen zwei Talente bereit, die nun früher als erwartet Bundesliga-Erfahrung sammeln könnten.
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Für Grote sei der Abschied des Weltmeisters deshalb auch eine Herausforderung mit einer positiven Seite: Die nächste Generation bekommt die Chance, Verantwortung zu übernehmen. Die sportlichen Ziele werden dennoch leicht angepasst. Während in den vergangenen Jahren der Meistertitel stets das erklärte Ziel gewesen sei, rückt nun zunächst die Qualifikation für die Meisterrunde in den Mittelpunkt.
Zukunft des SK: Ex-Topspieler André Laukmann ist vom neuen Kader der Heiligenhauser überzeugt
„Wir wollen unter die ersten Vier kommen, damit wir die Play-offs erreichen“, sagt Grote. Von einem Absturz nach dem Abgang seines Leistungsträgers will der Kapitän aber nichts wissen. Mit Marcel Schneimann, Robin Holler und weiteren Leistungsträgern verfüge die Mannschaft weiterhin über eine starke Achse. „Uns muss da jetzt nicht bange werden.“
Auch Laukmann selbst glaubt nicht, dass mit seinem Abschied die Erfolgsgeschichte der Red Lions endet. „Heiligenhaus hat weiterhin einen guten Kader“, so der 20-fache Kegelweltmeister. Hinter der Bundesligamannschaft stehe mit dem Zweitliga-Team auch ein starker Unterbau, aus dem weitere Spieler nachrücken könnten.

Seine Prognose für die Zukunft ist deshalb klar: „Ich denke schon, dass die Jungs auch ohne mich in die Meisterrunde kommen und um die Deutsche Meisterschaft mitspielen werden.“ Wer seine Rolle künftig übernehmen soll, beantwortet Laukmann nicht mit einem einzelnen Namen. Auch für ihn sei die gesamte Mannschaft gefragt. „Die Jungs sind alle im besten Kegelalter und talentiert. Wenn jeder noch ein paar Prozent mehr auf die Bahn bekommt, wird die Mannschaft meinen Weggang gut kompensieren können.“


