Es ist zweifelsohne das größte Spiel der Vereinsgeschichte für den Primero Club de Futsal Mülheim. Im Hinspiel der Relegation gegen den Karlsruher SC kann der Futsal-Regionalligist die Weichen stellen für den sportlichen Aufstieg in die erste Liga. Am Samstagabend steigt die Partie um 19 Uhr in der Halle an der Boverstraße in DümptenNoch ist allerdings gar nicht endgültig klar, ob der PCF die Chance des Aufstiegs überhaupt wahrnehmen würde. Vor welchen Herausforderungen die Klubs stehen, zeigt ein aktuelles wie prominentes Beispiel.

Denn mit dem Hamburger SV zieht sich ausgerechnet der für Nicht-Futsal-Experten bekannteste Name aus der Bundesliga zurück. Viermal waren die Hanseaten unter dem Vorgängerverein Hamburg Panthers Deutscher Meister und könnten erst in diesem Jahr endgültig vom TSV Weilimdorf aus Stuttgart als Rekordmeister abgelöst werden. Aktuell spielt der HSV noch im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft - es ist aber die Abschiedstour, der Rückzug ist beschlossen. Gegenüber dem NDR begründete der Klub diesen Schritt neben dem mangelnden Zuschauerinteresse vor allem auch mit fehlenden professionellen Strukturen.

Futsalern des HSV fehlen die strukturellen Rahmenbedingungen

„Seit der Gründung der Bundesliga im Jahr 2021 wurde die Liga nicht in dem Maße weiter professionalisiert, wie es für einen nachhaltigen und stabilen Wettbewerb erforderlich wäre. Aktuell bietet sie aus Sicht des HSV nicht die strukturellen Rahmenbedingungen, die ein professioneller Betrieb braucht“, hieß es seitens der Hamburger. Das ist auch als Kritik am DFB zu verstehen - der Deutsche Fußball-Bund ist für den Bundesliga-Spielbetrieb verantwortlich.

Vor einem Jahr hatte aus ähnlichen Gründen Fortuna Düsseldorf seinen Spielbetrieb in der ersten Liga eingestellt. Einige Spieler waren daraufhin auch nach Mülheim gewechselt. Es stellt sich also die Frage, wie ein Amateurklub wie der 2008 gegründete PCF nachhaltig in der Bundesliga bestehen soll, wenn es nicht einmal große Namen wie der HSV oder die Fortuna hinbekommen. „100.000 Euro muss ein Verein jedes Jahr Minimum mitbringen. Das ist für einen e.V. nicht ohne“, schätzte Onur Ulusoy, türkischer Ex-Nationalspieler und Gründer der Panthers gegenüber dem NDR.

„Voraussetzungen sind für lokalen Verein sehr herausfordernd“

Für einen Verein wie den PCF alleine nicht stemmbar. Vor allem nicht auf Jahre gesehen. Deswegen laufen hinter den Kulissen aktuell die Überlegungen, ob ein Bundesliga-Start für die Mülheimer überhaupt realistisch ist. Zumal die Zuschauerzahlen in der Regionalliga meist nicht einmal dreistellig sind. In der Relegation hofft der Primero Club zumindest auf die zugelassenen 200 Zuschauer. Selbst in der Bundesliga hat es der Futsal nicht geschafft, am Hype durch die neuen Kleinfeldligen zu profitieren.

„Die Statuten und Voraussetzungen des DFB sind für uns als kleinen lokalen Verein tatsächlich sehr herausfordernd. Dabei geht es insbesondere um finanzielle als auch um logistische und personelle Aspekte. Der Verein würde von einem lokalen Freizeitsportverein zu einem semiprofessionellen Sportverein auf Bundesebene erwachsen“, sagte der Vorsitzende Alexander Prim im Vorfeld der Aufstiegsrunde.

Er legt den Blick zunächst einmal auf das Sportliche. Denn dort wartet nicht nur ein aus dem Fußball bekannter Name, der KSC kommt auch als Meister der Regionalliga Süd und mit 14 Siegen in Folge. Die Gäste wollen ihre „historische Saison krönen“, wie sie via Instragram verlauten ließen.

Auf die Bundesliga-Chancen des Primero Club hat der Rückzug des Hamburger SV übrigens keinen Einfluss. Hamburg wird als Absteiger ans Tabellenende gesetzt. Dafür darf das eigentliche Schlusslicht YB Balkan Pfarrkirchen in der Relegation um den Klassenerhalt spielen. Auch Preußen Münster rutscht einen Platz vor und hat den direkten Klassenerhalt sicher.