„So, ich wäre dann soweit“ – mit diesen Worten beginnt die Videobotschaft von Moritz Stoppelkamp, in der der 39-Jährige das Ende seiner aktiven Karriere verkündet. Die Nummer 10 von Fußball-Regionalligist Rot-Weiß Oberhausen sagt nach etwas mehr als 21 Jahren Profifußball Servus und wird am kommenden Samstag (14 Uhr) im Heimspiel gegen die U23 von Borussia Mönchengladbach ein letztes Mal im Stadion Niederrhein auflaufen.

„Der Papa macht Schluss. Ich habe hier 2008 mein Zweitliga-Debüt gegeben und beende jetzt hier meine Karriere. Ich glaube, da schließt sich ein Kreis““, so Stoppelkamp. „Ich habe mit vier Jahren angefangen, Fußball zu spielen, und deshalb fällt mir dieser Schritt absolut nicht leicht. Trotzdem ist es an der Zeit, aufzuhören. Ich möchte mich auf diesem Wege bei euch Fans bedanken, die mich immer unterstützt haben, wo ich sehr viel Liebe erfahren habe – gerade hier bei RWO.“

Stoppelkamp schafft über RWO den Sprung in die 1. Bundesliga

Der gebürtige Duisburger kann auf eine bewegte Laufbahn zurückblicken.

Stoppelkamp war zur Saison 2008/09 von RW Erfurt zum damaligen Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen gewechselt. Dort schaffte er in seiner zweiten Saison den Durchbruch, erzielte in 31 Zweitligapartien neun Tore und wechselte im Sommer 2010 in die Bundesliga zu Hannover 96. Mit den Niedersachsen ging es bis in den Europapokal, ehe sich Stoppelkamp 2012 dem TSV 1860 München und zwei Jahre später dem SC Paderborn anschloss.

Bundesliga-Rekord: Stoppelkamp trifft aus 82,3 Metern Entfernung

Bei den Ostwestfalen gelang ihm am 20. September 2014 ein bis heute einzigartiger Treffer. Im Heimspiel gegen Hannover erzielte „Stoppel“ beim 2:0-Erfolg aus 82,3 Metern das bis heute weiteste Tor der Bundesliga-Geschichte. Dafür gab’s später die Auszeichnung fürs Tor des Monats der ARD-Sportschau und Platz zwei bei der Wahl zum Tor des Jahres hinter dem Tor von Mario Götze im WM-Finale 2014.

 Ob es jetzt der richtige Zeitpunkt ist oder ob es überhaupt einen richtigen Zeitpunkt gibt, das weiß ich nicht

Moritz Stoppelkamp, kurz vor dem Karriereende

Über den Karlsruher SC ging es 2017 für Stoppelkamp zurück zu seinem Jugendverein MSV Duisburg. Da sein Vertrag bei den Zebras nach der Saison 2022/23 nicht verlängert wurde, schloss sich der gebürtige Duisburger wieder den Kleeblättern an. „Ich hätte natürlich noch die Möglichkeit gehabt, woanders zu spielen, auch höherklassig, oder den Schritt ins Ausland zu wagen. Aber ich habe mich bewusst dagegen entschieden, weil ich eine Vergangenheit mit RWO habe. Deshalb war es letztlich der logische Schritt für mich“, hatte Stoppelkamp damals gegenüber dieser Redaktion erklärt.

Regionalliga West: VfL Bochum - Rot-Weiß Oberhausen
Moritz Stoppelkamp (links, hier beim Gastspiel vergangenes Wochenende bei der U21 des VfL Bochum) beendet zum Saisonende seine Profikarriere.© FUNKE Foto Services | Micha Korb

Seit seiner Rückkehr zu den Kleeblättern erzielte der Routinier in bisher 83 Pflichtspielen 42 Tore. „Ich bin Stoppel sehr dankbar, dass er sich dem neu eingeschlagenen Weg, den wir vergangene Saison begonnen haben, angeschlossen hat. Wir standen damals vor einer ungewissen Zukunft mit vielen jungen Spielern, wobei Stoppel einer der Führungsspieler war, die uns Stabilität und Sicherheit gebracht haben“, berichtet RWO-Sportchef Dennis Lichtenwimmer-Conversano im Gespräch mit dieser Redaktion. „Er ist einfach ein richtig geiler Kicker, der immer noch in jedem Training vor Spielfreude sprüht und sein Bestes gibt.“

Neben den Fans richtet Stoppelkamp seinen Dank auch an seine Familie, Freunde und Wegbegleiter, die ihn über die gesamte Laufbahn begleitet haben. „Auch an die Familie meiner Frau und meine Frau, die mir immer den Rücken freigehalten und die mich auch in sehr schlechten Phasen ertragen hat, und insbesondere an meine beiden Jungs, die mir jeden Tag extra Motivation gegeben haben, die mich fit gehalten und mir Tipps gegeben haben.“

In seiner gewohnt authentischen Art spricht er dabei nicht nur über emotionale Momente, sondern auch mit einem Augenzwinkern über seine berühmten Spider-Man-Torjubel, die auf Wunsch seines Sohnes entstanden seien – „sonst hätte ich Riesenärger bekommen zu Hause.“

Stoppelkamp könnte Vereinsbotschafter bei den Kleeblättern werden

Stoppelkamp weiter: „Am Ende des Tages blicke ich auf eine Karriere zurück, mit viel Dankbarkeit, ein bisschen stolz bin ich auch. Ob es jetzt der richtige Zeitpunkt ist oder ob es überhaupt einen richtigen Zeitpunkt gibt, das weiß ich nicht. Ich freue mich auf das, was kommt, und wünsche Rot-Weiß Oberhausen und euch Fans alles alles Gute für die Zukunft. Ich werde den Weg weiter verfolgen und mich wird man auch in der neuen Saison das ein oder andere Mal im Stadion sehen.“

In der aktuellen Saison pendelte Stoppelkamp zwischen Startelf, der Rolle als Joker und der Ersatzbank. „Es war eine neue Rolle für ihn, die er aber sportlich angenommen und sich im Sinne des Vereins untergeordnet hat. Zuletzt in Bochum hat er getroffen, was uns alle sehr gefreut hat. Hoffentlich kommt noch der eine oder andere Treffer dazu. Gerade vor heimischer Kulisse wäre das natürlich eine tolle Sache“, so Lichtenwimmer-Conversano, der hofft, dass Stoppelkamp auch nach seiner Profi-Karriere den Kleeblättern verbunden bleibt.

„Ich habe mit ihm darüber gesprochen, ob er sich vorstellen könnte, als Vereinsbotschafter für uns zu agieren. Das würde uns sehr freuen, wenn das klappt. Stoppel hat es auch nicht verneint. Aber klar ist auch, dass er sein Karriereende erst einmal emotional verarbeiten soll. Wir haben einen guten Draht zueinander, so dass ich schon glaube, dass wir da was hinbekommen.“