Wer auf dem aktuell noch staubigen Gelände des Kamp-Lintforter Motocross am Eyller Berg steht, der kommt an zwei markanten Bauklötzen nicht vorbei. Schon vor dem ersten Weltkrieg wurden hier Brückenvorrichtungen für eine mögliche Bahntrasse von Duisburg-Baerl bis nach Geldern errichtet. Züge fuhren allerdings nie. Seit dem ersten Motocross-Rennen am 1. Mai 1953 prägen die beiden Bauwerke den 1680 Meter langen Rundkurs. Der wird vom 2. Vorsitzenden Mark Dellen, Mitarbeitern seines Gartenbauteams und auch von Mitstreitern des gastgebenden Motorclubs Kamp-Lintfort, unterm Strich 15 bis 20 Helfer, seit Tagen mit viel Liebe und Schweiß hergerichtet. Am kommenden Freitag (erstes Training ab 8 Uhr, erstes Rennen um 11.20 Uhr) ist die Piste für vier Starterklassen eröffnet. Rund 3000 Zuschauer werden am Mai-Feiertag bei sonnigem Wetter erwartet. Es ist die 73. Auflage des Internationalen ADAC Motocross.
Motorclub Kamp-Lintfort: 2. Vorsitzender ist lange auf der Strecke mitgefahren
Das Team um Mark Dellen hat schon ganze Vorarbeit geleistet. Eine neue Randstein-Gerade, vor der die Startermaschine für rund 40 Fahrerinnen und Fahrer nebeneinander stehen wird, ist gebaut. Zahlreiche Stellen auf der Strecke sind vom Unkrautgrün befreit. „Schon im Januar beginnen wir punktuell, um alles herzurichten. Wirklich viel Arbeit gibt es dann ab zwei Wochen vor dem Motocross“, schildert Dellen, der selber lange aktiv mitgefahren ist: „Als es nicht mehr weiter nach oben ging, habe ich die Gartenbaufirma meines Vaters übernommen. Ich unterstütze gern die Nachwuchsfahrer und auch die umfangreiche Streckenpflege.“

Und dies kostenneutral für den Verein, der gerade einmal hundert Mitglieder aufweist. Dellen legt seine Firmenaufträge in der Regel so, dass er vor dem Motocross-Maistart einsatzbereit ist. Rund 50.000 Euro umfasst der Etat für den Renntag, der im Jahr 1958 die Rekordkulisse von 30.000 Besuchern auf die Beine brachte. Ohne Idealisten wie Mark Dellen und seine Crew wären die Renntagkosten ungleich höher. Seit 2019 sind die Freestyler nicht mehr im Programm. Was den Motorclub immer noch ein wenig schmerzt. „Unser Sponsor ist in Rente gegangen. Da waren die Freestyler für uns nicht mehr finanzierbar“, erklärt Jörg Sawatzki, der Geschäftsführer des Vereins.
Rennstrecke am Eyller Berg darf nur zweimal im Jahr genutzt werden
Weil die Strecke am Eyller Berg als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist, darf hier nur zweimal im Jahr Motorsport betrieben werden. Für die Natur sicher ein Gewinn, für den Verein ein Dilemma. „Wir können leider kein Training anbieten, obwohl wir viele Nach- und Rückfragen dazu haben“, betont Jörg Sawatzki. Daraus resultiert, dass der Motorclub Kamp-Lintfort praktisch um jedes neue Mitglied kämpfen muss.
Das ist der Zeitplan
Am Freitag startet das Training auf der Motocross-Strecke am Eyller Berg bereits um 8 Uhr und läuft bis gegen 11.10 Uhr. Die Gästeklasse absolviert ab 11.20 Uhr ihren ersten Lauf: 15 Minuten plus zwei Runden. Nach der Mittagspause geht es dann richtig los. Es fahren Pro MX2 (13 und 15.30 Uhr, 20 Minuten plus zwei Runden), Pro MX1 (13.35 Uhr und 15.30 Uhr, 20 Minuten plus zwei Runden), die Seitenwagen (14.10 Uhr und 16.35 Uhr, 15 Minuten plus zwei Runden). Dazu absolviert die Gästeklasse um 15 Uhr ihren zweiten Lauf. Gegen 17.30 Uhr werden dann die Sieger geehrt.
„Die helfenden Hände werden weniger“, findet in diesem Zusammenhang auch Club-Sprecher Roland Beyer, der gleichzeitig die Naturstrecke für ihren einzigartigen Charakter lobt: „Bei uns können die Zuschauer aus nahezu allen Positionen optisch die Rennen gut verfolgen. Auch die markanten Sprünge natürlich.“ Um auf der gegenüber liegenden Rennseite zum obligatorischen Club-Zelt neben der Budengasse die Lautsprecher-Durchsagen zu optimieren, wurden extra neue Stromkabel verlegt. Ob die Akustik wirklich weniger blechern wirkt, wird sich am Freitag zeigen.

Vorher wird sicher intensiv die Strecke gewässert. Das trockene Wetter sorgt schließlich schnell für eine entsprechende Piste. Und auch viel Staub. Nicht nur für Fahrer, auch für Zuschauer. Mark Dellen und seine Mitstreiter, Sportkommissar Jörg Bekkering etwa oder „Edelhelfer“ Frank van Deyk mit seinem Hütehund Anouk, werden auf diesen Umstand ihre im Motocross erfahrenen Augen haben.
Fünf Kamp-Lintforter starten in der Gästeklasse
Lokalmatadoren werden bei den Rennen am Freitagnachmittag mit dabei sein. Etwa die Neukirchen-Vluyner Luca Herwix (Pro MX1) oder Lutz Wellmanns (Pro MX2). In der offenen Klasse sind die Kamp-Lintforter mit Kevin Reininger, Marcel Gellings, Tobias Neubert, Timo Appel und Dominik Neubert vertreten. Gemeldet haben hier bisher auch Gregor Geiger (Moers), Dominik Rutzkowski (Rheinberg) und Loris Baumann (Alpen).


