So etwas gab es noch nie. Die Schiedsrichter des Kreises Wuppertal/Niederberg streiken am Wochenende vom 10. bis zum 12. April geschlossen. Dies gab der Kreisschiedsrichterausschuss bekannt. Sämtliche Männer-Spiele in den Kreisligen A, B und C werden bestreikt. „Für die genannten Wettbewerbe werden in diesem Zeitraum alle Schiedsrichter abgesetzt. Der reguläre Spielbetrieb in diesen Ligen ist damit an diesem Wochenende faktisch ausgesetzt“, heißt es in der Stellungnahme des Kreisschiedsrichterausschusses. Konkret bedeutet dies, dass alle Spiele in der Kreisliga A abgesetzt werden. In der Kreisliga B und in der Kreisliga C ist es theoretisch möglich, dass die Klubs Privatpersonen pfeifen lassen.

Auslöser für die drastische Maßnahme sind die laut Aussage des Kreisschiedsrichterausschusses zunehmende Gewalt und anhaltende Feindseligkeiten gegen Schiedsrichter.

Fußball: Eskalation beim Spielabbruch mit Rot-Weiß Heiligenhaus sorgte für die Maßnahme des Kreisschiedsrichterausschusses

Zuletzt sorgten die Vorfälle bei der Partie des FC Rot-Weiß Heiligenhaus gegen die SSVg Velbert III am 29. März für Aufsehen. Das Spiel wurde knapp eine Viertelstunde vor Abpfiff abgebrochen. Zuvor wurde ein Schiedsrichter körperlich angegriffen.

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Der Kreissschiedsrichterausschuss spricht selbst davon, dass der Schiedsrichter bei der Partie von mehreren Personen gejagt und körperlich angegriffen wurde. „Der Unparteiische wurde dabei erheblich verletzt. Aus Sicht des Kreisschiedsrichterausschusses stellt das Ausmaß dieser Eskalation eine neue und bisher nicht gekannte Stufe der Gewalt gegen Schiedsrichter im Kreisgebiet dar. Dieser Vorfall reiht sich nicht als isolierte Entgleisung ein, sondern steht exemplarisch für eine Entwicklung, in der Hemmschwellen gegenüber Schiedsrichtern kontinuierlich sinken und verbale Aggressionen immer häufiger in körperliche Übergriffe umschlagen.“

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Der Vorfall sei kein Einzelfall. Zur Verdeutlichung nennt der Kreisschiedsrichterausschuss exemplarisch zusätzlich zu dem Vorfall in Heiligenhaus eine ausgesprochene Morddrohung gegen einen Schiedsrichter bei einem Spiel im Dezember 2024, eine Bedrohung sowie einen körperlichen Angriff auf einen Schiedsrichter-Beobachter im Februar 2025 und eine Bedrohung eines Schiedsrichters im November 2025, nachdem ihm zudem danach etwas ins Gesicht geworfen worden sei.

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Schiedsrichter des Kreises Wuppertal/Niederberg wollen ein klares Zeichen setzen

Nachdem das für den 1. April vorgesehene Spiel von Rot-Weiss Heiligenhaus gegen den TVD Velbert III vom Verband abgesetzt wurde, ist der Streik der Schiedsrichter nun die nächste deutliche Maßnahme.

Die Schiedsrichter akzeptieren die aktuellen Rahmenbedingungen und Umgangsformen nicht länger und verweigern daher geschlossen ihre Mitwirkung am Spielbetrieb in den Herren-Kreisligen an diesem Wochenende.

Aus der Stellungnahme des Kreisschiedsrichterausschusses.

In der Stellungnahme heißt es: „Mit diesem Streik setzen die ehrenamtlich tätigen Schiedsrichter im Kreis Wuppertal/Niederberg ein bewusst deutliches und unübersehbares Zeichen gegen die zunehmende Gewaltbereitschaft und die anhaltenden Feindseligkeiten sowie Respektlosigkeiten gegenüber Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern. Die Schiedsrichter akzeptieren die aktuellen Rahmenbedingungen und Umgangsformen nicht länger und verweigern daher geschlossen ihre Mitwirkung am Spielbetrieb in den Herren-Kreisligen an diesem Wochenende.“

Schiedsrichter stellen drei konkrete Forderungen

Konkret stellt der Kreisschiedsrichterausschuss Wuppertal/Niederberg gemeinsam mit den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern des Kreises drei Forderungen:

  • Deutliche und spürbare vereinsinterne Konsequenzen für Täterinnen und Täter (z.B. Vereinsausschlüsse, Hausverbote, klare Verhaltensregeln auf den Anlagen)
  • Stärkere Präventionsarbeit in den Vereinen, etwa durch Schulungen, Informationsveranstaltungen und die aktive Einbindung von Kreis Konfliktbeauftragten und Fußballverbandes Niederrhein.
  • Eine klare Haltung aller Funktionsträger in den Vereinen, dass Gewalt, Diskriminierung und Feindseligkeiten im Fußball keinen Platz haben – unabhängig von Spielklasse, Alter oder Wettbewerb.

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Gewalt- und Diskriminierungsvorfälle gegen Unparteiische seien seit Jahren ein ernstes Problem im deutschen Amateurfußball und würden auch in bundesweiten Lagebildern des DFB regelmäßig als alarmierender Trend dokumentiert. In der Stellungnahme heißt es: „Trotz verschiedener Präventionsinitiativen und Handlungsempfehlungen, unter anderem auch im Fußballverband Niederrhein, bleibt das Belastungsniveau für Schiedsrichter im Alltag vieler Spielklassen hoch. Auch im Kreis Wuppertal/Niederberg kommt es regelmäßig zu Anfeindungen, Beleidigungen und Respektlosigkeiten gegenüber unseren Unparteiischen. Leider werden die verbalen Entgleisungen auch durch tätliche Angriffe ergänzt.“

Schiedsrichter streiken für mehr Respekt und Gewaltfreiheit

Das Ziel des Streiks sei es, proaktiv die Augen zu öffnen, bevor es zu noch schlimmeren Eskalationen kommt. „Es darf nicht erst dann gehandelt werden, wenn der erste Schiedsrichter nach einem Angriff mit dem Krankenwagen vom Platz gefahren wird oder dauerhaft gesundheitliche Schäden davonträgt. Es darf auch nicht zu einem Normalzustand werden, dass Schiedsrichter die Sportanlagen unter Polizeischutz verlassen müssen. Der Streik ist ein dringender Appell, die bestehenden Probleme endlich ernst zu nehmen und strukturiert anzupacken. Die Botschaft ist klar: So wie bisher kann und wird es nicht weitergehen. Der Fußball im Kreis Wuppertal/Niederberg und über die Kreisgrenzen hinaus braucht einen spürbaren Kulturwandel in Richtung Gewaltfreiheit, Respekt und Fairness. Adressaten: Vereine, Spieler, Trainer und Zuschauer“, so der Kreisschiedsrichterausschuss.

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Der Streik richte sich ausdrücklich nicht gegen den Fußball als solchen, sondern gegen destruktive Verhaltensweisen einzelner Akteure, die das Miteinander auf und neben dem Platz vergiften würden. Respektlosigkeiten, verbale Entgleisungen, Drohungen und körperliche Angriffe seien keine „Begleiterscheinungen“ des Fußballs, sondern klare Grenzübertritte. Wer Schiedsrichter beleidige, bedrohe oder angreife, greife den Fußball und seine Grundwerte insgesamt an. Vereine würden auch Verantwortung für das Verhalten ihrer Spieler, Betreuer und Anhänger tragen und müssten dieser Verantwortung konsequent nachkommen. „Nur wenn alle Beteiligten zusammenstehen, kann ein sicheres und von Fairness geprägtes Umfeld für den Amateurfußball geschaffen werden“, so die Schiedsrichter.

Auch außerhalb des Platzes steigen die Aggressionen - Streik richtet sich auch an Zuschauer

Im Mittelpunkt des Streiks stehen Gewalt und Feindseligkeiten gegen Schiedsrichter. Gleichzeitig haben die Schiedsrichter aber auch „mit großer Sorge“ beobachtet, „dass nicht nur der Umgang mit Unparteiischen, sondern auch das Miteinander zwischen Spielerinnen und Spielern, zwischen Spielern und Trainern sowie zwischen Zuschauergruppen teilweise ein Maß an Aggression und Respektlosigkeit erreicht hat, das mit einem fairen Sportbetrieb unvereinbar ist. Der Streik versteht sich daher als Appell an den gesamten Fußball, zu seinen Grundwerten zurückzukehren: Fair Play, gegenseitiger Respekt, Gewaltfreiheit und die Anerkennung der Schiedsrichter als unverzichtbare Voraussetzung für einen geordneten Spielbetrieb.“

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Es geht somit auch um die „insgesamt wachsende Gewaltbereitschaft und Eskalationsdynamik auf den Fußballplätzen.“