Nach über zwei Jahrzehnten als Profifußballer stand Moritz Stoppelkamp im Heimspiel von Rot-Weiß Oberhausen gegen die U23 von Borussia Mönchengladbach ein letztes Mal auf dem Rasen des Stadion Niederrhein. Der 39-Jährige beendet nach dieser Saison seine eindrucksvolle Karriere genau dort, wo er 2008 sein Zweitliga-Debüt feierte. „Ich glaube, da schließt sich ein Kreis“, so der gebürtige Duisburger, der am Samstag einen emotionalen Nachmittag erlebte, wie er im Gespräch mit dieser Redaktion nachdem 1:0-Sieg gegen die Fohlen berichtete.

Nach so einem emotionalen Nachmittag die eigene Gefühlslage auf den Punkt zu bringen, dürfte nicht leichtfallen, oder?

Das ist schwer auf den Punkt zu bringen. Da bin ich ganz ehrlich. Es war schon seit ein paar Wochen/Monaten klar, dass ich jetzt im Sommer aufhören werde. Man redet immer darüber, aber wenn der Zeitpunkt tatsächlich dann kommt und das letzte Heimspiel stattfindet, ist das schon ein komisches Gefühl. So war es auch schon, als ich die Videobotschaft aufgenommen habe. Ich hatte ein paar Sachen im Kopf, die ich sagen wollte. Die waren aber plötzlich weg, so dass ich ein bisschen improvisieren musste. Aber heute war es ein toller Nachmittag. Mir war es auch wichtig, mich hier mit einem Sieg zu verabschieden. Das ist uns gelungen. Leider hat da Fortuna Köln nicht so mitgespielt. Ich hätte mir gewünscht, dass es am letzten Spieltag noch um etwas geht. Aber trotzdem bin ich sehr dankbar. Der ganze Block mit meinen Freunden und meiner Familie war heute hier. Die Fans haben mich super verabschiedet. Zudem konnte ich selbst auch noch was zum Sieg beitragen. Jetzt genieße ich noch die letzte Woche mit den Jungs in der Kabine. Das wird mir auch sehr fehlen.

Regionalliga West: Rot-Weiß Oberhausen - Borussia Mönchengladbach II
Ein ganz Großer sagt Servus: Moritz Stoppelkamp.© FUNKE Foto Services | Micha Korb

Ein besonderer Moment war sicherlich der, wo Sie ausgewechselt wurden, als Sie zusammen mit ihren beiden Kindern den Rasen des Stadion Niederrheins unter dem Applaus der Zuschauer und den beiden Mannschaften verlassen haben.

Das war im Vorfeld so abgesprochen, weil es mein Wunsch war. Ich bin mit meinen beiden Jungs eingelaufen und die beiden Jungs haben mich dann bei meiner Auswechslung abgeholt. Das war schon richtig schön.

Als es vor drei Jahren für Sie beim MSV Duisburg nicht weiterging und Sie zu RWO zurückkehrten, hatten Sie uns erzählt, dass schon damals ein mögliches Karriereende ein Thema bei Ihnen gewesen war. Damals fühlten Sie sich aber letztlich noch nicht bereit dafür. Ist es jetzt etwas leichter, diesen Schritt zu gehen, weil man sich darauf länger vorbereiten konnte?

Ja, auf jeden Fall. Damals war es so, dass ich über ein Karriereende nachgedacht habe. Aber ich bin dann zum Entschluss gekommen, dass ich so noch nicht aufhören kann. Dann wollte ich ein Jahr für RWO spielen. Aus einem Jahr wurden dann drei. Aber dieses Jahr war es dann so weit, wo ich gemerkt habe, vielleicht ist es am Ende dieser Saison besser zurückzutreten und neue Wege zu gehen. Ich bin sehr stolz, nochmal hier drei Jahre gespielt zu haben. Insgesamt zwei Jahrzehnte habe ich dem Ball im Profifußball hinterhergejagt und hier auf dem Rasen verbracht. Die Zeit geht schnell rum. Ich habe den Jungs das heute im Kreis nochmal gesagt, sie sollen jede Minute genießen. Denn irgendwann kommt der Tag, der wird sehr emotional und dann wird man vermissen, was man hatte. Dementsprechend sollen die Jungs alles genießen. Ich habe es genossen und bin sehr dankbar.

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Moritz Stoppelkamp bei seiner Verabschiedung mit Dennis Lichtenwimmer-Conversano, Marcus Uhlig und Thorsten Binder.© FUNKE Foto Services | Micha Korb

Wie blicken Sie auf diese Saison zurück? Was hat im Aufstiegsrennen letztlich den Unterschied zwischen RWO und Fortuna Köln ausgemacht?

Im Moment vier Punkte. Wenn man so die Saison Revue passieren lässt, dann muss man natürlich den schlechten Start nennen. Dann hatten wir zwischendurch das eine oder andere Unentschieden zu viel drin. Aber das passiert auch. Wir haben sehr viele Spiele in diesem Jahr nur mit einem Tor Unterschied gewonnen. Das darf man auch nicht vergessen, dass wir uns vieles hart erarbeiten mussten. Am Ende des Tages war da Fortuna Köln konstanter. Aber ich wünsche und hoffe für RWO, dass der Klub das in den nächsten Jahren schafft.

Für Sie persönlich war es allerdings auch nicht die leichteste Saison, die zwischen Stammkraft, Jokerrolle und Ersatzbank pendelte.

Ich habe Anfang September eine neue Rolle zugeteilt bekommen. Natürlich will man als Fußball immer spielen. Aber letztlich hätte ich mich entscheiden können, ob ich jetzt Stress mache oder ob ich die Zeit besser genieße, die mir noch auf dem Rasen bleibt. Letztlich wollte ich alles dem Erfolg unterordnen. Ich habe nicht viel erzählt, was ihr Medienvertreter ja gemerkt habt. Aber wenn ich gebraucht wurde, wollte ich da sein. Deswegen habe ich weiter Gas gegeben. Ich denke, das ist mir auch ganz gut gelungen. Dementsprechend bin ich froh, wie es jetzt gelaufen ist. Heute gab es nochmal einen super Abschied. Am Ende des Tages sind wir natürlich auch enttäuscht, weil es für ganz oben nicht gereicht hat. Aber die Chancen in den nächsten ein bis drei Jahren sind extrem hoch, dass RWO das schaffen kann.

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Gemeinsam mit dem Nachwuchs verließ Moritz Stoppelkamp ein letztes Mal den Rasen des Stadion Niederrhein.© FUNKE Foto Services | Micha Korb

Wie geht es mit Blick auf Ihre Zukunft abseits des Rasens weiter?

Mir wird schon nicht langweilig. Ich habe mir schon das eine oder andere Standbein aufgebaut. Das war mir wichtig. Da habe ich schon mit Ende 20 drüber nachgedacht, was mache ich nach meiner Karriere. Da geht es nicht mal so sehr um das Wirtschaftliche, sondern was ich mental mache. Ich wollte nicht in ein mentales Loch fallen. Dementsprechend habe ich mir da was aufgebaut. Ich werde jetzt morgens nicht zuhause aufwachen und mich fragen, was ich denn heute machen kann. Da gibt es schon die eine oder andere Aufgabe für mich. Ich habe viele Projekte in der Pipeline und werde auch RWO in beratender Funktion erhalten bleiben. Da bin ich im engen Austausch mit Dennis Lichtenwimmer-Conversano und Marcus Uhlig.

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Macht nach knapp 21 Jahren Profifußball Schluss: Moritz Stoppelkamp.© FUNKE Foto Services | Micha Korb

Als Alexander Scheelen 2021 seine Karriere bei den Kleeblättern beendete, meinte er, er würde wohl erst in den kommenden Wochen und Monaten merken, was ihm alles fehlen wird. Besonders die Kleinigkeiten, wie die Fahrt zum Trainingsplatz oder das Quatschen mit den Jungs in der Kabine.

Ich werde sehr vieles vermissen. Die Kabine, die Jungs, die Fans, den Geruch des Rasens. Aber irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen. Der ist jetzt. Ich weiß nicht, ob es der richtige und ob es überhaupt den richtigen Moment gibt. Aber ich denke, so wie es jetzt gerade ist, ist es vielleicht am besten.