Mira Lehnen ist zwar erst 16 Jahre jung. Ihr sportlicher Erfahrungsschatz kann sich aber durchaus sehen lassen. Die Moerserin ist seit mehr einem Jahrzehnt auf dem Rücken von Pferden aktiv. Was ein anspruchsvolles Unterfangen an sich schon ist. Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer, Körperbeherrschung und eine gute Portion Mut gehören dazu, um im Voltigieren vorn dabei zu sein. Und Mira Lehnen ist vorn dabei. Mit ihrem Team vom VV Köln-Dünnwald gelang der Schülerin des Adolfinum-Gymnasiums jüngst die Qualifikation zur Europameisterschaft.
Europameisterschaft steigt im Motorsportort Le Mans in Frankreich
Die wird vom 27. Juli bis zum 2. August im französischen Le Mans ausgetragen. Der Ort im Nordwesten des Landes ist eigentlich seit über hundert Jahren für Motorsport und das traditionelle 24-Stunden-Rennen für Sportwagen weltweit bekannt. Ende Juli haben die Pferde und ihre Voltigierer allerdings einige Tage lang in Le Mans das Wort. Für Mira Lehnen ist der Start alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Im vergangenen Jahr kostete ein Kreuzbandriss im Training nebst Operation die komplette Saison 2025.

„Ich bin mit dem Knie irgendwie weggeknickt und während einer Übung vom Pferd gerutscht. Nach einem MRT war schon zwei Wochen später die Operation. Zum Glück ist alles sehr gut verheilt“, sagt die 16-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. Nach der Genesung dauerte es auch nicht lange, bis die Moerserin wieder ins Turniergeschehen eingreifen konnte. Vielleicht machte der Kopf auch deshalb so schnell wieder mit, weil ein unliebsamer Abgang vom bewegenden Pferd immer möglich ist. „Es gehört einfach dazu, auch mal vom Pferd zu fallen. Das hilft gerade auch bei neuen Übungen zu erkennen, wie man Dinge körperlich besser machen muss“, versichert Mira Lehnen.
Bis vor zwei Jahren noch aktive Turnerin beim TV Schwafheim
Mit Körpergefühl und Körperspannung, wichtigen Elementen allgemein in vielen Sportarten, kennt sich die Schülerin aus. Bis vor zwei Jahren war sie aktive Turnerin beim TV Schwafheim. Gerade die Übungen am Boden waren ihr Streckenpferd. Aber auch der schwierige Schwebenbalken hat ihr fürs Voltigieren weitergeholfen.

„Die größte Herausforderung ist es, Übungen auf einem nicht immer regelmäßig bewegenden Pferd zu schaffen“, sagt Mira Lehnen. Klar: Sie und ihre Kolleginnen üben auch auf einem mechanischen Pferd. „Da ist manches etwas einfacher zu erlernen“, so Lehnen, „trotzdem kann die Übung auf dem echten Pferd immer noch etwas anders ausfallen.“
Es gehört einfach dazu, auch mal vom Pferd zu fallen. Das hilft gerade auch bei neuen Übungen zu erkennen, wie man Dinge körperlich besser machen muss.
Mira Lehnen, Moerser Voltigiererin bei der Europameisterschaft in Le Mans Ende Juli
Bei der Europameisterschaft ist ein Platz unter den Top 3 möglich
Nach einem vierten Platz zum Saisonauftakt im niederländischen Ermelo lief es beim „Preis der Besten“ zwei Wochen später im Pferdesportzentrum Warendorf bestens. Nach dem Pflichtdurchgang mit sechs Übungen sowie zwei Kürdurchgängen zu je dreieinhalb Minuten lag die sechsköpfige Kölner Crew vorn, die auf dem 17-jährigen Holsteiner Wallach Calidor und mit Ines Nawroth an der Longe startet. Vor allem in der zweiten Kür zum ikonenhaften „Who Wants to Live Forever“ von Queen überzeugte das Team. Zwei oder drei Sportlerinnen sind in Pflicht und Kür übrigens gleichzeitig auf dem Pferderücken zu finden. Der Lohn war die Nominierung für die Europameisterschaft. In Le Mans werden die Ziele durchaus ambitioniert sein. „Wir wollen unter die Top 3 kommen, das ist mit Blick auf die Wertungsnoten möglich“, betont Mira Lehnen.

Ihre Glücksbringer werden in Frankreich auch wieder mit dabei sein: „Ich bin ziemlich abergläubisch und habe gleich mehrere Armbänder und Stofftiere.“ Nicht fehlen dürfte ein kleines türkisfarbenes Einhorn, das bei den Turnieren bisher für eine 100-Prozent-Erfolgsquote gesorgt hat. Ein Daumendrücker wird natürlich Bruder Bela Lehnen sein. Der Moerser ist amtierender U21-Vizeweltmeister und natürlich ein Vorbild. „Bela und auch meine Mutter haben mich ganz früh zum Reiten und Voltigieren gebracht. Ich bin da fast reingeboren“, sagt Mira Lehnen schmunzelnd.
Zeit auf dem Adolfinum-Gymnasium läuft noch zwei Jahre
Zwei Jahre läuft noch die Zeit am Adolfinum-Gymnasium. Dann wird es ernst, was das Berufsleben anbetrifft. Das dann wiederum vermutlich auch die weitere Voltigieren-Karriere beeinflusst. „Natürlich mache ich mir schon ein wenig Gedanken darüber, wie es nach der Schule so weitergeht. Derzeit denke ich über ein Psychologie-Studium nach.“ Am liebsten in Verbindung mit Sport. Der soll auch weiterhin einen breiten Raum im Leben von Mira Lehnen einnehmen.


