Es ist nicht gerade gewöhnlich, dass auf einer Reitanlage ein Pool zur Erfrischung bereitsteht. In Le Mans im Nordwesten Frankreichs kam das kühle Nass neben der Halle für die Voltigierer-Nationen allerdings gerade recht. Nicht nur wegen der schwül-warmen Witterung genehmigte sich Mira Lehnen am Sonntagabend einen Sprung in den Pool. Die 16-jährige Moerserin hatte schließlich allen Grund zum Feiern. Mit ihrem sechsköpfigen Team des VV Köln-Dünnwald, das Deutschland bei der Junioren-Europameisterschaft der Voltigierer vertrat, holte Mira Lehnen die Goldmedaille. Es ist der größte Erfolg ihrer noch jungen Laufbahn im Pferdesport.
Deutschland setzt sich gegen vier starke Konkurrenten durch
„Es war ein sehr schönes Wochenende. Wir hatten nicht unbedingt mit Gold gerechnet. Zumal unsere Hauptkonkurrenten wie Italien, Österreich, Frankreich oder Schweiz ja auch ziemlich gut unterwegs waren“, berichtet Mira Lehnen. Nach dem Pflichtdurchgang lag Deutschland zwar noch hinter Italien auf Platz zwei. Mit der ersten Kür allerdings eroberte die Kölner Auswahl die Spitze vor Gastgeber Frankreich und Österreich. Der Platz an der Sonne wurde auch im finalen zweiten Kürdurchgang nicht mehr hergegeben.

Die verständliche Nervosität gerade beim Finale hatte Mira Lehnen gut im Griff. „Ich habe die Nervosität in Freude umgewandelt“, erklärt die 16-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. Die schöne Atmosphäre in der Halle mit rund 400 Zuschauern, für Voltigieren eine sehr gute Zahl, beflügelte dazu das deutsche Team. Ein kleiner Faktor war natürlich die sommerliche Wärme. „Die schwüle Luft in der Halle war natürlich nicht gerade angenehm. Damit mussten aber alle Mannschaften klarkommen“, betont Mira Lehnen.
Mira Lehnen: Nach der Siegerehrung gibt es Sekt und einen Sprung in den Pool
Letztendlich ließ sich das Team auch von der Witterung und etlichen Schweißperlen nicht aus der Ruhe bringen. Der 17-jährige Holsteiner Wallach Calidor mit Ines Nawroth an der Longe spulte mit seinen Voltigiererinnen das einstudierte Programm bestens ab. Was auch Bundestrainer Kai Vorberg ungemein freute. Am Ende standen eine Goldmedaille, die traditionelle Siegerschärpe, Blumen, Stolz, Jubel, einige Gläschen Sekt. Und eben der Freudensprung in den Pool auf der Anlage in Le Mans. „Die übrigen deutschen Teilnehmer und auch die anderen Nationen waren nach der Siegerehrung auch noch da“, berichtet Mira Lehnen von einer schönen Atmosphäre rund um ihren größten Erfolg.

Die Pause nach der erfolgreichen EM fällt übrigens eher übersichtlich aus. Die Pferde in Köln wollen weiter versorgt werden. Dazu wartet Mitte September im niedersächsischen Lamspringe die Deutsche Meisterschaft, wo das Kölner Juniorinnen-Team sicher auch Topfavorit sein dürfte. Zudem wird Mira Lehnen in der kommenden Woche in der Aachener Soers vertreten sein. Bruder Bela Lehnen, immerhin amtierender U21-Vizeweltmeister, ist dann in seinem ersten Seniorenjahr bei der Weltmeisterschaft am Start: „Da drücke ich natürlich vor Ort fest die Daumen.“
Zwei Mädels scheiden im Team aus Altersgründen aus, so dass wir natürlich Ersatz brauchen.
Mira Lehnen, richtet den Blick schon ein wenig auf WM der Voltigierer 2027 in Italien
Ein wirklicher Sommerurlaub in den laufenden Schulferien fällt diesmal also flach. Ganz leicht wirft dazu das neue Jahr übrigens schon seine Schatten voraus. In Italien wird es für die Voltigierer 2027 eine Weltmeisterschaft geben. Ob das Kölner Gespann mit Mira Lehnen die Qualifikation schaffen wird, ist nicht sicher. „Zwei Mädels scheiden im Team aus Altersgründen aus, so dass wir natürlich Ersatz brauchen“, berichtet die Moerserin. Die Mannschaft besteht aus sechs Sportlerinnen plus einer Ersatzreiterin, falls sich jemand im Wettkampf verletzen sollte.
Noch zwei Jahre am Moerser Adolfinum-Gymnasium
Zwischen den Weltreiterspielen in Aachen und der Deutschen Meisterschaft Mitte September liegt der Schulstart. Mira Lehnen wird dann in die zwölfte Klasse und somit ins vorletzte Jahr am Moerser Adolfinum-Gymnasium gehen, bevor das Abiturjahr wartet. Das kürzlich wieder eingeführte 13. Schuljahr macht der Voltigiererin übrigens nicht viel aus, im Gegenteil: „Wir hatten recht wenig Nachmittagsunterricht, alles war doch entspannter. Die neue Regelung war und ist für mich mit Blick auf meinen Sport zeitlich auch ein Vorteil.“


